Die Luftfahrtbranche des Sultanats Oman steht vor einer umfassenden personellen Neuaufstellung an der Spitze ihrer beiden wichtigsten Fluggesellschaften. Wie am 20. August 2026 bekannt wurde, wird Con Korfiatis seine Position als Chief Executive Officer der staatlichen Fluggesellschaft Oman Air zum 1. September 2026 abgeben.
Seine Nachfolge tritt Nasser Al Sharji an, der bisher die staatliche Flughafenbetriebsgesellschaft Oman Airports Management sowie den Bodendienstleister Transom Handling leitete. Nahezu zeitgleich kündigte die zweitgrößte Fluggesellschaft des Landes, der Niederpreisanbieter SalamAir, einen Wechsel an der Unternehmensspitze an. Dort wird Yaqoob bin Saif bin Hamoud Al Kiyumi zum 1. Oktober 2026 die Nachfolge von Adrian Hamilton-Manns antreten. Die Neubesetzungen erfolgen in einer Phase betrieblicher Umstrukturierungen, in der beide Unternehmen versuchen, ihre Position im Wettbewerb des Nahen Ostens zu festigen und die finanzielle Konsolidierung voranzutreiben.
Vorzeitiger Wechsel an der Spitze von Oman Air
Der Rücktritt des australischen Managers Con Korfiatis bei Oman Air kommt für Branchenbeobachter überraschend. Korfiatis hatte das Amt des Chief Executive Officers erst im Mai 2024 übernommen. Sein zentraler Auftrag bestand darin, die hochdefizitäre Staatsairline umfassend zu sanieren und betriebswirtschaftlich auf einen profitablen Kurs zu führen. Im Rahmen des Neuausrichtungsprogramms veranlasste der Manager eine Bereinigung des Flottenbestands, eine Straffung des Streckennetzes sowie Anpassungen beim Bordprodukt. Korfiatis wird dem Unternehmen jedoch nicht vollständig den Rücken kehren, sondern dem neuen Hauptgeschäftsführer künftig als Berater zur Seite stehen, um den Übergang in der Unternehmensführung zu begleiten.
Mit dem bisherigen Leiter der nationalen Flughafengesellschaft Oman Airports Management, Nasser Al Sharji, übernimmt ein Experte aus dem Omani-Luftfahrtsektor die Unternehmensleitung. Al Sharji bringt Erfahrung aus der Infrastrukturverwaltung und den Bodendiensten mit. Er übernimmt die Führung der Fluggesellschaft in einer Phase, in der wesentliche operative Grundlagen gelegt wurden, der Weg zur dauerhaften Profitabilität jedoch noch nicht abgeschlossen ist.
Bilanz der Umstrukturierung und finanzielle Kennzahlen
Unter der mehr als zweijährigen Ägide von Con Korfiatis verzeichnete Oman Air messbare Fortschritte bei der operativen und finanziellen Sanierung. Zwar befindet sich das Unternehmen weiterhin in den roten Zahlen, die Verlustwerte konnten jedoch schrittweise verringert werden. Der Nettoverlust der Fluggesellschaft reduzierte sich von 103 Millionen Omani-Rial (etwa 268 Millionen US-Dollar) im Jahr 2023 auf 52,2 Millionen Omani-Rial (etwa 135,8 Millionen US-Dollar) im Jahr 2025. Damit konnte das Defizit innerhalb von zwei Jahren nahezu halbiert werden.
Auch die betrieblichen Leistungskennzahlen entwickelten sich positiv. Im Jahr 2025 beförderte die Fluggesellschaft rund acht Prozent mehr Passagiere als im Vorjahr. Gleichzeitig sanken die Stückkosten pro angebotenem Sitzplatzkilometer um sechs Prozent im selben Zeitraum. Ein wesentlicher betriebswirtschaftlicher Etappenerfolg war das Erreichen eines positiven Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im Jahr 2025 in Höhe von 3,2 Millionen Omani-Rial (etwa 8,3 Millionen US-Dollar). Es handelte sich um das erste positive operative Ergebnis des Unternehmens seit 15 Jahren. Ein weiterer Meilenstein in der Unternehmensentwicklung war der im Juni 2025 vollzogene Beitritt von Oman Air zur weltweiten Luftfahrtallianz oneworld, wodurch das Streckennetz und die Anbindung an internationale Partnergesellschaften ausgebaut wurden.
Führungswechsel beim Niederpreisanbieter SalamAir
Parallel zur Entwicklung bei der staatlichen Hauptfluggesellschaft steht auch bei der im Jahr 2016 gegründeten SalamAir ein Wechsel in der Geschäftsführung an. Der Neuseeländer Adrian Hamilton-Manns wird seine Funktion als Chief Executive Officer zum 1. Oktober 2026 niederlegen. Anders als bei Oman Air war dieser Schritt bei dem Billigflieger jedoch seit mehreren Monaten vorbereitet und intern angekündigt worden. Als Nachfolger wurde der Ingenieur Yaqoob bin Saif bin Hamoud Al Kiyumi ernannt, der über umfangreiche Managementerfahrung in der Region verfügt.
SalamAir ergänzt den Luftverkehrsmarkt des Sultanats durch Punkt-zu-Punkt-Verbindungen im Nahen Osten, Südasien und Teilen Afrikas. Die Fluggesellschaft operiert in einem umkämpften Marktumfeld, das durch eine starke Konkurrenz etablierter Billigflieger aus den benachbarten Golfstaaten geprägt ist. Der Wechsel an der Spitze von SalamAir erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Airline ihre Flottenkapazitäten anpasst und das Netz schrittweise auf die Nachfrage im Regionalverkehr ausrichtet.
Perspektiven für den Luftverkehrsstandort Oman
Die zeitgleichen Personalien an den Spitzen von Oman Air und SalamAir spiegeln die Transformationsprozesse des omanischen Luftverkehrssektors wider. Das Sultanat verfolgt das Ziel, das Land als Drehkreuz für Reise- und Wirtschaftsverkehr zu etablieren und die Abhängigkeit von staatlichen Subventionen im Luftfahrtbereich schrittweise abzubauen. Die Neubesetzungen der Spitzenpositionen mit Führungskräften, die eng mit der heimischen Wirtschaft und Infrastruktur vertraut sind, verdeutlicht die Absicht, die betrieblichen Abläufe zwischen den Fluggesellschaften, den Flughäfen und den Bodenorganen enger abzustimmen.
Für den neuen Leiter von Oman Air, Nasser Al Sharji, wird die Hauptaufgabe darin bestehen, die eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen fortzuführen und das Unternehmen trotz eines intensiven Wettbewerbs im Nahen Osten in die Gewinnzone zu führen. Bei SalamAir gilt es für Yaqoob bin Saif bin Hamoud Al Kiyumi, die Marktposition des Niederpreissegments im regionalen Netzwerk abzusichern. Ob die neuen Führungskräfte den veränderten Kurs der finanziellen Konsolidierung ohne Reibungsverluste fortsetzen können, wird sich in den kommenden Geschäftsjahren zeigen.