Boeing 787-8 (Foto: Flughafen Wien AG).
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Air India muss sparen: Mitarbeiter sollen Hotelzimmer teilen

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Inmitten des anstehenden Zusammenschlusses von Air India und Vistara plant die traditionsreiche indische Fluggesellschaft eine Maßnahme, die innerhalb der Branche und unter dem Kabinenpersonal für Aufregung sorgt: Ab dem 1. Dezember 2024 sollen ausgewählte Mitglieder des Kabinenpersonals Hotelzimmer bei Zwischenlandungen teilen.

Diese Entscheidung ist Teil einer umfassenden Strategie zur Senkung der Betriebskosten und zur Harmonisierung der Unternehmensrichtlinien mit der kürzlich übernommenen Fluggesellschaft Vistara. Die Fusion, die in den kommenden Monaten abgeschlossen wird, stellt Air India vor zahlreiche Herausforderungen, insbesondere im Umgang mit dem Personal. Viele Flugbegleiter reagieren besorgt auf diese Änderung, die als Einschnitt in ihre Arbeitsbedingungen gesehen wird.

Die Kostensenkungsstrategie im Detail

Bislang haben die Kabinenbesatzungen von Air India während ihrer Zwischenlandungen Anspruch auf Einzelzimmer in Hotels. Dies soll sich ab Dezember ändern, indem das Personal gezwungen wird, die Unterkünfte zu teilen – eine Praxis, die bei Vistara, der Schwesterfluggesellschaft von Air India, bereits üblich ist. Die neuen Richtlinien betreffen jedoch nicht das gesamte Personal: Nur Cabin Manager und Cabin Executives sind von der Regelung ausgenommen und dürfen weiterhin Einzelzimmer nutzen.

Während das Teilen von Hotelzimmern eine deutliche Kostenersparnis für Air India darstellt, plant die Airline im Gegenzug eine Erhöhung des Übernachtungsgeldes für internationale Flüge. Derzeit liegt diese Zulage je nach Standort zwischen 75 und 125 US-Dollar. Mit der neuen Regelung soll sie auf 85 bis 135 US-Dollar steigen. Zusätzlich werden die Verpflegungspläne für Inlandsflüge angepasst: Das Kabinenpersonal wird künftig alle Mahlzeiten während der Dienstzeiten erhalten, nicht nur das Frühstück. Dies soll die Auswirkungen der neuen Zimmerpolitik zumindest teilweise abfedern.

Reaktionen aus dem Kabinenpersonal: „Schwer zu verdauen“

Die Ankündigung hat bei vielen Flugbegleitern und Branchenexperten Unmut ausgelöst. Der Schritt wird von einigen Mitarbeitern als Verletzung der bisherigen Arbeitskultur bei Air India betrachtet. Ein Mitglied des Kabinenpersonals äußerte sich gegenüber der Zeitung Hindu Businessline: „Das Kabinenpersonal wird es sehr schwer haben, die Änderung zu verdauen. Alle Menschen haben unterschiedliche Gewohnheiten, Schlafgewohnheiten usw. Wie soll das umgesetzt werden?“ Insbesondere für Langstreckenflüge, die physisch und mental besonders fordernd sind, wird befürchtet, dass das Teilen von Zimmern den Erholungswert der Ruhezeiten stark beeinträchtigen könnte.

Der Luftfahrtexperte SanJay Lazar nannte die Maßnahme eine Annäherung an die „Low-Cost-Carrier-Kultur“, was den Prestigeverlust der ehemals staatlichen Airline widerspiegele. Besonders in der Geschichte von Air India sei diese Art der Kostensenkung bislang undenkbar gewesen. Tatsächlich war die Airline lange ein Symbol des nationalen Stolzes und legte großen Wert auf Komfort und Service, sowohl für Passagiere als auch für das eigene Personal.

