Ruefa Reisebüro (Foto: Verkehrsbüro Group/Jürg Christandl).
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Ruefa plant Übernahme der Reisewelt GmbH

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Die österreichische Reisebürolandschaft steht vor einer bedeutenden Veränderung ihrer Vertriebsstrukturen. Die Ruefa GmbH, die Reisebüro-Tochtergesellschaft der Österreichischen Verkehrsbüro AG, beabsichtigt den vollständigen Erwerb der Geschäftsanteile an der Oberösterreichischen Reisewelt GmbH mit Sitz in Linz.

Durch den Zusammenschluss soll das bisherige Filialnetz von Ruefa um 31 Standorte der Marken Reisewelt und Die Reiserei erweitert werden, wodurch die Zahl der österreichweiten Filialen auf insgesamt 100 Reisebüros ansteigt. Rund 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Reisewelt GmbH sind von diesem Übergang betroffen. Die Transaktion, deren Vollzug für das Jahresende 2026 angestrebt wird, steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung durch die Bundeswettbewerbsbehörde. Der geplante Deal verdeutlicht den anhaltenden Trend zur Filialkonzentration und Stärkung regionaler Vertriebsnetze im Bereich der Freizeit-Touristik.

Struktur und geografische Aufteilung des übernommenen Filialnetzes

Die geplante Übernahme sieht eine deutliche Verdichtung des stationären Vertriebsnetzes vor, insbesondere im Bundesland Oberösterreich. Von den 31 Betrieben der Reisewelt GmbH befinden sich 18 Standorte in Oberösterreich, jeweils vier in Wien und im Burgenland, drei in Salzburg sowie jeweils eine Filiale in Niederösterreich und in der Steiermark. Mit diesem Schritt baut der Verkehrsbüro-Konzern seine Präsenz im oberösterreichischen Raum maßgeblich aus, wo Ruefa bislang vergleichsweise schwächer vertreten war als in den östlichen Bundesländern.

Der Kaufgegenstand umfasst neben dem klassischen Privatkundengeschäft auch das etablierte Gruppenreisegeschäft, das im Rahmen einer Partnerschaft mit dem Verkehrsunternehmen Blaguss an Standorten in Wien und im Burgenland betrieben wird, sowie die zugehörige Flugabteilung. Nicht im Verkaufspaket enthalten ist hingegen der Bereich der Gruppen- und Funktionärsreisen am Standort Linz. Dieser Geschäftsbereich wird im Vorfeld aus der Reisewelt GmbH herausgelöst und verbleibt als eigenständige Gesellschaft im Eigentum der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ). Die Anteile an der Reisewelt GmbH wurden bislang gemeinsam von der RLB OÖ und der Blaguss-Gruppe gehalten.

Veränderungen in der Unternehmensführung und betriebliche Kontinuität

Im Zuge der Zusammenführung der beiden Reisebüroketten ist auch eine Neuordnung an der Spitze der Ruefa-Geschäftsführung vorgesehen. Künftig soll das Unternehmen von einer Doppelspitze geleitet werden: Michele Fanton, der bereits seit dem Jahr 2022 als Geschäftsführer der Ruefa GmbH tätig ist, wird die operative Führung gemeinsam mit dem bisherigen Reisewelt-Geschäftsführer Felix König übernehmen. Das Management erhofft sich durch diese Personalentscheidung eine nahtlose Integration der neuen Standorte und Teams in die bestehenden Konzernstrukturen.

Für die Kunden der Reisewelt GmbH soll der Eigentümerwechsel nach Unternehmensangaben ohne unmittelbare Einschränkungen verlaufen. Bereits gebuchte Urlaubsreisen und Arrangements werden wie vertraglich vereinbart durchgeführt. Auch die Gültigkeit von bereits ausgestellten Wertgutscheinen bleibt unangetastet; diese können weiterhin an den bisherigen Standorten eingelöst werden. Die Betreuung der Kundschaft soll weiterhin durch das gewohnte Personal vor Ort erfolgen, während im Hintergrund eine Vereinheitlichung der Buchungssysteme und Verwaltungsabläufe angestrebt wird.

