Der europäische Flugzeugbauer Airbus nimmt punktuelle technische Anpassungen im Cockpit des Typs A220 vor, um einzelne Bedienzeile an die Standards der etablierten A320-Familie anzugleichen.
Wie Christian Kley, Chef der Marktentwicklung für diesen Bereich bei Airbus, bestätigte, betreffen die Modifikationen unter anderem die Ansteuerung der Ruder. Eine komplette Vereinheitlichung der Cockpits beider Modellreihen ist jedoch ausdrücklich nicht vorgesehen. Der Hersteller begründet diesen Verzicht mit den immensen Entwicklungskosten, die ein solcher Schritt mit sich bringen würde.
Da die A220 ursprünglich vom kanadischen Flugzeugbauer Bombardier als CSeries entwickelt und erst später von Airbus übernommen wurde, unterscheidet sich die Systemarchitektur im Cockpit grundlegend von den übrigen Airbus-Baureihen. Dies verhindert ein übergreifendes Musterberechtigungsverfahren (Cross-Crew-Qualification), welches es Piloten erlauben würde, ohne umfangreiche Zusatzschulungen zwischen der A220 und der A320-Familie zu wechseln. Neben den punktuellen Anpassungen im Flugdeck gleicht Airbus auch Elemente der Kabinenausstattung schrittweise an den Standard der A320 an, um Synergien in der Wartung und im Betreiberkomfort zu nutzen.
Aus Sicht von Fluggesellschaften stellt der Verzicht auf ein einheitliches Cockpitkonzept eine verpasste Möglichkeit zur betrieblichen Optimierung dar. Airlines, die sowohl die A220 als auch Modelle der A320-Familie in ihrer Flotte betreiben, müssen weiterhin getrennte Personalkapazitäten vorhalten und höhere Schulungskosten für das Flugpersonal in Kauf nehmen. Die Entscheidung des Herstellers verdeutlicht die wirtschaftlichen Grenzen bei der Integration zugekaufter Flugzeugprogramme in eine bestehende Produktpalette.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass Airbus bei der Entwicklung von Modifikationen abwägen muss, inwieweit Anpassungen für Bestands- und Neukunden wirtschaftlich vertretbar bleiben. Umfassende Änderungen an der Steuerungselektronik oder den Bildschirminterfaces der A220 würden langwierige Rezertifizierungsverfahren bei den Luftfahrtbundesbehörden nach sich ziehen. Die schrittweise Übernahme einzelner Bauteile und Schnittstellen gilt daher als Kompromiss, um die Produktionsprozesse zu vereinfachen, ohne die Basiskonstruktion des Flugzeugs grundlegend verändern zu müssen.