Der brasilianische Flugzeughersteller Embraer hat im Vorfeld der Farnborough Airshow seinen aktuellen Marktausblick bis zum Jahr 2045 vorgelegt. Die jährliche 20-Jahres-Prognose für Verkehrsflugzeuge mit einer Kapazität von weniger als 150 Sitzplätzen sagt weltweit rund 8.500 Neubestellungen voraus.
Das finanzielle Gesamtvolumen dieser erwarteten Aufträge beläuft sich laut dem Bericht auf rund 650 Milliarden US-Dollar. Neben Passagiermaschinen berücksichtigt die Analyse auch den Sektor der kleineren Frachtflugzeuge mit einer Nutzlast von unter 40 Tonnen. Der weltweite Passagierverkehr soll in diesem Zeitraum um durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr wachsen.
Die Verteilung der prognostizierten Flugzeugauslieferungen offenbart deutliche regionale Unterschiede und Verschiebungen bei den Passagierströmen. Während etablierte Luftfahrtmärkte wie Nordamerika mit 31 Prozent und Europa inklusive der GUS-Staaten mit 22 Prozent weiterhin die größten Gesamtabnehmer für Regionaljets bleiben, verzeichnen die Schwellenländer die stärksten Wachstumsraten. China führt die Rangliste beim Zuwachs des Passagieraufkommens mit prognostizierten 5,2 Prozent jährlich an, gefolgt vom Nahen Osten und Afrika. Bis zum Jahr 2045 werden die Regionen Asien-Pazifik und China zusammen einen Anteil von 40 Prozent am globalen Flugverkehr ausmachen.
Der Hersteller begründet den anhaltenden Bedarf an kleineren Passagiermaschinen mit der fortschreitenden Dezentralisierung von Produktionsstätten und der Entstehung regionaler Wertschöpfungsketten. Diese wirtschaftlichen Veränderungen erfordern hochfrequente Direktverbindungen zwischen aufstrebenden Nebenzentren, die mit großen Langstreckenflugzeugen nicht wirtschaftlich bedient werden können. Auch im Tourismussektor zeigt sich ein Trend zu kleineren Märkten abseits der großen Drehkreuze. Branchenanalysten betonen jedoch, dass solche langfristigen Prognosen mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind. Die Realisierung der Zahlen hängt maßgeblich von geopolitischen Stabilitäten, der Entwicklung der Treibstoffpreise und der tatsächlichen Kaufkraft in den Wachstumsmärkten ab.
Zudem steht das Segment der Regionaljets unter erheblichem Konkurrenzdruck durch größere Flugzeugfamilien wie die Airbus A220- oder A320neo-Reihe, die von Fluggesellschaften aufgrund niedrigerer Sitzplatzbetriebskosten auf ähnlichen Strecken bevorzugt werden. Embraer versucht mit seiner E2-Generation, Marktanteile in einer Nische zu sichern, die durch den anhaltenden Pilotenmangel und restriktive Tarifverträge, insbesondere bei US-amerikanischen Regionalfluglinien, reglementiert wird. Die kommenden Jahrzehnte werden zeigen, ob das prognostizierte Marktwachstum ausreicht, um die Produktion von spezialisierten Regionalflugzeugen in diesem Umfang rentabel zu halten.