Transavia-Chef poltert gegen Schiphol-Gebühren und liebäugelt mit Brüssel-Basis
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Transavia-Chef poltert gegen Schiphol-Gebühren und liebäugelt mit Brüssel-Basis

Posted on 24. September 2021 by Jan Gruber

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Der niederländische Billigflieger Transavia liebäugelt schon seit längerer Zeit mit einer Basis auf dem Flughafen Brüssel. Dies bekräftigte Firmenchef Marcel de Nooijer abermals und stellt den Sommer 2022 als möglichen Termin in Aussicht.

Der Flughafen Amsterdam-Schiphol galt vor der Corona-Pandemie als chronisch überlastet. Um für Abhilfe sorgen zu können soll der Flughafen Lelystad ausgebaut werden und von hier aus sollen insbesonder Lowcoster und Charterflüge starten. Das Projekt ist massiv umstritten und aufgrund zahlreicher Klagen ins Stocken geraten. Derzeit ist völlig unklar, ob der ausgebaute Lelystad Airport jemals den gedachten Zweck erfüllen kann.

Transavia würde sehr gerne ab dem zuletzt genannten Flughafen starten, aber momentan ist das nicht möglich. Diese unsichere Situation bewegt den Carrier nun den alten Brüssel-Plan aus der Schublade herauszuholen. Gegenüber Financieel Dagblad sagte Geschäftsführer de Nooijer bezüglich Belgien: “Wir werden sehen, ob wir dort eine Operation starten können. Wir wollen in den kommenden Jahren weiter wachsen können”. Einen Zusammenhang mit den vergleichsweise hohen Flughafengebühren in Schiphol schließt der Manager aber aus.

Schiphol ist “Heimatbasis, aber nicht um jeden Preis”

Dennoch stellt der die Route ins Fenster: “Schiphol ist unsere Heimatbasis, aber nicht um jeden Preis”. Hintergrund ist, dass die Gebühren um rund 40 Prozent steigen werden. Dies bezeichnet der Transavia-Chef als “unfair” und rechnet vor: "Wir werden fast 20 Millionen Euro mehr zahlen als 2019. Das sieht man an keinem anderen Flughafen."

Weiters hat auch die KLM-Tochter im Zusammenhang mit der Staatshilfe, die die niederländische Regierung der Muttergesellschaft gewährt hatte, einen Beitrag zu leisten. Man müsse die direkten Kosten um 15 Prozent senken. De Nooijer hält das für ein schwieriges Unterfangen, wenn gleichzeitig der größte Lieferant, also der Flughafen Amsterdam-Schiphol, die Preise um rund 40 Prozent erhöhen will. "Dieser Anstieg ist für die niederländische Luftfahrt nicht gesund”, so der Manager.

Schriftzug am Terminal des Flughafens Amsterdam-Schiphol (Foto: Jan Gruber).

Scharfe Kritik an Flughafen Amsterdam

Weiters kritisiert de Nooijer, dass Schiphol finanziell gut da stehen würde und beispielsweise durch den Verzicht auf Dividendenzahlungen die Krise leicht kompensieren könnte. Auch würde der Airport durch die Beendigung der Zusammenarbeit mit den Aéroports de Paris besser verdienen.

Transavia konnte in den Sommermonaten durchaus beachtliche Buchungszahlen an Land ziehen, jedoch reicht dies laut dem Firmenchef nicht aus, um in die schwarzen Zahlen fliegen zu können. De Nooijer rechnet damit, dass Transavia und Transavia France einen Verlust in der Höhe von “mehreren Dutzend Millionen Euro” einfliegen werden. Allein in den ersten Monaten des Jahres 2021 hatten die beiden Carrier einen Fehlbetrag von 218 Millionen Euro. Es wird höchstwahrscheinlich nicht mehr gelingen diesen wettzumachen. Im Vorjahr flog Transavia einen Verlust von 120 Millionen Euro ein. Dieser wurde durch das so genannte NOW-Schema gering gehalten. Hätte man diese Unterstützung nicht bekommen, so hätte man gar 200 Millionen Euro verloren.