Sicherheitsbedenken und Auswirkungen auf den Betrieb

Neben der Unzufriedenheit über die neuen Arbeitsbedingungen gibt es auch ernsthafte Sicherheitsbedenken. Der renommierte Luftfahrtexperte Mohan Ranganathan kritisierte die Entscheidung scharf und wies darauf hin, dass Air India die einzige Fluggesellschaft sei, die Ultralangstreckenflüge zwischen Indien und den USA anbietet. „Das Management hat offenbar keine Ahnung von Müdigkeit und Sicherheit“, sagte er und warnte davor, dass unausgeruhte Besatzungsmitglieder das Risiko von Zwischenfällen erhöhen könnten.

Flugpersonal auf Langstreckenflügen ist besonders auf ausreichende und erholsame Pausen angewiesen, um den extremen Anforderungen während des Dienstes gerecht zu werden. Das Teilen von Zimmern könnte zu gestörten Schlafrhythmen führen, da individuelle Bedürfnisse wie Licht, Geräusche und Temperatur in einem geteilten Raum oft schwer unter einen Hut zu bringen sind.

Ein Schritt zur Harmonisierung der Unternehmensstrukturen

Air India verteidigt die Maßnahme als notwendige Anpassung im Zuge der Fusion mit Vistara. Ein Sprecher der Airline erklärte, dass im Rahmen der Übernahme „wettbewerbsfähige, zeitgemäße und leistungsabhängige Vergütungs- und Leistungsrichtlinien“ entwickelt wurden, die sowohl für Air India- als auch für Vistara-Mitarbeiter gelten. Die Vereinheitlichung dieser Regelungen sei ein unvermeidlicher Schritt, um nach der Übernahme durch die Tata-Gruppe im Jahr 2023 eine einheitliche Unternehmensstruktur zu schaffen.

Diese „Harmonisierung“ sei entscheidend, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und die Effizienz der Fluggesellschaft zu steigern. Ein weiteres Ziel der neuen Richtlinien ist es, die Personalstrukturen an internationale Branchenstandards anzupassen. Tatsächlich ist die Praxis des Zimmerteilens bei Fluggesellschaften mit geringerem Serviceumfang, den sogenannten Low-Cost-Carriern, weit verbreitet. Air India scheint hier jedoch auf eine sensible Grenze zu stoßen, da viele Mitarbeiter die Airline mit Premium-Dienstleistungen und einem gewissen Luxus für das Personal in Verbindung bringen.

Wirtschaftlicher Druck auf die Luftfahrtindustrie

Die Luftfahrtbranche ist global unter erheblichem wirtschaftlichen Druck. Der starke Anstieg der Betriebskosten, insbesondere durch steigende Treibstoffpreise und neue Umweltauflagen, zwingt viele Fluggesellschaften dazu, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen und nach Einsparmöglichkeiten zu suchen. Die Corona-Pandemie hat die finanziellen Belastungen zusätzlich verschärft, was viele Airlines zu einer Neuordnung ihrer Kostenstrukturen zwingt.

Air India befindet sich in einer Phase der umfassenden Umstrukturierung, die nach der Übernahme durch die Tata-Gruppe eingeleitet wurde. Während die Fluggesellschaft bestrebt ist, ihre Position als führende internationale Airline zu festigen, steht sie gleichzeitig vor der Herausforderung, das Vertrauen und die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter zu erhalten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die geplanten Maßnahmen wie das Zimmerteilen von der Belegschaft akzeptiert werden und welche Auswirkungen dies auf den Betrieb und die Sicherheit der Fluggesellschaft haben wird.

Ein Balanceakt zwischen Kosteneinsparung und Mitarbeiterzufriedenheit

Air Indias Entscheidung, Flugbegleiter zur Zimmerteilung zu verpflichten, spiegelt die schwierige Balance zwischen wirtschaftlichen Zwängen und den Ansprüchen der Mitarbeiter wider. Die Airline steht unter starkem Druck, ihre Betriebskosten zu senken und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Doch gerade in einer Zeit, in der die Arbeitsbedingungen in der Luftfahrtbranche stärker denn je im Fokus stehen, muss Air India aufpassen, dass der Schritt nicht das Vertrauen der Belegschaft untergräbt. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, ob die Harmonisierung mit Vistara langfristig zu einer effizienten und erfolgreichen Zusammenarbeit führen wird.

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