Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat eine formelle Beschwerde an die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen übermittelt und fordert drastische Maßnahmen gegen anhaltende Verspätungen im europäischen Luftraum. Der Billigflieger stützt seine Forderung auf eine aktuelle Untersuchung des französischen Senats.
Dieser Bericht besagt, dass das französische Flugsicherungssystem erhebliche Ineffizienzen aufweist und die durch diese Behörde verursachten Verzögerungen im Flugverkehr im Vergleich zum Jahr 2019 um 60 Prozent zugenommen haben. Nach Berechnungen der Analysten entstehen den europäischen Fluggesellschaften durch die Mängel bei den Dienstleistern im Jahr 2025 Kosten in Höhe von rund 800 Millionen Euro.
Ryanair-Chef Michael O’Leary kritisiert, dass trotz der Empfehlungen des im Jahr 2024 veröffentlichten Draghi-Berichts zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit bislang keine konkreten Reformen im Luftfahrtsektor umgesetzt wurden. Die Fluggesellschaften verlangen von der EU-Kommission zwei wesentliche gesetzliche Neuregelungen: Zum einen soll eine verbindliche Mindestbesetzung der Flugsicherungsstationen insbesondere während der morgendlichen Hauptverkehrszeit bei Androhung von Bußgeldern durchgesetzt werden. Zum anderen fordert die Branche den rechtlichen Schutz von Überflügen während nationaler Streiks der Fluglotsen, um den paneuropäischen Transitverkehr von lokalen Arbeitskämpfen zu entkoppeln.
Luftfahrtexperten bewerten die Situation im europäischen Luftraum differenziert. Die europäische Flugsicherungsbehörde Eurocontrol bestätigt zwar eine hohe Belastung der Kontrollzentren, verweist jedoch auch auf die gestiegene Verkehrsbelastung, die Sperrung des osteuropäischen Luftraums sowie zunehmend volatile Wetterlagen als Mitursachen für Verspätungen. Kritiker aus Kreisen der Gewerkschaften betonen zudem, dass die Personalknappheit bei den Flugsicherungen das Resultat jahrelanger Sparmaßnahmen und regulatorischer Vorgaben ist, die unter dem Druck der Fluggesellschaften zur Senkung der Flugsicherungsgebühren eingeführt wurden. Ein kurzfristiger Personalaufbau gestaltet sich aufgrund der mehrjährigen Ausbildungszeit für Fluglotsen schwierig.
Die harschen Vorwürfe von Ryanair spiegeln den anhaltenden wirtschaftlichen Druck im Low-Cost-Segment wider, da Flugverspätungen und verpasste Zeitfenster die streng getakteten Umläufe der Maschinen stören und Ausgleichszahlungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung nach sich ziehen können. Gleichzeitig nutzt die Fluglinie die Debatte, um ordnungspolitische Kritik an der Ausgestaltung des europäischen Emissionshandels (ETS) zu äußern, welcher Flüge innerhalb Europas im Vergleich zu Langstreckenverbindungen steuerlich ungleich belastet. Ob die EU-Kommission angesichts der nationalen Souveränitätsrechte der Mitgliedstaaten im Luftraum eine Zentralisierung der Flugsicherung erzwingen kann, bleibt in Brüssel weiterhin stark umstritten.