747-400FSCD (Foto: Kalitta Air).
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Gefährlicher Bodenkontakt beim Durchstartmanöver eines Frachtflugzeugs am Flughafen Cincinnati

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Am internationalen Flughafen Cincinnati Northern Kentucky kam es am 19. Juli 2026 zu einem Zwischenfall im Frachtflugverkehr. Ein Großraumfrachtflugzeug des Typs Boeing 777-300ERSF der US-amerikanischen Frachtfluggesellschaft Kalitta Air erlitt während eines abgebrochenen Landeanflugs einen sogenannten Tail Strike.

Beim Versuch, die Maschine kurz vor dem Aufsetzen durchzustarten, berührte das Heck des Flugzeugs die Piste der Start- und Landebahn und zog über eine erhebliche Distanz Funken. Trotz der Beschädigungen im Heckbereich konnte die Besatzung den Steigflug fortsetzen, das Flugzeug neu ausrichten und beim zweiten Anflug sicher am Boden aufsetzen. Personen kamen bei dem Zwischenfall nicht zu Schaden. Die zuständigen Aufsichtsbehörden haben Untersuchungen zur Ursache des Bodenkontakts eingeleitet, während das Flugzeug für die Schadensanalyse aus dem Flugbetrieb genommen wurde.

Ablauf des Zwischenfalls nach dem Transatlantikflug

Die betroffene Frachtmaschine befand sich unter der Flugnummer K4 264 auf dem Weg von Belgien in die Vereinigten Staaten. Der Flug startete am 19. Juli 2026 um 17:47 Uhr Ortszeit am Flughafen Brüssel. Nach einer reibungslosen Atlantiküberquerung mit einer Gesamtflugzeit von acht Stunden und 32 Minuten erreichte die Maschine den Flughafen Cincinnati Northern Kentucky, der als eines der zentralen Logistikdrehkreuze in den USA dient.

Beim Endanflug auf die Landebahn 36R entschied sich die Flugbesatzung aus bisher nicht abschließend geklärten Gründen zu einem Abbruch der Landung und leitete ein Durchstartmanöver ein. Während der Beschleunigung und dem Anheben der Flugzeugnase im Nahbereich des Bodens geriet das Heck in einen zu steilen Neigungswinkel und setzte auf dem Asphalt auf. Das Abschaben der Metallstruktur auf der Piste erzeugte eine weithin sichtbare Funkenspur, die von Augenzeugen im Bereich des Flughafens auf Video festgehalten wurde. Die Besatzung brach den Anflug erfolgreich ab, gewann rasch an Höhe und wendete für einen erneuten Anflug. Das Flugzeug landete kurz darauf ohne weitere Komplikationen auf der Ausweichbahn 36C.

Technische Analyse und Geschichte der betroffenen Maschine

Bei dem verunglückten Flugzeug handelt es sich um eine umgebaute Frachtmaschine des Typs Boeing 777-36NERSF mit dem Luftfahrzeugkennzeichen N778CK und der Seriennummer 32789. Die Maschine blickt auf eine mehr als 21-jährige Betriebshistorie zurück. Absolviert wurde der Erstflug des Flugzeugs am 9. März 2005, bevor es am 30. Juli 2005 als Passagierflugzeug an die Fluggesellschaft Emirates ausgeliefert wurde und dort unter dem Kennzeichen A6-EBB im Liniendienst flog.

Nach dem Ende des Einsatzes als Passagierflugzeug und mehreren Zwischenlagerungen wurde das Flugzeug im Rahmen des P2F-Konvertierungsprogramms (Passenger-to-Freighter) von Israel Aerospace Industries zu einem Frachtflugzeug umgebaut. Kalitta Air übernahm die Maschine am 11. September 2025 als Teil einer Flottenerneuerung. Die Fluggesellschaft setzt diesen Flugzeugtyp ein, um ältere Frachtmaschinen der Baureihe Boeing 747-400 schrittweise abzulösen und die Kapazitäten auf Langstreckenrouten anzupassen. Angetrieben wird die verunglückte Maschine von zwei General Electric GE90-115B-Triebwerken.

Physikalische Ursachen und Gefahren eines Tail Strikes

Ein Tail Strike beschreibt das unbeabsichtigte Berühren der Landebahn durch das Flugzeugheck während des Starts oder der Landung. Ein solches Ereignis tritt vor allem dann auf, wenn der Anstellwinkel des Flugzeugs bei geringer Höhe über dem Boden zu hoch gewählt wird. Mögliche Einflussfaktoren sind plötzliche Windböen, Scherkräfte, eine falsche Gewichtsverteilung der Fracht oder Unstimmigkeiten beim Bedienen der Höhenruder durch die Piloten beim Einleiten des Steigflugs.

Die Folgen eines Heckscharers reichen von leichten Oberflächenkratzern an der Außenhaut bis hin zu schweren Strukturschäden am Druckschott des Rumpfes. Da Beschädigungen an der Unterseite des Flugzeughecks die Integrität der Druckkabine beeinträchtigen können, erfordern entsprechende Vorfälle umfassende Inspektionen. Bei modernen Großraumflugzeugen sind für solche Fälle Schutzvorrichtungen wie ein sogenannter Tail Skid verbaut, die den direkten Druck auf die tragenden Rumpfstrukturen abfedern sollen. Dennoch ist die genaue Überprüfung der Materialstruktur nach jedem Bodenkontakt zwingend vorgeschrieben.

Untersuchung und Überführung zur Werft

Nach dem sicheren Aufsetzen in Cincinnati bestätigte der Leiter des Flugbetriebs von Kalitta Air, Heath Nicholl, dass das Flugzeug vorerst stillgelegt wurde, um eine detaillierte Schadensaufnahme durchzuführen. Die US-amerikanische Luftfahrtbundesbehörde Federal Aviation Administration leitete eine Untersuchung ein, um die genauen Abläufe und Auslöser des fehlerhaften Landemanövers zu ermitteln.

Nach Abschluss der ersten Sichtprüfungen am Flughafen Cincinnati ist vorgesehen, die Maschine zu den betriebseigenen Wartungsanlagen der Fluggesellschaft am Flughafen Oscoda-Wurtsmith im US-Bundesstaat Michigan zu überführen. In diesem Zentrum für Schwerinstandhaltung sollen die strukturellen Schäden am Rumpfboden repariert werden, bevor das Frachtflugzeug wieder für den regulären Liniendienst freigegeben werden kann. Kalitta Air gab bekannt, im laufenden Ermittlungsverfahren vorerst keine weiteren Details zu den Ursachen zu veröffentlichen.

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