Airbus A350-1000 in Werkslackierung (Foto: Jan Gruber).
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Entwicklungstendenzen im Großraumflugzeugbau und Überlegungen zu einer gestreckten Variante der A350

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Der europäische Flugzeugbauer Airbus prüft derzeit intensiv die Machbarkeit und Marktchancen einer weiter gestreckten Version seines Großraumflugzeugs A350. Nach Diskussionen im Umfeld von Fachmessen zeichnet sich ab, dass der Hersteller auf die steigende Nachfrage von Fluggesellschaften nach Modellen mit höherer Passagierkapazität reagiert.

Unter dem Arbeitsnamen A350-2000 oder A350-1100 könnte ein Flugzeug entstehen, das in Konkurrenz zur Boeing 777-9 tritt. Während die Marktchancen für kapazitätsstarke Großraumflugzeuge von Führungskräften positiv bewertet werden, bringt die technische Umsetzung Herausforderungen mit sich. Insbesondere die Anforderungen an die Reichweite, die erforderliche Triebwerksleistung und der Zeitplan für eine Neuentwicklung setzen dem Projekt klare Grenzen.

Nachfrage nach kapazitätsstarken Modellvarianten

In der Zivilluftfahrt zeigt sich bei Nachbestellungen von Fluggesellschaften seit einigen Jahren eine Präferenz für die jeweils größten Varianten innerhalb einer Modellfamilie. Bei den Schmalrumpfflugzeugen spiegelte sich dieser Trend bereits in hohen Auftragszahlen für die Muster Airbus A321neo und Boeing 737 MAX 10 wider. Auch im Segment der Großraumflugzeuge greifen internationale Fluggesellschaften vermehrt zu den kapazitätsstärksten Ausführungen wie der Boeing 787-10 oder der Airbus A350-1000.

Diese Entwicklung führt dazu, dass Flugzeugbauer die Obergrenzen ihrer bestehenden Flugzeugfamilien neu bewerten. Auf der Dubai Airshow im November 2025 wurden im Branchenumfeld erstmals wieder konkretere Überlegungen laut, sowohl eine gestreckte Boeing 777-10 als auch eine weitere Variante der A350 ins Auge zu fassen. Kunden hätten den Konzern ausdrücklich gebeten, eine Verlängerung des Rumpfes zu prüfen. Auf einer Investorenveranstaltung am Rande der Farnborough Airshow am 21. Juli 2026 bestätigte die Führung der Zivilluftfahrtsparte von Airbus, dass man sich mit einer Version befasst, die die Maße der aktuellen A350-1000 übertrifft. Als Begründung wird der Bedarf der Airlines nach höherer Sitzplatzkapazität bei wettbewerbsfähigen Betriebskosten pro Sitzkilometer angeführt.

Technische Dimensionen und Leistungsanforderungen

Bereits in den Jahren zwischen 2016 und 2019 hatte Airbus erste Eckwerte für eine mögliche Weiterentwicklung skizziert. Damals wurden eine Rumpflänge von rund 79 Metern und eine Passagierkapazität von etwa 414 Sitzen in einer typischen Dreiklassen-Konfiguration diskutiert. Dies würde einen Zuwachs von rund 45 Sitzplätzen gegenüber der A350-1000 bedeuten. Mit diesen Dimensionen würde das Modell direkt mit der in der Erprobung befindlichen Boeing 777-9 konkurrieren.

Eine zentrale technische Herausforderung bei der Rumpfstreckung betrifft das Verhältnis von Eigengewicht, Nutzlast und Reichweite. Branchenkreise wiesen darauf hin, dass die bestehenden Hauptfahrwerke sowie die aktuellen Trent XWB-97-Triebwerke des Herstellers Rolls-Royce für eine längere Zelle grundsätzlich genutzt werden könnten, sofern Abstriche bei der maximalen Reichweite akzeptiert würden. Marktanalysten bezweifeln jedoch, dass führende Großraum-Airlines – insbesondere Langstreckengesellschaften aus der Golfregion – bereit wären, Kompromisse bei der Reichweite einzugehen. Dies gilt umso mehr, als Konkurrent Boeing die Reichweitenangabe für die 777-9 zuletzt auf 14.820 Kilometer korrigiert hat.

Rolle der Triebwerksentwicklung und zeitlicher Rahmen

Um ein größeres Flugzeug ohne Reichweitenverluste zu betreiben, ist eine höhere Schubkraft erforderlich. Der britische Triebwerkshersteller Rolls-Royce, der Exklusivlieferant für die A350-Reihe ist, hat auf der Farnborough Airshow am 21. Juli 2026 Bereitschaft signalisiert, ein leistungsstärkeres Aggregat zu entwickeln. Aus Unternehmenskreisen von Rolls-Royce hieß es, man gehe davon aus, dass Airbus innerhalb eines Jahres ein finales Konzept für das Flugzeug vorlegen könnte.

Die Entwicklung eines modifizierten oder neuen Triebwerks nimmt jedoch einen erheblichen Zeitraum in Anspruch. Die Unternehmensführung von Rolls-Royce rechnet mit einer Entwicklungszeit von sechs bis sieben Jahren für ein solches Triebwerk. Damit wäre eine Markteinführung einer A350-2000 vor dem Jahr 2032 realistisch gesehen kaum umsetzbar. Dieser lange Zeithorizont verdeutlicht die Komplexität von Neuentwicklungen im Großraumsegment.

Kritische Abwägung des Marktpotenzials

Die Entscheidung über die Ausarbeitung eines neuen Großraummodells birgt für Flugzeugbauer wirtschaftliche Risiken. Der Markt für sehr große Großraumflugzeuge ist zahlenmäßig begrenzt. Obwohl Großfluggesellschaften Interesse an kapazitätsstarken Modellen äußern, erfordert die Entwicklung erhebliche finanzielle Mittel und Ingenieurskapazitäten, die gebunden werden. Zudem muss abgewogen werden, ob eine gestreckte A350-2000 nicht Verkäufe der kleineren A350-1000 kannibalisieren würde.

Auf der anderen Seite steht Airbus vor der Herausforderung, dem US-Konkurrenten Boeing das Segment oberhalb von 400 Sitzplätzen nicht kampflos zu überlassen, sobald die Boeing 777-9 nach den laufenden Zertifizierungsverfahren im Markt etabliert ist. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Rückmeldungen der internationalen Fluggesellschaften ausreichen, um aus den bisherigen Machbarkeitsstudien ein förmliches Entwicklungsprogramm mit festen Auslieferungsterminen zu machen.

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