Passagiere buchen sehr kurzfristig

Dennoch ist Marcel de Nooijer zuversichtlich, dass die Erholung eingesetzt hat. Er verweist darauf, dass man im August 2021 rund 85 Prozent des Niveaus von 2019 durchführen konnte. Allerdings hat sich das Buchungsverhalten stark geändert. Tickets werden nicht mehr frühzeitig, sondern eher kurzfristig gebucht. Der Manager erklärt, dass zumeist innerhalb des Abflugsmonats gekauft wird. Diese Entwicklung habe man bei der Planung zu berücksichtigen.

Für das Jahr 2022 rechnet de Nooijer damit, dass Transavia und Transavia France gemeinsam rund 95 Prozent der Kapazität des Jahres 2019 in der Luft haben werden. Erst gegen Ende des zweiten Halbjahres 2023 geht er davon aus, dass das Niveau von 2019 erreicht werden kann oder im Idealfall sogar übertroffen werden kann. Möglicherweise gibt es dann schon eine Basis in Brüssel.

Basis München war ein Flop

Mit Bases außerhalb Frankreichs bzw. der Niederlande hat Transavia in der Vergangenheit übrigens keine guten Erfahrungen gemacht. Ende März 2016 stationierte man zunächst vier Boeing 737 auf dem Flughafen München und versuchte auch mit Hilfe einer großen Werbekampagne den Platzhirsch Lufthansa anzugreifen. Doch es war nur ein kurzes Gastspiel, den bereits mit Beginn der Winterflugplanperiode 2017/18 wurde die Basis München wieder geschlossen.

Zufälligerweise begann die Lufthansa Group genau zu diesem Zeitpunkt die Marke Eurowings verstärkt auch ab der zweitgrößten Kranich-Base zum Einsatz zu bringen. Air France-KLM ging dann diesem Wettbewerb offensichtlich aus dem Weg. Es gab bei Transavia übrigens auch den absurden Umstand, dass viele Piloten aus den Niederlanden und aus Frankreich eingeflogen wurden, um ihren Dienst ab München anzutreten. Die genauen Hintergründe sind bis heute unklar, jedoch ist anzunehmen, dass es ein Zugeständnis an die Gewerkschaften gewesen sein könnte.

Die Schließung der Basis München wurde vom damaligen Transavia-Chef, Mattijs ten Brink, wie folgt begründet: "Wir haben nun entschieden, unsere Strategie zu ändern und uns auf Wachstum innerhalb unseres Heimatmarktes zu konzentrieren. Deshalb und aufgrund der sorgfältig ausgewerteten Profitabilitätsaussichten ist eine Basis in München nicht länger Teil dieser Strategie”.

Transavia-Chef poltert gegen Schiphol-Gebühren und liebäugelt mit Brüssel-Basis - Aviation.Direct

Transavia-Chef poltert gegen Schiphol-Gebühren und liebäugelt mit Brüssel-Basis

Boeing 737-800 (Foto: V1Images.com/Liav Zimelman).
Boeing 737-800 (Foto: V1Images.com/Liav Zimelman).

Transavia-Chef poltert gegen Schiphol-Gebühren und liebäugelt mit Brüssel-Basis

Boeing 737-800 (Foto: V1Images.com/Liav Zimelman).
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Der Flughafen Amsterdam-Schiphol galt vor der Corona-Pandemie als chronisch überlastet. Um für Abhilfe sorgen zu können soll der Flughafen Lelystad ausgebaut werden und von hier aus sollen insbesonder Lowcoster und Charterflüge starten. Das Projekt ist massiv umstritten und aufgrund zahlreicher Klagen ins Stocken geraten. Derzeit ist völlig unklar, ob der ausgebaute Lelystad Airport jemals den gedachten Zweck erfüllen kann.

