Mit italienischen Spezialitäten wartet das Restaurant „Palermo“ in der Panfilov St 98 in der kasachischen Metropole Almaty auf. Dass das Lokal in der gehobenen Gastronomie angesiedelt ist, bemerkt man bereits im Betreten.
Ein echter Hingucker sind sicherlich die großen und bestens gepflegten Süßwasser-Aquarien, die sich nahe dem Eingang auf der rechten Seite befinden. Diese sind groß und beherbergen verschiedene Zierfischarte, beispielsweise Buntbarsche. Auf den Teller kommen diese Tiere übrigens auch auf Nachfrage nicht. Positiv ins Auge sticht, dass die Becken sehr gepflegt wirken und der Besatz behutsam gewählt ist. Keines der Aquarien ist in irgendeiner Weise verschmutzt oder überbevölkert.
Weine aus Frankreich und Italien dominieren die Speisekarte
Das überaus freundliche Personal weist rasch einen Tisch zu und spricht kurz darauf die ersten Empfehlungen für Getränke aus. Lokale Weine aus Kasachstan hat man aber kaum auf der Speisekarte, dafür eine äußerst reichhaltige Auswahl aus Italien und Frankreich. Es ist wenig verwunderlich, dass man Weine genau aus diesen Ländern vorhält, da man sich auf mediterrane Spezialitäten fokussiert. Übrigens: Zahlreiche Weine sind auch in Weinregalen, die dem Lokal optisch einen besonderen Touch geben, ausgestellt. Natürlich nicht alle, denn bekanntermaßen eignet sich nicht jeder für eine solche Ausstellung.
Bestimmte Muscheln werden übrigens komplett frisch serviert und können vom Gast sogar einzeln ausgesucht werden, da diese sich in einem Salzwasseraquarium befinden. Somit weiß man vorher was oder wen man bald auf dem Teller serviert bekommt. Auch diese „Lagerstätte“ ist was die Sauberkeit anbelangt in absolut einwandfreiem Zustand.
Obwohl das „Palermo“ in der gehobenen Gastronomie angesiedelt ist, hat das Personal kaum Englischkenntnisse. Das ist ein bisschen unüblich für die Gastronomie von Almaty, da diese zumeist sehr international ausgerichtet ist. Die Sprache spielt normalerweise in der Gastronomie nicht wirklich eine Rolle, denn Gast und Kellner finden eigentlich immer einen Weg, der zum Ziel führt, also dass man satt wird.

Palermo-Schriftzug (Foto: Jan Gruber). 
Restaurant Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Tisch im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Frische Muscheln (Foto: Jan Gruber). 
Frische Muscheln (Foto: Jan Gruber). 
Frische Muscheln (Foto: Jan Gruber). 
Innenraum im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
WC im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Waschraum im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Innenraum im Palermo (Foto: Jan Gruber).
Omnipräsentes Servicepersonal
Wie in der gehobenen Gastronomie üblich wird man im „Palermo“ rundum von den Kellnern versorgt. Das schließt auch ein, dass die Speisen zunächst auf einem Servierwagen gebracht werden und dann vor den Augen des Kunden ganz nach seinen Wünschen auf dem Teller zusammengestellt werden. Selbstverständlich wird auch rasch nachgelegt, manchmal so proaktiv, dass man ehe man sich versehen hat, schon wieder einen vollen Teller vor sich stehen hat. Ähnlich verhält es sich bei den Getränken. Weist man das Personal freundlich darauf hin, dass man genug hat, zieht sich dieses dezent zurück und fragt bei nächster Gelegenheit höflich, ob man Wünsche hat.
Als Vorspeise wurde eine umfangreiche Auswahl italienischer Antipasti mit Salaten und Käsevariation serviert. Dazu reichte das Restaurant verschiedene mediterrane Aufstriche und Saucen. Alles wirkte frisch zubereitet und war dementsprechend wohlschmeckend. Die Kellner legten ständig nach, so dass Personen, die nur kleinen Hunger haben, möglicherweise schon nach der Vorspeise satt sein könnten.
