Die US-amerikanische Luftfahrtbundesbehörde Federal Aviation Administration hat im Rahmen der Eröffnung der Luftfahrtmesse in Farnborough Fortschritte bei den langwierigen Zertifizierungsprozessen für mehrere Flugzeugtypen des US-Flugzeugbauers Boeing signalisiert. Betroffen sind die Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge der Modellreihen 737 Max 7 und 737 Max 10 sowie das Großraumflugzeug 777X.
Nach Angaben von Behördenvertretern wurden die personellen Kapazitäten der Aufsichtsbehörde für diese Zulassungsprojekte um 35 bis 40 Prozent aufgestockt, nachdem der Hersteller seine technischen Entwicklungsprioritäten stabilisiert hatte. Parallel dazu erfolgte die Übertragung bestimmter Eigenverantwortungen bei der Ausstellung von Lufttüchtigkeitszeugnissen für Serienflugzeuge der Typen 737 Max und 787 Dreamliner zurück an das Unternehmen. Diese Maßnahmen sollen die behördlichen Kapazitäten entlasten und die abschließenden Prüfverfahren beschleunigen. Dennoch bleiben technische Nachbesserungen zwingende Voraussetzung für die endgültige Erteilung der Typenzulassungen.
Anpassungen der behördlichen Ressourcen und technische Auflagen
Die Zulassungsverfahren für die drei betroffenen Modellreihen haben sich in den vergangenen Jahren aufgrund veränderter Sicherheitsanforderungen und interner Verzögerungen beim Hersteller erheblich verschoben. Laut Aussagen des stellvertretenden Leiters der Luftfahrtbehörde, Chris Rocheleau, sowie des Behördenleiters Bryan Bedford konzentrieren sich die Arbeiten derzeit vorrangig auf das kleinste Modell der Max-Familie, die 737 Max 7. Eine Zulassung dieses Typs könnte in absehbarer Zeit erfolgen, gefolgt von der größeren Variante 737 Max 10.
Hauptursache für die Verzögerungen bei der 737-Max-Serie waren Bedenken bezüglich der Überhitzungsgefahr des Triebwerks-Enteisungssystems. Während für die bereits im Flugbetrieb befindlichen Modelle 737 Max 8 und Max 9 Übergangsregelungen bis zur Bereitstellung einer dauerhaften technischen Lösung gelten, ist die Behebung des Problems für die Neuzulassung der Modelle Max 7 und Max 10 zur Auflage gemacht worden. Für die 737 Max 10 fordert die Luftfahrtbehörde zudem den Einbau eines erweiterten Systems zur Messung des Anstellwinkels. Der Hersteller hat bereits rund 30 fertigmontierte Maschinen des Typs Max 7 produziert, die auf Zwischenlagern auf die Erteilung der Zulassung und die anschließende Auslieferung an Kunden warten.
Prüfungsstand beim Großraumflugzeug 777X
Das Verfahren für das zweistrahlige Langstreckenflugzeug Boeing 777X verzeichnet ebenfalls Fortschritte, liegt jedoch zeitlich hinter den ursprünglichen Planungen zurück. Das Flugzeug zeichnet sich durch konstruktive Neuentwicklungen wie einklappbare Tragflächenenden und leistungsstarke Triebwerke aus. Nach Behördenangaben hat das Testprogramm für die Zulassung die Hälfte der erforderlichen Testflüge im Rahmen der offiziellen Musterprüfungs-Genehmigung überschritten.
Die Behörde strebt den Abschluss des Zulassungsverfahrens für die 777X erst nach der Fertigstellung der Prüfungen für die beiden Schmalrumpfflugzeuge an. Ein möglicher Zeitraum für die Musterzulassung wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 in Aussicht gestellt. Die Behördenvertreter betonten, dass der genaue Zeitplan vom zeitgerechten Nachweis aller erforderlichen Sicherheitsdokumente durch den Hersteller abhängt.
Rückgabe von Zertifizierungsbefugnissen und Auswirkung auf die Produktion
Ein wesentlicher Schritt im Verhältnis zwischen Aufsichtsbehörde und Flugzeugbauer ist die Entscheidung der Behörde, dem Unternehmen wieder die eigenständige Ausstellung individueller Lufttüchtigkeitsbescheinigungen für fabrikneue Maschinen der Serien 737 Max und 787 Dreamliner zu gestatten. Diese Befugnis war dem Konzern im Zuge der Ermittlungen nach den Abstürzen von zwei Maschinen des Typs 737 Max und anschließenden Qualitätsmängeln bei der Fertigung entzogen worden.
Die Entlastung der behördlichen Inspektoren bei der Serienabnahme ermöglicht es der Aufsichtsbehörde, mehr Fachpersonal in den Teams für die Erstzulassung der ausstehenden Modelle einzusetzen. Die Produktionsrate für die Schmalrumpfserie wurde von der Behörde von 42 auf 47 Flugzeuge pro Monat freigegeben. Nach der erfolgreichen Zulassung der Modelle Max 7 und Max 10 strebt der Hersteller eine weitere Erhöhung der monatlichen Ausstoßrate auf 53 Einheiten an.
Wirtschaftliche Tragweite der ausstehenden Zulassungen
Die Verzögerungen bei den drei Flugzeugprogrammen stellen eine erhebliche Belastung für die Lieferketten und die Flottenplanung internationaler Fluggesellschaften dar. Der Auftragsstau für die Modelle 737 Max 7, 737 Max 10 und 777X umfasst insgesamt mehr als 1.600 bestellte Flugzeuge. Zahlreiche Fluggesellschaften mussten aufgrund der verzögerten Auslieferungen Ausweichpläne erstellen und ältere Flugzeugmuster länger im Liniendienst halten.
Mit dem schrittweisen Abarbeiten der Zulassungsauflagen und der personellen Aufstockung der Prüfteams versuchen Behörde und Hersteller, die verbliebenen Hürden abzubauen. Sobald die Zertifizierungen vorliegen, plant das Unternehmen, die Kapazitäten im Entwicklungsbereich schrittweise auf künftige Flugzeugprojekte zu verlagern.