Atomkraftwerk Paks (Foto: Barna Rovács (Rovibroni)).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Abfangjagd im ungarischen Luftraum und Notlandung eines entwendeten Kleinflugzeugs nahe dem Kernkraftwerk Paks

Werbung

Ein Vorfall mit einem unbefugt gestarteten Kleinflugzeug hat im Süden Ungarns zu einem Alarmstart von Kampfflugzeugen der Streitkräfte sowie zu umfassenden Sicherheitsüberprüfungen auf den Flugplätzen des Landes geführt.

Am Morgen des 29. August 2026 entwendete ein 24-jähriger Mann aus Szomor eine Cessna 172 vom Flugplatz Kalocsa und flog in Richtung des nahegelegenen Kernkraftwerks Paks. Die ungarische Luftverteidigung erfasste das Flugzeug unmittelbar nach dem Start und schickte zwei Abfangjäger vom Typ Saab JAS 39 Gripen zur Überprüfung in die Luft. Bevor die Abfangjäger Sichtkontakt herstellen konnten, führte die Sportmaschine auf einem Sonnenblumenfeld nahe Gerjen im Komitat Tolna eine Notlandung durch. Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Zwischenfällen im ungarischen Luftraum ein und löste behördliche Inspektionen zur Luftsicherheit auf den nationalen Flugplätzen aus.

Ablauf des Vorfalls und Auslösung des Militäralarms

Nach Angaben des ungarischen Verteidigungsministeriums registrierten die militärischen Radarstationen am 29. August 2026 den ungenehmigten Start der Maschine vom Typ Cessna 172 auf dem Flugplatz Kalocsa unverzüglich. Um 10:02 Uhr Ortszeit gab Verteidigungsminister Romulusz Ruszin-Szendi in einer offiziellen Erklärung bekannt, dass die Alarmrotte der Luftstreitkräfte unmittelbar nach der Radarfassung aufgestiegen sei. Die Maschine steuerte in Richtung des Kernkraftwerks Paks, woraufhin die Einsatzkräfte die Absicherung des Luftraums einleiteten.

Wenige Minuten nach dem Start kam die Cessna 172 in der Nähe der Ortschaft Gerjen auf einem Acker zum Stehen. Die eingetroffenen Gripen-Kampfflugzeuge lokalisierten das beschädigte Kleinflugzeug am Boden und verblieben über dem Gebiet, bis ein Rettungshubschrauber und Bodeneinheiten der Polizei an der Unfallstelle eintrafen. Nach offiziellen Angaben gab es bei dem Vorfall keine Verletzten. Das Flugzeug erlitt bei der Landung im aufgeweichten Ackerboden Sachschäden an Rumpf und Fahrwerk.

Festnahme des Piloten und polizeiliche Ermittlungen

Das nationale Polizeihauptpräsidium teilte um 11:45 Uhr Ortszeit mit, dass Beamte zur Notsituation am Ortsrand von Gerjen gerufen wurden. Vor Ort stellten die Einsatzkräfte fest, dass das Kleinflugzeug zuvor ohne Erlaubnis vom Flugplatz Kalocsa entwendet worden war. Der Pilot hatte das beschädigte Luftfahrzeug nach der Notlandung verlassen und bewegte sich in einem verwirrten Zustand entlang der Landstraße 512.

Ein vorbeifahrender Autofahrer hielt an, um dem Mann zu helfen. Der 24-jährige Verdächtige stieg in den Pkw ein und versuchte, das Fahrzeug des Ersthelfers an sich zu reißen und davonzufahren, was jedoch unterbunden werden konnte. Innerhalb weniger Minuten trafen Polizeikräfte ein und nahmen den Mann fest. Die Polizeibehörden stellten fest, dass der Festgenommene unter Alkoholeinfluss stand. Zudem leiteten sie Laboruntersuchungen ein, um den Konsum weiterer rauschbewirkender Substanzen zu prüfen. Die Polizeidirektionen der Komitate Bács-Kiskun und Tolna leiteten Strafverfahren wegen unbefugter Fahrzeuginbetriebnahme sowie weiterer Delikte ein und kündigten an, nach der Vernehmung die Untersuchungshaft zu beantragen.

Sicherheitsbereich des Kernkraftwerks und Überprüfung der Flugplätze

Weder die Erklärungen des Verteidigungsministeriums noch die der Polizei gaben an, dass die Cessna 172 tatsächlich in den Sperrluftraum des Kernkraftwerks Paks eingedrungen ist. Nach den Vorgaben der ungarischen Luftfahrthandbuchs (AIP), herausgegeben vom Flugsicherungsdienstleister HungaroControl, ist das Gebiet rund um das Kernkraftwerk unter der Bezeichnung LHP1 Paks als ständiges Sperrgebiet ausgewiesen. Dieser Schutzbereich umfasst einen Radius von drei Kilometern um die Anlage und reicht vom Boden bis zur Flugfläche 195.

Als direkte Konsequenz aus dem Zwischenfall leiteten die Polizeibehörden in Zusammenarbeit mit der ungarischen Luftfahrtbehörde eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flugplatz Kalocsa ein. Gleichzeitig gaben die Behörden bekannt, dass die Inspektionen auf sämtliche Flugplätze des Landes ausgeweitet werden. Es soll untersucht werden, wie der unbefugte Zugang zu Luftfahrzeugen auf unbewachten oder regionalen Flugplätzen wirksamer unterbunden werden kann. Konkrete Details zum Umfang und zur Dauer dieser Überprüfungen wurden zunächst nicht veröffentlicht.

Häufung von Vorfällen im ungarischen Luftraum

Der Aufstieg der Gripen-Flugzeuge am 29. August 2026 war der zweite Alarmstart der ungarischen Luftstreitkräfte innerhalb von 48 Stunden. Bereits am Nachmittag des 28. August 2026 mussten die Abfangjäger aufsteigen, nachdem eine in Frankreich registrierte Maschine vom Typ Piper PA-28 nahe Fertőszentmiklós ohne entsprechende Freigabe in den ungarischen Luftraum eingedrungen war. Das Verteidigungsministerium meldete diesen Luftraumverstoß an die zuständigen internationalen Behörden.

Die Ereignisse fallen in eine Phase organisatorischer Umstrukturierungen bei den Streitkräften. Erst am 24. August 2026 hatten die ungarischen Luftstreitkräfte eine Gripen-Maschine bei einem Zwischenfall in Szolnok verloren. Ungarn hatte im Februar 2024 eine Vereinbarung unterzeichnet, um die eigene Flotte schrittweise auf 18 Jagdflugzeuge der Typen JAS 39C und JAS 39D zu erweitern, um den Verpflichtungen zur Luftraumüberwachung im Rahmen der NATO nachzukommen. Die jüngsten Vorfälle unterstreichen die Notwendigkeit einer lückenlosen Überwachung sowohl des kontrollierten als auch des unkontrollierten Luftraums.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung