Die im Jahr 2023 gegründete saudi-arabische Fluggesellschaft Riyadh Air prüft gegenwärtig die Festschreibung weiterer Großraumflugzeuge des Typs Boeing 787. Branchenkreisen zufolge geht es um die Umwandlung von bestehenden Kaufoptionen in Festbestellungen für bis zu 30 zusätzliche Maschinen dieses Typs.
Diese Erwägung fällt zusammen mit der Aufnahme des regulären Linienbetriebs im Sommer des laufenden Jahres. Das Vorhaben ist Teil einer umfassenden Investitionsphase des Landes im Bereich der zivilen Luftfahrt, um neben der etablierten Fluggesellschaft Saudia ein zweites globales Drehkreuz aufzubauen. Luftfahrtexperten bewerten die laufenden Verhandlungen als Beleg für den schnellen Kapazitätsaufbau, weisen jedoch gleichzeitig auf die operativen und wirtschaftlichen Risiken hin, die mit dem gleichzeitigen Betrieb großer Teilflotten zweier verschiedener Hersteller in der Startphase eines Luftfahrtunternehmens verbunden sind.
Die Details der Verhandlungen mit dem amerikanischen Flugzeughersteller
Nach Informationen aus Industriekreisen betrifft die aktuelle Evaluierung ein Volumen von 25 bis 30 Flugzeugen. Eine offizielle Bekanntgabe wird im Umfeld der Farnborough International Airshow erwartet, die am 20. Juli 2026 beginnt. Bisher haben sich weder die Fluggesellschaft noch der amerikanische Flugzeugbauer Boeing zu den Berichten geäußert. Der potenzielle Vertrag sieht vor, dass ein Großteil der bereits im Jahr 2023 vereinbarten Optionen aktiviert wird.
Damals hatte das Unternehmen 39 Festbestellungen für das Modell Boeing 787-9 unterzeichnet und sich gleichzeitig Optionen für weitere 33 Einheiten gesichert. Sollten nun bis zu 30 dieser Kaufrechte in feste Aufträge umgewandelt werden, würde sich der feste Bestand auf 64 bis 69 Einheiten dieses Typs erhöhen, während ein kleiner Restbestand an Optionen offenbliebe. Die Flugzeuge dieses Typs verfügen über eine Dreiklassenkonfiguration mit insgesamt 290 Sitzplätzen in der Business, Premium Economy und Economy Class und sind für den Aufbau des primären Langstreckennetzes vorgesehen.
Der operative Start und die kurzfristigen Netzwerkschritte
Der kommerzielle Flugbetrieb von Riyadh Air wurde im Juni 2026 aufgenommen. Der Erstflug führte mit einer Boeing 787-9 von Riad zum Flughafen London Heathrow. Die Planung des Managements unter der Leitung von Vorstandschef Tony Douglas sieht vor, dass die Flotte durch fortlaufende Auslieferungen bis zum Ende des Monats Juli auf acht Flugzeuge anwachsen soll. Dies soll es der Fluggesellschaft ermöglichen, bis zum März 2027 insgesamt 22 internationale Destinationen regelkonform zu bedienen.
Das langfristige Ziel des Unternehmens sieht vor, bis zum Jahr 2030 mehr als 100 Ziele weltweit anzusteuern. Finanziert wird das Projekt durch den staatlichen Public Investment Fund Saudi-Arabiens, der im Rahmen eines nationalen Wirtschaftsprogramms erhebliche Mittel in den Ausbau der Infrastruktur und des Tourismus leitet. Die parallele Existenz zur traditionellen Staatslinie Saudia erfordert dabei eine präzise Abstimmung der Flugpläne und Zielgebiete, um eine gegenseitige Marktkonkurrenz auf den Hauptrouten zu vermeiden.
Die parallele Flottenstruktur mit dem europäischen Konkurrenten
Neben den Verträgen mit dem amerikanischen Hersteller hat das Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit auch erhebliche Bestellungen beim europäischen Mitbewerber Airbus platziert. Im Jahr 2024 wurde ein Vertrag über 60 Flugzeuge der A321neo-Familie unterzeichnet, um Kurz- und Mittelstreckenverbindungen zu bedienen. Auf der Pariser Luftfahrtschau im Juni 2025 folgte eine Festbestellung über 25 Großraumjets des Typs Airbus A350-1000, ergänzt um Optionen für weitere 25 Maschinen dieser Baureihe.
Berichten zufolge prüft die Fluggesellschaft derzeit parallel, ob auch ein Teil dieser europäischen Kaufrechte vorzeitig in Festbestellungen umgewandelt werden soll. Konkrete Stückzahlen wurden hierzu noch nicht genannt. Einschließlich aller bestehenden Festbestellungen und Optionen beläuft sich der angekündigte Flottenplan des Unternehmens auf bis zu 182 Flugzeuge. Während die Boeing 787-9 das Rückgrat der frühen Langstreckenoperationen bildet, soll die größere A350-1000 zu einem späteren Zeitpunkt zusätzliche Kapazitäten auf stark frequentierten Routen bereitstellen.
Kritische Analyse der Expansionsgeschwindigkeit im globalen Markt
Der Aufbau einer Fluggesellschaft dieser Größenordnung innerhalb weniger Jahre gilt in der zivilen Luftfahrt als ungewöhnlich. Die Beschaffung von fast 200 Flugzeugen innerhalb eines Jahrzehnts stellt das operative Management vor logistische Herausforderungen. Ein kritischer Faktor ist die weltweite Verknappung von qualifiziertem Personal. Der Bedarf an Piloten, Kabinenbesatzungen und lizenzierten Wartungstechnikern für den gleichzeitigen Betrieb von drei unterschiedlichen Flugzeugtypen ist beträchtlich und führt zu einem intensiven internationalen Abwerbewettbewerb.
Zudem sind beide großen Flugzeughersteller seit längerer Zeit mit massiven Produktionsverzögerungen und Lieferengpässen bei Zulieferteilen konfrontiert. Sowohl die Auslieferung von Triebwerken als auch Kabinenausstattungen verzögern sich regelmäßig. Sollten die zugesagten Liefertermine für die anstehenden Tranchen nicht eingehalten werden können, drohen Lücken im geplanten Streckennetz, was die wirtschaftliche Effizienz der Fluggesellschaft in der sensiblen Markteintrittsphase belasten könnte.
Infrastrukturelle Voraussetzungen am Heimatdrehkreuz
Der Erfolg der ambitionierten Flottenpolitik hängt zudem maßgeblich vom Ausbau der Bodeninfrastruktur in Riad ab. Der dortige Flughafen muss in der Lage sein, die zusätzlichen Flugbewegungen und Passagierströme reibungslos abzuwickeln. Dies betrifft nicht nur die Start- und Landebahnen, sondern auch die Abfertigungsgebäude, Gepäckanlagen und Wartungshangars.
Das parallele Wachstum zweier nationaler Fluggesellschaften im selben Land erfordert eine strategische Koordination der Drehkreuze: Während Saudia historisch stark im Westen des Landes in Dschidda verankert ist, konzentriert sich die Neugründung auf die Hauptstadt Riad. Die kommenden Verhandlungen auf der Luftfahrtschau in Farnborough werden zeigen, wie fest die finanziellen Zusagen des Staatsfonds verankert sind, um die ambitionierten Flottenpläne auch angesichts der volatilen Bedingungen auf dem globalen Luftfahrtmarkt umzusetzen.