Die Europäische Kommission plant die Bereitstellung von Handlungsempfehlungen zur Steuerung von Passagier- und Touristenströmen innerhalb der Mitgliedstaaten.
Wie EU-Tourismuskommissar Apostolos Tzitzikostas in Brüssel mitteilte, konzentrieren sich derzeit 50 Prozent aller touristischen Übernachtungen in der Europäischen Union auf lediglich 13 Prozent der Regionen. Die Brüsseler Behörde beabsichtigt, innerhalb der kommenden sechs Monate nicht bindende Leitlinien vorzulegen, um eine gleichmäßigere Verteilung der Aufkommen über verschiedene Jahreszeiten und Zielgebiete zu fördern und Belastungen an stark frequentierten Standorten zu verringern.
Ein zentraler Bestandteil der angekündigten Initiativen betrifft die Koordination im Segment des Kreuzfahrttourismus. Die zeitgleiche Ankunft großer Passagierzahlen in Hafenstädten und Küstenregionen führt regelmäßig zu Spitzenbelastungen der lokalen Verkehrsinfrastruktur und Abfertigungskapazitäten. Neben der Erarbeitung von Steuerungsansätzen sieht das Konzept der Kommission den Aufbau einer europäischen Tourismusakademie zur Behebung von Arbeitskräftemangel vor. Der Branche fehlen Schätzungen zufolge derzeit rund eine Million Beschäftigte bei insgesamt mehr als 20 Millionen Arbeitsplätzen in etwa fünf Millionen Betrieben.
Da die Gesetzgebungskompetenz für den Tourismussektor primär bei den einzelnen EU-Mitgliedstaaten liegt, beschränkt sich die Rolle der Kommission auf die Bereitstellung von Koordinationsrahmen und Finanzierungsmitteln. Bis zum Ende des aktuellen Mehrjährigen Finanzrahmens im Jahr 2027 sollen voraussichtlich bis zu 18 Milliarden Euro an EU-Fördermitteln in die Unterstützung und Digitalisierung des Sektors geflossen sein. Neben strukturellen Disparitäten stehen europäische Destinationen unter dem Einfluss gestiegener Energie- und Transportkosten infolge internationaler Konflikte sowie verstärktem Wettbewerb aus asiatischen Märkten.