Auf der internationalen Luftfahrtmesse Farnborough International Airshow hat die Leasinggesellschaft SMBC Aviation Capital am 20. Juli 2026 zwei Großaufträge über insgesamt 200 Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge bekannt gegeben.
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Dublin, das sich im Besitz japanischer Eigentümer befindet, unterzeichnete verbindliche Vereinbarungen mit den beiden führenden Flugzeugbauern Boeing und Airbus über jeweils 100 Maschinen. Die Verträge verdeutlichen den Trend in der Zivilluftfahrt, Flugzeugtypen mit größerer Passagierkapazität einzusetzen, um dem weltweiten Passagieraufkommen und Kapazitätsengpässen an vielen Verkehrsflughäfen zu begegnen.
Milliardenauftrag für die größten Varianten der Boeing 737 Max
Im Rahmen des Abkommens mit dem US-amerikanischen Hersteller Boeing bestellte SMBC Aviation Capital 100 Maschinen der Modellreihe 737 Max. Die Order teilt sich auf in 40 Flugzeuge der Version 737-8 sowie 60 Exemplare der größeren Variante 737-10. Für die Leasinggesellschaft stellt die Bestellung der 737-10 den Erstauftrag für dieses spezifische Modell dar. Gleichzeitig handelt es sich um den bislang umfangreichsten Einzelauftrag einer Leasingfirma für diese Ausführung. Durch das neue Geschäft erhöht sich der Bestand von SMBC Aviation Capital an eigenen, verwalteten oder bestellten Flugzeugen der 737-Max-Familie auf insgesamt 450 Einheiten.
Der Vorstandsvorsitzende von SMBC Aviation Capital, Peter Barrett, begründete die Entscheidung mit der Entwicklung des internationalen Flugverkehrs. Fluggesellschaften und Investoren forderten verstärkt Fluggeräte mit höherer Sitzplatzkapazität an, um Strecken effizienter zu bedienen. Die 737-10 bietet als größtes Modell der Max-Reihe Platz für bis zu 230 Passagiere bei einer Reichweite von etwa 5.700 Kilometern. Das Flugzeug befindet sich derzeit in den abschließenden Phasen des behördlichen Zertifizierungsprozesses.
Parallele Bestellung bei Airbus sichert Lieferpositionen bis in die 2030er Jahre
Am selben Tag gab SMBC Aviation Capital einen weiteren Großauftrag über 100 Flugzeuge der A320neo-Familie des europäischen Herstellers Airbus bekannt. Diese Bestellung umfasst 65 Maschinen des Typs A321neo sowie 35 Einheiten des Typs A320neo. Auch bei dieser Absichtserklärung fällt das Schwergewicht auf das jeweils größte Modell der Baureihe. Die A321neo hat sich in den letzten Jahren zu einem der gefragtesten Verkehrsflugzeuge im Schmalrumpfsegment entwickelt.
Die Auslieferung der neu georderten Airbus-Flugzeuge soll in der ersten Hälfte des kommenden Jahrzehnts beginnen und bis Mitte der 2030er Jahre andauern. Durch den langfristigen Lieferplan sichert sich die Leasinggesellschaft kontinuierlich Zugänge zu modernen Verkehrsflugzeugen für ihre internationalen Kunden.
Veränderungen in der Eigentümerstruktur und Konsolidierung des Leasingmarktes
SMBC Aviation Capital gehört zu den führenden Akteuren auf dem globalen Markt für Flugzeugleasing. Die Marktposition des Unternehmens verstärkte sich im April 2026 durch den Abschluss der Übernahme der Sumisho Air Lease Corporation (zuvor bekannt als Air Lease Corporation). Diese Transaktion wurde von einem Konsortium vollzogen, dem neben dem Anteilsinhaber Sumitomo Corporation auch die Investmentgesellschaften Apollo und Brookfield angehören.
Nach Angaben des Herstellers Airbus beläuft sich das gesamte Portfolio des erweiterten Leasingunternehmens sowie der verbundenen Gesellschaften an im Dienst befindlichen und bestellten Airbus-Flugzeugen auf etwa 900 Maschinen. Leasinggesellschaften nehmen in der internationalen Luftfahrt eine zentrale Rolle ein, da sie etwa die Hälfte der weltweiten Passagierflugzeugflotte finanzieren und den Fluggesellschaften flexible Kapazitätsanpassungen ohne direkte Bilanzbelastung durch Flugzeugkäufe ermöglichen.
Marktdynamik im Segment der Schmalrumpfflugzeuge
Die parallelen Bestellungen bei den beiden großen Flugzeugbauern verdeutlichen den anhaltenden Wettbewerb zwischen der Boeing 737 Max und der Airbus A320neo-Familie. Beide Modellreihen bilden das Rückgrat des globalen Kurz- und Mittelstreckenverkehrs. Auf Leasingunternehmen entfallen bei beiden Herstellern bedeutende Anteile des gesamten Auftragsbestands; bei der Boeing 737 Max machen Bestellungen von Leasingfirmen rund 20 Prozent des Orderbuchs aus.
Die Bevorzugung der jeweils größeren Modellvarianten 737-10 und A321neo Spiegelt Anpassungen im Flugbetrieb wider. Angesichts begrenzter Start- und Landerechte an stark frequentierten Drehkreuzen setzen Fluggesellschaften vermehrt auf Flugzeuge mit mehr Sitzplätzen pro Flug. Dies ermöglicht es den Betreibern, das Passagieraufkommen zu bewältigen, ohne die Anzahl der täglichen Flugbewegungen proportional steigern zu müssen.