Boeing-Logo an einem Gebäude (Foto: Sven Piper/Unsplash).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Boeing-Streik: Gewerkschaft lehnt neues Angebot ab

Werbung

Der andauernde Arbeitskampf zwischen Boeing und seinen 33.000 Maschinisten an der Westküste der USA eskaliert weiter, nachdem das jüngste Vertragsangebot des Unternehmens von der Gewerkschaft abgelehnt wurde.

Der Streik, der sich nun in die sechste Woche zieht, ist Ausdruck eines tiefgreifenden Konflikts zwischen den Beschäftigten und dem Flugzeughersteller, der seit Jahren brodelt. Im Zentrum des Streits stehen Forderungen nach höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und der Wiedereinführung eines Pensionsplans, der im Jahr 2014 abgeschafft wurde. Für Boeing kommt diese Auseinandersetzung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da das Unternehmen gleichzeitig einen massiven finanziellen Verlust verzeichnet.

Hintergrund des Streiks: Eine Dekade der Unzufriedenheit

Die International Association of Machinists and Aerospace Workers (IAM), die die Interessen der streikenden Maschinisten vertritt, machte klar, dass die Beschäftigten seit mehr als einem Jahrzehnt unter zunehmenden Belastungen und finanziellen Einbußen leiden. Besonders der Verlust des traditionellen Pensionsplans im Jahr 2014 hat bei den Beschäftigten tiefe Wunden hinterlassen. Viele Arbeiter fühlen sich von Boeing im Stich gelassen und beklagen, dass das Unternehmen in den letzten zehn Jahren zunehmend ihre Rechte und Bedürfnisse ignoriert habe.

Jon Holden, Präsident des IAM-Distrikts 751, brachte die Stimmung der Belegschaft auf den Punkt, als er sagte, dass es für die Beschäftigten nach Jahren der Opfer nicht einfach sei, das Vertrauen in den Arbeitgeber wiederherzustellen. „Wir haben noch einiges aufzuholen“, betonte er und machte deutlich, dass die Gewerkschaft entschlossen sei, für eine gerechte Lösung zu kämpfen.

Das jüngste Vertragsangebot: Warum die Ablehnung?

Das am 23. Oktober 2024 vorgelegte Vertragsangebot von Boeing enthielt einige Verbesserungen, darunter eine Lohnerhöhung von 35 % über vier Jahre, eine Ratifizierungsprämie von 7.000 US-Dollar und eine einmalige Zahlung von 5.000 US-Dollar in die Rentenkassen. Doch trotz dieser Zugeständnisse lehnte die Mehrheit der Mitglieder das Angebot ab. 64 % der 33.000 Boeing-Arbeiter stimmten gegen den Vorschlag, weil er aus ihrer Sicht nicht weit genug ging.

Der Hauptstreitpunkt bleibt die Wiedereinführung des Pensionsplans, den Boeing im Jahr 2014 abgeschafft hatte. Die Gewerkschaft fordert eine vollständige Rückkehr zu diesem System, da viele Arbeiter diesen als wesentlich für ihre langfristige finanzielle Sicherheit betrachten. Das aktuelle Angebot enthielt jedoch nur verbesserte Rentenbeiträge, aber keine Rückkehr zum alten Rentenmodell. Für die Gewerkschaft ist dies ein inakzeptabler Kompromiss.

Zusätzlich zur Rentenfrage fordert die Gewerkschaft eine 40-prozentige Lohnerhöhung, um die Verluste und die stagnierenden Löhne der letzten Jahre auszugleichen. Die bisher angebotenen 35 % werden als unzureichend angesehen, um die wachsenden Lebenshaltungskosten und die Mehrbelastungen der Arbeitnehmer zu kompensieren.

Finanzielle Herausforderungen bei Boeing

Der Zeitpunkt des Streiks ist für Boeing äußerst schwierig. Erst kürzlich meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 6,17 Milliarden US-Dollar für das dritte Quartal 2024. Der CEO von Boeing, Kelly Ortberg, gab bekannt, dass das Unternehmen umfassende strukturelle Veränderungen plant, um das Geschäft zu stabilisieren. „Wir müssen die Kultur grundlegend ändern und die Programmausführung verbessern“, erklärte Ortberg.

Dieser finanzielle Druck könnte den Verhandlungsprozess zusätzlich erschweren. Boeing steht nicht nur vor der Herausforderung, den Streik zu beenden, sondern auch langfristig die Kosten zu senken und die eigene Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt zu sichern. In einer Zeit, in der Boeing nach neuen Wegen sucht, um seine Verluste zu reduzieren, ist es unwahrscheinlich, dass das Unternehmen auf die vollständigen Forderungen der Gewerkschaft eingehen wird.

Wie geht es weiter?

Die IAM-Gewerkschaft bleibt entschlossen, für die Rechte ihrer Mitglieder zu kämpfen. Obwohl Boeing signalisiert hat, dass das Unternehmen weiterhin offen für Verhandlungen sei, zeigt die ablehnende Haltung der Gewerkschaft, dass die Gespräche weiterhin schwierig bleiben werden. Brandon Bryant, Präsident des IAM-Distrikts W24, betonte, dass der Kampf der Arbeiter ein Symbol für viele Beschäftigte in den USA sei, die unter ähnlichen Bedingungen leiden. „Dies ist ein Höhepunkt von allem für viele Menschen, gefüllt mit Emotionen“, erklärte Bryant und verwies damit auf die landesweiten Kämpfe um gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen.

Die Gewerkschaft plant, in Kürze neue Verhandlungstermine vorzuschlagen, in der Hoffnung, eine Einigung zu erzielen, die den langjährigen Forderungen der Belegschaft gerecht wird. Die IAM hat dabei immer wieder betont, dass sie bereit sei, den Streik fortzusetzen, bis ein akzeptables Angebot auf dem Tisch liegt. Jon Holden machte dies in seiner jüngsten Stellungnahme noch einmal deutlich: „Nach 10 Jahren voller Opfer haben wir noch einiges aufzuholen, und wir hoffen, dass wir dies durch eine rasche Wiederaufnahme der Verhandlungen tun können.“

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung