Die isländische Billigfluggesellschaft Play hat kürzlich umfassende Veränderungen in ihrer Geschäftsstrategie angekündigt, die auf unerwartete Marktbedingungen und verschärften Wettbewerb im transatlantischen Luftverkehr zurückzuführen sind. Diese Ankündigung markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung des Unternehmens, da Play bestrebt ist, langfristige Profitabilität zu sichern und den Fehlern des einst gescheiterten Vorgängers WOW Air zu entgehen.
Seit ihrer Gründung im Jahr 2019 hat sich Play hauptsächlich auf den sogenannten Hub-and-Spoke-Betrieb konzentriert, bei dem Passagiere über Island zwischen Europa und Nordamerika umsteigen. Diese Strategie erwies sich zunächst als erfolgversprechend, doch im Jahr 2024 geriet das Unternehmen unter Druck, als große Fluggesellschaften ihre Kapazitäten auf den beliebten Transatlantikstrecken erhöhten. Insbesondere Airlines wie Icelandair und internationale Wettbewerber wie Delta und United Airlines bauten ihre Angebote auf den Strecken zwischen Nordamerika und Europa aus. Dies führte zu einem deutlichen Rückgang der Erträge für Play, da der Wettbewerb um die Passagiere intensiver wurde.
Play reagiert auf diese Entwicklungen mit einer klaren Neuausrichtung: Zukünftig wird sich die Airline verstärkt auf sogenannte Punkt-zu-Punkt-Freizeitrouten zwischen Island und Südeuropa konzentrieren. Dieser Sektor zeigt laut Unternehmensprognosen vielversprechendes Wachstumspotential. Bereits im Jahr 2024 erweiterte die Fluggesellschaft ihr Streckennetz um beliebte Urlaubsdestinationen wie Madeira, Faro, Valencia und Marrakesch. Auch im Jahr 2025 plant Play weitere Streckenerweiterungen, darunter Flüge in die Türkei, insbesondere nach Antalya.
Temporäre Auslagerung der Transatlantikflüge
Während Play sein Engagement im südeuropäischen Freizeitsektor verstärkt, wird die Fluggesellschaft ihre Aktivitäten im transatlantischen Markt vorerst zurückfahren. Die Strecken nach Nordamerika, die derzeit Ziele wie Boston, New York-Stewart und Toronto bedienen, werden vom 1. November 2024 bis zum 31. März 2025 von der in Miami ansässigen Fluggesellschaft GlobalX übernommen. Diese Maßnahme soll Play entlasten und dem Unternehmen die Möglichkeit geben, sich auf profitablere Routen zu konzentrieren.
Diese Entscheidung zeigt, daß Play aus den Fehlern von WOW Air gelernt hat, das 2019 Insolvenz anmelden mußte, nachdem es zu stark auf das wenig rentable Transatlantikgeschäft gesetzt hatte. Der CEO von Play, Einar Örn Ólafsson, betonte, daß das Unternehmen keine finanziellen Risiken eingehen will und diese Umstrukturierung notwendig sei, um die Stabilität des Unternehmens zu gewährleisten.
Expansion nach Südeuropa und Malta
Im Zuge dieser Neuausrichtung plant Play nicht nur eine Erweiterung des Streckennetzes nach Südeuropa, sondern auch eine geografische Diversifizierung ihrer Flotte. Erstmals wird Play Flugzeuge außerhalb Islands stationieren, um von einer günstigeren steuerlichen und regulatorischen Umgebung zu profitieren. Dafür hat die Fluggesellschaft ein maltesisches Air Operator Certificate (AOC) beantragt, das voraussichtlich bis zum Frühjahr 2025 genehmigt wird. Dieses Zertifikat ermöglicht Play, Flugzeuge in Malta zu stationieren und von dort aus neue Märkte zu bedienen.
Im Rahmen dieser Strategie wird Play ab 2025 ein Flugzeug auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa stationieren, das von dort aus unter anderem nach Island fliegen wird. Diese geografische Expansion ist ein weiterer Schritt in Richtung einer verbesserten Rentabilität und Flexibilität im operativen Geschäft.
Finanzielle Stabilität trotz Gewinnrückgang
Trotz des Anpassungsdrucks bleibt Play nach eigenen Angaben finanziell stabil. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) für das Jahr 2024 wird zwar unter dem des Vorjahres liegen, aber CEO Ólafsson betonte, daß es keine Pläne für eine Kapitalerhöhung gebe. Die finanziellen Reserven seien ausreichend, um die kommenden Herausforderungen zu meistern. Diese Zuversicht zeigt, daß Play sich trotz der notwendigen Umstrukturierung langfristig gut aufgestellt sieht.
Play hat ihre Flotte derzeit auf zehn Flugzeuge ausgebaut, wovon sechs bis sieben unter dem isländischen Luftfahrtzertifikat verbleiben, während drei bis vier Flugzeuge unter dem neuen maltesischen AOC betrieben werden. Zusätzlich wird ein Flugzeug vorübergehend in Miami verleast, was dem Unternehmen eine zusätzliche Einnahmequelle sichert.
Flexible Anpassungen als Schlüssel zum Erfolg
Die Ankündigungen von Play zeigen, daß die Airline bereit ist, ihre Strategie flexibel anzupassen, um im hart umkämpften Luftfahrtmarkt zu bestehen. Während der Rückzug aus dem transatlantischen Markt und die Fokussierung auf Freizeitrouten eine Reaktion auf unmittelbare Herausforderungen darstellt, deutet die Expansion nach Südeuropa und Malta auf eine langfristige Wachstumsstrategie hin.
Für Reisende bedeutet dies, daß Play weiterhin eine attraktive Option für günstige Flüge nach Südeuropa und innerhalb von Island bleiben wird. Ob die geplanten Änderungen langfristig den gewünschten Erfolg bringen, wird sich zeigen, doch die aktuelle Strategie verspricht eine Stabilisierung und mögliche Expansion in neue Märkte.