Strategische Ausrichtung im Spannungsfeld von Digitalisierung und Filialnetz

Der Zusammenschluss erfolgt in einem Marktumfeld, das von einem veränderten Buchungsverhalten und wachsendem Wettbewerbsdruck durch internationale Online-Reiseportale geprägt ist. Der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Verkehrsbüro AG, Martin Winkler, verwies darauf, dass die Erweiterung des Vertriebsnetzes dazu dienen soll, vorhandene Marktpotenziale im Reisegeschäft besser auszuschöpfen und eine leistungsfähige Plattform für weiteres Wachstum aufzubauen. Neben der physischen Präsenz setzt die Gruppe auf die Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells durch den verstärkten Einsatz digitaler Technologien.

Birgit Wallner, Mitglied des Vorstands der Österreichischen Verkehrsbüro AG, erläuterte, dass das Konzept für die Zukunft auf der Verknüpfung von persönlicher Beratung und digitalen Services basiert. In Ballungsräumen und Landeshauptstädten setzt das Unternehmen vermehrt auf größere Filialkonzepte mit Beratungsschwerpunkten, während in ländlichen Regionen die physische Kundennähe gewahrt bleiben soll. Digitale Angebote wie Online-Terminvereinbarungen, KI-gestützte Informationstools und Videoberatungen sollen das stationäre Angebot ergänzen. Der Zukauf der Reisewelt-Filialen sichert der Gruppe in diesem Kontext einen höheren Marktanteil im stationären Verkauf, der trotz des Booms von Online-Buchungen weiterhin ein wichtiges Segment für höherpreisige Rund-, Studien- und Schiffsreisen darstellt.

Der Mutterkonzern im Überblick und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die Ruefa GmbH ist ein zentraler Baustein im Konzernbereich Travel der Österreichischen Verkehrsbüro Aktiengesellschaft, die als führendes Tourismusunternehmen des Landes gilt. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete der Verkehrsbüro-Konzern einen Gesamtumsatz von 548,1 Millionen Euro nach IFRS-Rechnungslegungsstandards. Die Geschäftsaktivitäten gliedern sich in die beiden Hauptbereiche Travel und Hospitality.

Zum Bereich Travel gehören neben den Ruefa-Reisestores auch die Standorte von Eurotours und Intertravel. Eurotours International agiert dabei als Reiseveranstalter und Direktvertriebsanbieter in der DACH-Region sowie für Gruppen- und Kongressreisen unter der Marke Austropa Interconvention. Darüber hinaus gehört die Linienschifffahrt DDSG Blue Danube auf der Donau zum Portfolio. Im Bereich Hospitality betreibt der Konzern 22 Hotels unter der Eigenmarke Austria Trend sowie unter internationalen Franchise-Lizenzen in Österreich, Slowenien und Deutschland, ergänzt durch zwei Wiener Campingplätze. Zum gastronomischen Bereich gehören zudem historische Veranstaltungsorte wie das Palais Ferstel, das Palais Daun-Kinsky und das Wiener Café Central, welches während der Sanierungsarbeiten an seinem Stammhaus temporär am Ausweichstandort Decentral auf der Freyung betrieben wird und dessen Wiedereröffnung für den Winter 2026/2027 geplant ist.

Der Vollzug der Reisewelt-Übernahme hängt nun maßgeblich von den wettbewerbsrechtlichen Prüfungen ab. Die Bundeswettbewerbsbehörde wird zu bewerten haben, ob die Marktkonzentration im stationären Reisevertrieb, insbesondere in Oberösterreich, die Grenzen der zulässigen Marktbeherrschung überschreitet. Sollten keine Auflagen erteilt werden, ist mit dem finanziellen und organisatorischen Abschluss (Closing) der Transaktion bis zum 31. Dezember 2026 zu rechnen.

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