Die Reederei Scandlines hat ihre Doppelendfähre „Schleswig-Holstein“ für umfassende Modernisierungsarbeiten in eine Werft im litauischen Klaipėda überführt.
Das Schiff, das regulär auf der Ostsee-Verbindung zwischen Puttgarden auf der Insel Fehmarn und dem dänischen Rødby im Einsatz ist, wird dort bis Ende des laufenden Jahres aus dem regulären Fahrplan genommen. Das Investitionsvolumen für die Arbeiten beläuft sich auf mehr als 25 Millionen Euro. Während des Werftaufenthalts übernehmen die verbleibenden vier Fährschiffe der Flotte die Bedienung der Route über den Fehmarnbelt, um den Kapazitätsanforderungen im Personen- und Frachtverkehr nachzukommen.
Im Mittelpunkt der technischen Maßnahmen steht die Umrüstung des Antriebssystems. Die bisherige Hybridfähre wird zu einer Plug-in-Hybridfähre umgebaut, was die Installation größerer Batteriekapazitäten sowie moderner Ladesysteme erfordert, um das Schiff künftig vorrangig mit Landstrom zu betreiben. Finanziell unterstützt wird der technische Teil der Maßnahme durch Fördermittel des deutschen Bundesministeriums für Digitales und Verkehr im Rahmen des Programms zur Modernisierung der Küstenschifffahrt. Ziel der Reederei ist es, die wirtschaftliche Nutzungsdauer des Schiffes durch die Erneuerung der Antriebskomponenten und der Schiffstechnik um mehrere Jahre zu verlängern.
Parallel zum technischen Umbau erfahren die Passagierbereiche auf den Decks 5 und 6 eine grundlegende Neugestaltung. Geplant ist der Rückbau von Trennwänden, die Verlegung von Treppenaufgängen sowie die Einrichtung neuer Gastronomie-, Café- und Einkaufszonen. Auf dem Sonnendeck wird zudem ein Außenbereich mit Kinderspielmöglichkeiten geschaffen. Durch geänderte Raumaufteilungen und den Einsatz digitaler Bestellsysteme sollen die Passagierströme während der rund 45-minütigen Überfahrt optimiert und die Aufenthaltsqualität für Reisende angepasst werden.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die Modernisierung der Flotte auch im Kontext der fortschreitenden Bauarbeiten am festen Fehmarnbelt-Tunnel zu sehen ist. Mit der geplanten Eröffnung der festen Querung wächst der Konkurrenzdruck auf den maritimen Fährverkehr erheblich. Um gegenüber der künftigen Tunnelverbindung wettbewerbsfähig zu bleiben, setzen Fährgesellschaften verstärkt auf eine Effizienzsteigerung der Abläufe sowie eine Anpassung des Bordangebots, um den Passagierverkehr auch nach Eröffnung der Schienen- und Straßenverbindung an die Wasserstraße zu binden.