Der griechische Staatsfonds Hellenic Growth Fund (HGF) hat die Vergabe einer auf 40 Jahre angelegten Betreiberkonzession für ein weiteres Paket von 22 staatlichen Regionalflughäfen im Land eingeleitet.
Zu den potenziellen Interessenten gehört nach Unternehmens- und Medienangaben die Frankfurter Flughafenbetreiberin Fraport AG, die über ihr Konsortium Fraport Greece bereits 14 griechische Regionalflughäfen bewirtschaftet. Die aktuelle Ausschreibung sieht die Vergabe des gesamten Portfolios als ein unteilbares Bündel vor. Dieses Gesamtpaket verknüpft stark frequentierte, touristisch attraktive Standorte auf den griechischen Inseln mit defizitären Kleinstflughäfen auf dem Festland und abgelegenen Inseln. Eine verbindliche Vergabeentscheidung der griechischen Behörden wird für das Jahr 2027 erwartet.
Wachstumstreiber Griechenland im Geschäftsportfolio der Fraport AG
Die Fraport AG verfügt seit 2017 über fundierte Markterfahrung im griechischen Luftverkehrssektor. Damals übernahm das Konsortium Fraport Greece im Rahmen eines 40-jährigen Konzessionsvertrags den Betrieb von 14 Drehkreuzen, darunter die Flughäfen auf Ferieninseln wie Korfu, Kreta (Chania), Rhodos, Samos, Santorin und Kos sowie am Festlandstandort Thessaloniki. Das Auslandsengagement hat sich für das Frankfurter Verkehrsunternehmen zu einer verlässlichen Stütze im Konzernergebnis entwickelt.
Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten die 14 von Fraport betriebenen Standorte ein Passagieraufkommen von insgesamt 13,7 Millionen Fluggästen, was einem Zuwachs von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) der Tochtergesellschaft stieg in diesem Zeitraum von 45,5 Millionen Euro auf 52,8 Millionen Euro. Vor dem Hintergrund dieser Kennzahlen bewertet das Management die Erweiterung des Engagements grundsätzlich als Option, um die eigene Marktposition im südosteuropäischen Raum zu verfestigen.
Struktur des Konzessionspakets und Quersubventionierung
Das vom Staatsfonds HGF zusammengestellte Paket umfasst 22 Standorte, die bisher unter direkter staatlicher Verwaltung der griechischen Zivilluftfahrtbehörde standen. Zum Spektrum gehören wachstumsstarke Inselverkehrsknoten wie die Flughäfen auf Paros, Naxos, Milos, Syros, Chios und Karpathos, die vom anhaltenden Zustrom internationaler Urlauber profitieren.
Demgegenüber stehen jedoch zahlreiche Kleinstflughäfen im griechischen Binnenland und auf peripheren Inseln, darunter die Flugplätze in Kastoria, Kozani oder auf der entlegenen Insel Kastelorizo. Einige dieser Standorte verzeichnen Jahresaufkommen von unter 10.000 Passagieren und lassen sich betriebswirtschaftlich nicht eigenständig rentabel führen. Die Erhaltung dieser Infrastrukturen dient der staatlichen Daseinsvorsorge zur Anbindung abgelegener Regionen. Durch das Paketmodell erzwingt der griechische Staat eine Quersubventionierung: Ein privater Betreiber muss die Erträge aus den ertragsstarken Inselflughäfen nutzen, um den Betrieb der defizitären Regionalflugplätze mitzufinanzieren.
Analysen der Bieterkonstellation und betriebswirtschaftliche Risiken
Neben dem Fraport-Konsortium, das zusammen mit dem Partner Delta Airport Investments auftritt, haben im Rahmen der ersten Interessenbekundungsphase Ende September 2026 zwei weitere Konsortien ihr Interesse angemeldet. Dazu zählen die Betreibergesellschaft des Hauptstadthafen-Flughafens Athen (Athens International Airport S.A.) sowie ein Bündnis aus dem griechischen Bau- und Infrastrukturkonzern GEK Terna und der indischen Flughafengruppe GMR Airports.
Finanzvorstand Matthias Zieschang betonte bezüglich des Bietungsverfahrens, dass der Konzern eine gründliche Prüfung der wirtschaftlichen Parameter durchführen werde. Das Paket müsse in seiner Gesamtheit rentabel bewirtschaftet werden können. Neben den notwendigen Investitionen in die Modernisierung der Start- und Landebahnen sowie der Terminalgebäude an den wachstumsstarken Inselstandorten erfordern auch die Kleinstflughäfen kontinuierliche Aufwendungen für die betriebliche Sicherheit und Flugsicherung. Die detaillierte Ausarbeitung der verbindlichen Angebote in der zweiten Phase des Tenders wird zeigen, ob die ökonomischen Perspektiven die Verpflichtungen zur Verlustabdeckung der Kleinststandorte aufwiegen.