Als Hauptgericht wurde eine Variation von Pferde- und Rindfleisch mit darauf abgestimmtem Gemüse serviert. Es war in allen Belangen genau richtig, zart gekochtes Fleisch, das auf der Zunge im positiven Sinn zergeht und Gemüse, das einfach gut geschmeckt hat. Allerdings hat das auch seinen Preis, doch dazu im weiteren Verlauf dieses Artikels mehr.

Speisen im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Speisen im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Speisen im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Speisen im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Speisen im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Speisen im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Speisen im Palermo (Foto: Jan Gruber). 
Speisen im Palermo (Foto: Jan Gruber).
Hausgemachte Mehlspeisen und luxuriöse Waschräume
Eigenen Angaben nach werden sämtliche Nachspeisen, die den Gästen angeboten werden, selbst zubereitet bzw. Gebacken. Das „Palermo“ rühmt sich damit, dass man in diesem Bereich nirgendwo zukauft. Verschiedene Mehlspeisen und Kuchen, die natürlich allesamt im mediterranen Stil waren, haben sehr gut geschmeckt und wirkten tatsächlich so frisch, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass diese tatsächlich am gleichen Tag oder gar vor wenigen Stunden erst gebacken worden sein könnten. Jedenfalls sollten sich Besucher diesen Genuss nicht entgehen lassen.
In Kasachstan ist es üblich, dass hausgemachte Limonaden angeboten werden. Das Lokal bot Orange-Kiwi und Zitrone-Limone an. Beide waren geschmacklich perfekt abgestimmt – nicht zu süß, aber auch nicht zu sauer. Die Erwartungen in dieser Challenge konnten damit erfüllt werden. Auch der Tee, der mit frischen Zutaten, soweit herstellungsbedingt möglich, gekocht wurde, passte perfekt zur Limonade bzw. zur Nachspeise.
Ein Highlight findet sich aber an einer Örtlichkeit, an der man wohl eher nicht danach suchen würde. Die Waschräume des „Palermos“ sind optisch sehr ansprechend gestaltet und wirken wie in einem 5-Sterne-Luxus-Hotel, das viel Wert darauf legt, dass Prunk und Luxus selbst am „Häusl“ für den Gast wahrnehmbar sind. Natürlich ist es für die Gäste des „Palermos“ positiv derartig ansprechende Räumlichkeiten vorzufinden, jedoch ist es dann doch ein bisschen übertrieben, da man sich normalerweise am WC nicht sonderlich lange aufhält.
Gehobene Spitzengastronomie hat seinen Preis
Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Restaurant „Palermo“ in Almaty alle Erwartungen, die man an die gehobene Gastronomie stellen kann, erfüllt. Angesichts der hohen Qualität, der großen Portionen und es rundum serviceorientierten und freundlichen Personals, kann man sogar davon sprechen, dass die Erwartungen übererfüllt wurden.
Das alles hat aber seinen Preis, denn das „Palermo“ ist keine Billig-Pizzeria ums Eck, sondern eines der nobelsten Lokale mit mediterraner Küche in der Millionenstadt Almaty, die das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Kasachstans ist. Wer also „günstiges“ Essen erwartet, ist hier falsch. Wer sich, seinen Geschäftspartnern, Freunden oder seiner Familie einen besonderen Abend in schönem Ambiente und gutem Service, wie man es eben in einem Sterne-Lokal erwarten kann, bieten möchte, ist hier richtig. Auch für das lokale Preisniveau ist das Palermo hochpreisig, aber das ist kein Negativmerkmal, denn auf der gesamten Welt hat die gehobene Spitzengastronomie eben ihren Preis. Die alles entscheidende Frage: Ist das „Palermo“ in Almaty sein Geld wert? Für besondere Abende bzw. Anlässe auf jeden Fall eine klare Empfehlung.