Transavia würde sehr gerne ab dem zuletzt genannten Flughafen starten, aber momentan ist das nicht möglich. Diese unsichere Situation bewegt den Carrier nun den alten Brüssel-Plan aus der Schublade herauszuholen. Gegenüber Financieel Dagblad sagte Geschäftsführer de Nooijer bezüglich Belgien: “Wir werden sehen, ob wir dort eine Operation starten können. Wir wollen in den kommenden Jahren weiter wachsen können”. Einen Zusammenhang mit den vergleichsweise hohen Flughafengebühren in Schiphol schließt der Manager aber aus.

Schiphol ist “Heimatbasis, aber nicht um jeden Preis”

Dennoch stellt der die Route ins Fenster: “Schiphol ist unsere Heimatbasis, aber nicht um jeden Preis”. Hintergrund ist, dass die Gebühren um rund 40 Prozent steigen werden. Dies bezeichnet der Transavia-Chef als “unfair” und rechnet vor: “Wir werden fast 20 Millionen Euro mehr zahlen als 2019. Das sieht man an keinem anderen Flughafen.”

Weiters hat auch die KLM-Tochter im Zusammenhang mit der Staatshilfe, die die niederländische Regierung der Muttergesellschaft gewährt hatte, einen Beitrag zu leisten. Man müsse die direkten Kosten um 15 Prozent senken. De Nooijer hält das für ein schwieriges Unterfangen, wenn gleichzeitig der größte Lieferant, also der Flughafen Amsterdam-Schiphol, die Preise um rund 40 Prozent erhöhen will. “Dieser Anstieg ist für die niederländische Luftfahrt nicht gesund”, so der Manager.

Schriftzug am Terminal des Flughafens Amsterdam-Schiphol (Foto: Jan Gruber).

Scharfe Kritik an Flughafen Amsterdam

Weiters kritisiert de Nooijer, dass Schiphol finanziell gut da stehen würde und beispielsweise durch den Verzicht auf Dividendenzahlungen die Krise leicht kompensieren könnte. Auch würde der Airport durch die Beendigung der Zusammenarbeit mit den Aéroports de Paris besser verdienen.

Transavia konnte in den Sommermonaten durchaus beachtliche Buchungszahlen an Land ziehen, jedoch reicht dies laut dem Firmenchef nicht aus, um in die schwarzen Zahlen fliegen zu können. De Nooijer rechnet damit, dass Transavia und Transavia France einen Verlust in der Höhe von “mehreren Dutzend Millionen Euro” einfliegen werden. Allein in den ersten Monaten des Jahres 2021 hatten die beiden Carrier einen Fehlbetrag von 218 Millionen Euro. Es wird höchstwahrscheinlich nicht mehr gelingen diesen wettzumachen. Im Vorjahr flog Transavia einen Verlust von 120 Millionen Euro ein. Dieser wurde durch das so genannte NOW-Schema gering gehalten. Hätte man diese Unterstützung nicht bekommen, so hätte man gar 200 Millionen Euro verloren.

Passagiere buchen sehr kurzfristig

Dennoch ist Marcel de Nooijer zuversichtlich, dass die Erholung eingesetzt hat. Er verweist darauf, dass man im August 2021 rund 85 Prozent des Niveaus von 2019 durchführen konnte. Allerdings hat sich das Buchungsverhalten stark geändert. Tickets werden nicht mehr frühzeitig, sondern eher kurzfristig gebucht. Der Manager erklärt, dass zumeist innerhalb des Abflugsmonats gekauft wird. Diese Entwicklung habe man bei der Planung zu berücksichtigen.

Für das Jahr 2022 rechnet de Nooijer damit, dass Transavia und Transavia France gemeinsam rund 95 Prozent der Kapazität des Jahres 2019 in der Luft haben werden. Erst gegen Ende des zweiten Halbjahres 2023 geht er davon aus, dass das Niveau von 2019 erreicht werden kann oder im Idealfall sogar übertroffen werden kann. Möglicherweise gibt es dann schon eine Basis in Brüssel.

Basis München war ein Flop

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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