Die deutsche Fluggesellschaft Condor bietet als erste Reisesparten-Airline im DACH-Raum eine eigene Anwendung innerhalb der KI-Plattform ChatGPT von OpenAI an. Über den Chatbot können Nutzer Flugverbindungen suchen, Tarife vergleichen und Streckeninformationen abrufen.
Die technische Einbindung erlaubt es, Suchanfragen in natürlicher Sprache zu verarbeiten und passende Flugangebote direkt im Chatfenster anzuzeigen. Der eigentliche Buchungsvorgang sowie die Zahlungsabwicklung erfolgen im Anschluss jedoch weiterhin auf der regulären Website der Fluggesellschaft.
Die Veröffentlichung der ChatGPT-Erweiterung erfolgt vor dem Hintergrund eines veränderten Suchverhaltens im Online-Reisemarkt. Immer mehr Konsumenten nutzen KI-gestützte Systeme für die Reisevorbereitung, weshalb Fluggesellschaften und Reiseveranstalter verstärkt Schnittstellen zu generativen Sprachmodellen aufbauen. Wettbewerber wie Expedia, Booking.com oder der Lufthansa-Konzern experimentieren ebenfalls mit ähnlichen KI-Lösungen und Chatbots, um Kunden in frühen Phasen der Reiseplanung abzufangen. Das Ziel der Unternehmen besteht darin, den Anteil der Direktbuchungen zu erhöhen und Vertriebskosten durch Drittanbieter oder Suchmaschinen zu reduzieren.
Branchenexperten betrachten die Einbindung von Buchungsfunktionen in Sprachmodelle allerdings auch mit Vorbehalten. Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft die Transparenz und die Vollständigkeit der angezeigten Angebote, da Algorithmen der KI-Plattformen die Auswahldaten filtern und nicht immer alle verfügbaren Flugtarife neutral abbilden. Zudem verbleiben Datenschutz- und Haftungsfragen bei fehlerhaft generierten Fluginformationen oder Preisabweichungen zwischen Chatbot und der eigentlichen Buchungsmaske im Unklaren.
Für die Fluggesellschaften bedeutet die Präsenz auf externen Softwareplattformen eine zunehmende Abhängigkeit von Technologiekonzernen wie OpenAI. Während die direkte Kommunikation im Chat den Einstieg für Kunden vereinfacht, behält der Plattformbetreiber die Kontrolle über die Nutzerdaten und den Zugang zur Schnittstelle. Ob sich dieser Vertriebsweg als nachhaltiger Kanal für Flugbuchungen etabliert, hängt stark von der Akzeptanz der Passagiere und den künftigen Lizenzmodellen der Softwareanbieter ab.