Salt Lake City Boeing Office (Foto: Boeing).
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Boeing kämpft mit Verlusten: Ein schwieriges drittes Quartal 2024

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Boeing, einer der größten Luft- und Raumfahrtkonzerne der Welt, durchlebt schwierige Zeiten. Die jüngsten Quartalsergebnisse des Unternehmens zeigen deutliche Einbußen, die vor allem auf den Arbeitskampf der Gewerkschaft International Association of Machinists and Aerospace Workers (IAM) sowie frühere Belastungen in den zivilen und militärischen Programmen zurückzuführen sind.

Boeing meldete für das dritte Quartal 2024 einen Nettoverlust von 6,17 Milliarden US-Dollar – den zweithöchsten Quartalsverlust seit Mitte 2018. Trotz eines Gesamtauftragsbestands von beeindruckenden 511 Milliarden US-Dollar steht Boeing vor gewaltigen Herausforderungen, die die Zukunft des Unternehmens nachhaltig prägen könnten.

Ein drastischer Quartalsverlust

Die Nettoverluste von 6,17 Milliarden US-Dollar zeigen die Schwere der Lage, in der sich Boeing aktuell befindet. Dabei sanken die Umsätze des Unternehmens im dritten Quartal 2024 um 1 % auf 17,8 Milliarden US-Dollar. Diese Zahlen sind besonders besorgniserregend, wenn man bedenkt, dass Boeing zu Beginn des Jahres noch Hoffnungen auf eine Stabilisierung des Geschäfts hatte. Das Unternehmen hatte frühzeitig gewarnt, dass eine Gesamtbelastung vor Steuern in Höhe von rund 5 Milliarden US-Dollar das Ergebnis belasten würde. Diese Belastung ist hauptsächlich auf den andauernden Streik der IAM und auf Probleme bei der Umsetzung von zivilen und militärischen Programmen zurückzuführen.

Der fünfwöchige Streik der Gewerkschaft IAM, die rund 33.000 gewerkschaftlich organisierte Boeing-Mitarbeiter im Bundesstaat Washington vertritt, hat die Produktion wichtiger Modelle wie des 737 MAX, der 767 und der 777 weitgehend lahmgelegt. Dies führte zu Produktionsausfällen und Verzögerungen, die das Quartalsergebnis massiv beeinträchtigt haben. Der Arbeitskampf begann aufgrund von Vertragsverhandlungen, die sich anfangs festgefahren hatten, doch es gibt Hoffnung, dass der Konflikt bald beigelegt werden könnte. Die IAM-Mitglieder sollen bis zum 23. Oktober 2024 über einen neuen Vertragsvorschlag abstimmen, der den Streik beenden könnte.

Belastete Programme und verzögerte Projekte

Neben dem Arbeitskampf trugen auch Verzögerungen in Boeings zivilen und militärischen Programmen zum enttäuschenden Ergebnis bei. Eines der prominentesten Beispiele ist die Boeing 777X, deren erste Auslieferungen nun um ein weiteres Jahr auf 2026 verschoben wurden. Ursprünglich sollte das Modell, das als Nachfolger der erfolgreichen 777-Serie gilt, bereits früher auf den Markt kommen. Doch technische Herausforderungen und der anhaltende Produktionsstillstand haben dazu geführt, dass das Projekt sich immer weiter verzögert.

Diese Verzögerungen haben nicht nur finanzielle Auswirkungen auf Boeing, sondern beeinträchtigen auch das Vertrauen der Kunden. Viele Fluggesellschaften, die auf die Auslieferung der neuen Jets warten, müssen ihre Flottenplanung entsprechend anpassen, was zusätzliche Kosten verursacht. Die Verschiebung der Auslieferung der 777X reiht sich in eine Serie von Problemen ein, mit denen Boeing in den letzten Jahren konfrontiert war, darunter die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem 737-MAX-Debakel und die Schwierigkeiten bei der Modernisierung der Produktionsprozesse.

Umfassende Restrukturierungen und Entlassungen

Um die finanziellen Belastungen abzufedern und das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, kündigte Boeing an, fast 10 % seiner weltweiten Belegschaft abzubauen. Dies entspricht mehreren Tausend Arbeitsplätzen und betrifft Mitarbeiter in allen Bereichen des Unternehmens. Vor allem im Produktionssektor, aber auch in Verwaltung und Management sollen Stellen abgebaut werden, um Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern.

Kelly Ortberg, der Präsident und CEO von Boeing, betonte in einer Botschaft an die Mitarbeiter die Bedeutung der Zusammenarbeit, um das Unternehmen durch diese schwierige Phase zu steuern. „Es wird Zeit brauchen, um Boeing wieder zu seinem früheren Erbe zurückzuführen, aber mit dem richtigen Fokus und der richtigen Unternehmenskultur können wir wieder eine Ikone und ein führendes Unternehmen in der Luft- und Raumfahrt sein“, sagte Ortberg. Diese Worte unterstreichen die Ernsthaftigkeit der Lage, aber auch die Hoffnung auf eine positive Zukunft.

Ortberg betonte weiter, dass eine grundlegende Veränderung der Unternehmenskultur erforderlich sei, um Boeing wieder an die Spitze der Branche zu bringen. Neben der Umstrukturierung und den Personalabbauten soll auch die Programmausführung verbessert und stabilisiert werden, um die Basis für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen.

Trotz Herausforderungen: Positive Auftragslage

Trotz der immensen finanziellen Herausforderungen ist Boeings Auftragsbestand beeindruckend. Der Gesamtwert der Bestellungen liegt bei 511 Milliarden US-Dollar, darunter mehr als 5.400 Verkehrsflugzeuge im Wert von 428 Milliarden US-Dollar. Im dritten Quartal 2024 konnte Boeing Commercial Airplanes 49 Nettoaufträge verbuchen und 116 Flugzeuge ausliefern, was zeigt, dass die Nachfrage nach Boeing-Modellen trotz der aktuellen Schwierigkeiten weiterhin hoch ist.

Doch die Frage bleibt: Wie schnell kann Boeing seine Produktionskapazitäten wieder vollständig nutzen und die Lieferzeiten für seine Kunden reduzieren? Mit dem Streik der IAM und den strukturellen Herausforderungen in der Produktion steht Boeing unter enormem Druck, diese Probleme schnell zu lösen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Zukunftsaussichten: Ein langer Weg zurück an die Spitze

Boeing steht vor einer schwierigen Zukunft. Der Weg zurück zu alter Stärke wird lang und steinig sein. Die Herausforderungen sind vielfältig: Der anhaltende Arbeitskampf, Verzögerungen bei wichtigen Projekten und massive finanzielle Verluste. Doch mit einem starken Auftragsbestand und dem klaren Willen zur Veränderung gibt es Hoffnung, dass Boeing wieder zu einer Ikone der Luft- und Raumfahrt werden kann.

Die nächsten Monate werden entscheidend sein, insbesondere im Hinblick auf die Beilegung des Arbeitskampfes und die Umsetzung der angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen. Wenn Boeing es schafft, seine Unternehmenskultur zu reformieren und die Produktionsprozesse zu stabilisieren, könnte das Unternehmen aus dieser Krise gestärkt hervorgehen – auch wenn der Weg dorthin mit weiteren Herausforderungen gepflastert sein wird.

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