Nach einer sommerlichen Betriebspause im August 2026 nimmt der Gastronomiebetrieb Lido – Bar e Cicchetti in der Wiener Landskrongasse seinen regulären Bar- und Speisenbetrieb im Spätsommer 2026 wieder auf.
Das im Oktober 2025 von dem Gastronomen Tim Schächter eröffnete Lokal führt damit eine schrittweise Überarbeitung seiner Speise- und Getränkekarte durch. Das gastronomische Konzept orientiert sich an der traditionellen venezianischen Aperitivo-Kultur und ergänzt diese durch ein erweitertes Getränkeangebot, zu dem unter anderem ausgewählte Schaumweine aus der italienischen Region Franciacorta gehören. Die Anpassungen im Sortiment sowie die geplante Erweiterung um einen Außer-Haus-Verkauf ab September 2026 spiegeln die Entwicklungen im Segment der urbanen Bar- und Kleingastronomie in der österreichischen Bundeshauptstadt wider.
Integration venezianischer Gastronomieelemente im Wiener Innenstadtbereich
Das Konzept des Lokals Lido – Bar e Cicchetti basiert auf der Übertragung typisch venezianischer Bar-Formate in das Gastronomieumfeld der Wiener Innenstadt. In Venetien bilden sogenannte Bacari – kleine Lokale, in denen Wein und kleine Speisen im Stehen oder Sitzen konsumiert werden – einen festen Bestandteil der Alltagskultur. Die dabei angebotenen Cicchetti, kleine belegte Brote oder Häppchen, dienen traditionell als Begleitung zu alkoholischen Getränken.
In der Wiener Landskrongasse wurde dieses Muster an die Anforderungen eines modernen Barbetriebs angepasst. Neben den klassischen Cicchetti und Toasts stehen verschiedene Varianten von Tramezzini im Mittelpunkt des Speisenangebots. Hierbei handelt es sich um weiche, rindenlose Weißbrotsandwiches mit unterschiedlichen Füllungen. Die Karte umfasst Standardvariationen mit Kochschinken, Rohschinken oder Thunfisch sowie Versionen mit Ei und Trüffel. Das Speisenangebot wird bis in die späten Abendstunden bereitgestellt, wobei die Tramezzini bis zum Betriebsende erhältlich sind.
Erweiterung des kulinarischen Sortiments und neuer Lieferservice
Im Zuge der Wiedereröffnung nach der Sommerpause präsentiert die Küche zusätzliche kleine Gerichte, die sich an der italienischen Regionalgastronomie orientieren. Dazu zählen unter anderem Stracciatella mit Fenchel und Orange, Scampi in Saor – ein traditionelles venezianisches Fischgericht mit süß-sauer marinierten Zwiebeln und Rosinen – sowie Thunfisch-Tartar. Auch Crostini mit Sardinen und gefüllte Panini wurden in das Angebot integriert.
Ab September 2026 erweitert der Betrieb sein Geschäftsfeld um ein Vorbestell- und Liefersortiment. Kunden haben die Möglichkeit, Zusammenstellungen von Cicchetti und Tramezzini für private Veranstaltungen, Bürofeiern oder andere Anlässe zu ordern. Dieser Schritt zeigt den Versuch von Gastronomiebetrieben, über den reinen A-la-carte-Verkauf im Lokal hinaus zusätzliche Umsätze im Catering-Bereich zu generieren.
Profilierung der Getränkekarte durch Schaumweinspezialitäten
Das Getränkeangebot bildet ein zentrales Element im Gesamtkonzept der Bar. Neben etablierten italienischen Aperitif-Klassikern wie Spritz-Varianten, Bellini oder Drinks auf Basis von Bitterspirituosen beinhaltet die Karte eine Auswahl an Cocktails und Weinen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Produktkategorie Franciacorta, einem nach der Methode der Flaschengärung hergestellten Schaumwein aus der lombardischen Provinz Brescia.
Die Karte führt verschiedene Qualitäten und Stile dieses Herkunftsgebiets, darunter Erzeugnisse der Weingüter Barone Pizzini, Mosnel, Bellavista und Villa Franciacorta. Neben dem glasweisen und flaschenweisen Ausschank findet der Schaumwein auch als Zutat in Mixgetränken Verwendung. Ergänzt wird das Sortiment durch offenen Spumante vom Fass, der als unkomplizierte Alternative im Einstiegssegment angeboten wird. Die Ausrichtung der Getränkekarte verdeutlicht den Versuch, sich durch ein spezialisiertes Nischenangebot von den standardisierten Angeboten der klassischen Systemgastronomie abzuheben.
Architektonische Gestaltung und Raumkonzept im urbanen Kontext
Das Innendesign der Bar in der Landskrongasse wurde von dem Wiener Architekturbüro Tzou Studios entworfen. Die Gestaltung greift optische Motive der lagunenartigen Landschaft Venedigs auf und übersetzt diese in eine moderne Formensprache. Durch den Einsatz von Spiegeldecken, hochglänzenden Oberflächen an der Bar sowie spezifischen Grüntönen soll ein Lichtspiel erzeugt werden, das an Wasserreflexionen erinnert. Für die Möblierung wurden eigene Sitzmöbel entwickelt.
Mit einer Gesamtkapazität von etwa 50 bis 60 Personen richtet sich das Raumangebot sowohl an Einzelgäste als auch an geschlossene Gesellschaften. Ergänzt wird der Innenbereich durch einige Tische im Außenbereich entlang der Landskrongasse, die während der wärmeren Monate genutzt werden können. Die Bar reiht sich damit in das dicht besetzte Segment der gehobenen Freizeit- und Abendgastronomie im Ersten Wiener Gemeindebezirk ein.
Wirtschaftliches Umfeld und Betreiberstruktur
Inhaber des Lokals ist der Gastronom Tim Schächter, der in Wien unter anderem durch das Systemgastronomie-Konzept Shiso Burger bekannt wurde und als Geschäftsführer der TS21 Hospitality fungiert. Mit der Gründung von Lido – Bar e Cicchetti im Herbst 2025 vollzog der Betreiber einen Schritt von der trendorientierten Fast-Casual-Gastronomie hin zu einem spezialisierten Bar- und Aperitivo-Konzept.
Der Standort in der Landskrongasse profitiert von der Nähe zum Hohen Markt und der damit verbundenen Passantenfrequenz von Anwohnern, Büroangestellten und Touristen. Gleichzeitig steht der Betrieb im Wettbewerb mit zahlreichen etablierten Bars und italienischen Gastronomiebetrieben in der Wiener Innenstadt. Die kontinuierliche Anpassung der Karte und der Aufbau zusätzlicher Vertriebswege wie des Catering-Services gelten in der Branche als notwendige Maßnahmen, um sich in einem Umfeld steigender Betriebskosten und hoher Pachtpreise langfristig am Markt zu behaupten.