Der Flughafen Sofia ist derzeit nicht unbedingt als Luxus-Airport bekannt. Doch genau das will man werden, denn das Team rund um Airportchef Jesús Caballero Pinto hat sich zum Ziel gesetzt ein so genannter Fünf-Sterne-Flughafen zu werden. Der Weg bis dahin ist aber noch sehr weit und wird den Verantwortlichen noch so eine Anstrengungen abverlangen.
Momentan sind in Sofia zwei Terminals in Betrieb. Das T1 ist seit 1935 in Betrieb und setzte bei der Eröffnung für damalige Verhältnisse neue Maßstäbe. Es wurde sukzessive erweitert und wird derzeit hauptsächlich von Billigfluggesellschaften wie Wizz Air und Easyjet genutzt. Der Konkurrent Ryanair fliegt ab dem Terminal 2. Das T1 soll mittelfristig vom Netz gehen und anderweitig, beispielsweise als VIP-Abfertigungshalle genutzt werden. Dass das T1 trotz stetiger Modernisierungen ein wenig aus der Zeit gefallen ist, zeigt auch die Tatsache, dass die vormals in Osteuropa übliche bauliche Trennung der Ankunfts- und Abflugzonen noch immer vorhanden ist. Hierfür gibt es sogar getrennte Eingänge.
Terminal 2 soll saniert werden, T3 neu gebaut werden
Die meisten Airlines nutzen in Sofia das Terminal 2. Dieses wurde in der heutigen Form im Jahr 2006 eröffnet, aber auch an diesem Gebäudekomplex nagt mittlerweile der Zahn der Zeit. Freilich ist es rein optisch wesentlich moderner als der Kern des T1, jedoch von einem Five-Star-Airport ist man noch weit entfernt. Das soll sich mit der Inbetriebnahme des geplanten Terminals 3 ändern, denn Firmenchef Jesús Caballero Pinto kündigte im Rahmen des Aviation Events, das in der Vorwoche in Sofia stattgefunden hat, an, dass eine umfassende Renovierung und Modernisierung dieses Bestands erfolgen wird.
Anknüpfend an den Umstand, dass die Bulgaren im Jahr 1935 mit dem heutigen Kern des T1 Maßstäbe gesetzt haben, will man das auch mit dem geplanten Terminal 3 tun. Derzeit ist es noch in der Planungsphase, denn die Baumaschinen rollen nicht. Die Eröffnung strebt man um das Jahr 2030 an. Zuvor gibt es noch so allerhand zu erledigen, denn nicht nur, dass erstmal gebaut werden muss, Genehmigungen und Co müssen noch eingeholt werden.
Keinesfalls ist der Sofia Airport ein „schlechter Flughafen“, aber vom selbstgesteckten Ziel ein Five-Star-Airport zu sein, ist man noch sehr weit entfernt. Bewerkstelligen will man das mit einem State-of-the-Art-Terminal-Neubau sowie einer umfassenden Modernisierung des T2. Das heutige T1 wird – wie erwähnt – dann für andere Zwecke genutzt, jedoch nicht mehr wie heute für Billigfluggesellschaften. Die Neubauten werden miteinander verbunden sein, so dass Umstiege problemlos möglich sein werden.
Regionales Drehkreuz soll etabliert werden
Und genau da knüpft auch die Strategie des Managements an, denn es ist angestrebt, dass Sofia zu einem neuen Regio-Drehkreuz aufsteigt. Was darunter genau zu verstehen ist konnte Jesús Caballero Pinto nicht ohne offene Fragen erklären. Tatsache ist, dass der Hub Istanbul auf der Luftlinie nicht so weit entfernt ist und die bulgarische Hauptstadt bereits heute bestens an alle großen Luftfahrtdrehkreuze in Europa angebunden ist. Ein Regio-Drehkreuz in Sofia würde bedeuten, dass die Reisenden gegebenenfalls einen zusätzlichen Umstieg in Kauf nehmen müssten. Ob das von den Passagieren auch wohlwollend angenommen wird, ist fraglich, denn besonders innerhalb von Europa neigen Reisende dazu nach Möglichkeit Nonstopflüge zu buchen. Bei längeren Strecken werden Verbindungen mit maximal einem Umstieg bevorzugt.
Dazu kommt auch, dass sich Bulgaria Air in gewisser Weise neu ausrichten müsste, denn ein echter Hub-and-Spoke-Carrier ist man nicht. Die Zubringerflüge aus Varna und Burgas können ja nicht ernsthaft als Feeder-Flüge nach dem Vorbild von Lufthansa, British Airways, Turkish Airlines und Co betrachtet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Netzwerkcarrier ein Drehkreuz in Sofia errichtet, ist derzeit recht gering. Eine Neugründung würde in enormem Wettbewerb zu den Etablierten, allen voran Turkish Airlines, stehen. Ohne Integration in eine Allianz sowie umfangreiche Interline- und Codeshare-Abkommen dürfte es schwierig werden.
Die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass es zwar immer mehr Flugverbindungen von immer mehr Airlines von/nach Sofia gibt, jedoch handelt es sich bei der überwiegenden Mehrheit der Neuaufnahmen entweder um Point-to-Point-Strecken von Billigfliegern oder aber Hub-Anbindungen von Netzwerk-Fluggesellschaften. Ähnlich verhält es sich auch in Varna und Burgas, wobei hier – wenig überraschend – Urlauber im Fokus stehen. Beide Küstenregionen etablieren sich zunehmend als preisgünstige Alternative zu Spanien, Griechenland und Italien.

Wachstum auch im Bereich Technik geplant
Die bulgarische Hauptstadt hingegen steht ein wenig im Schatten der Schwarzmeer-Destinationen. Es gibt Städtetourismus, aber die Verantwortlichen sind zu recht der Ansicht, dass es noch großes Potential gibt, das abgeschöpft werden kann. Dazu will man Sofia gezielt als City-Break-Ziel vermarkten und damit noch mehr Touristen begeistern. Auch das wird kein einfaches Unterfangen, denn man steht im internationalen Wettbewerb mit großen Namen wie London, Paris, Madrid, Rom und so weiter.
Alles in allem hat man am Flughafen Sofia sowie im Tourismusmarketing der Hauptstadt große Pläne. Diese sind erreichbar, aber es wird ein langer Weg bis dahin. Allerdings ist auch zu erwähnen, dass der Airport nicht ausschließlich auf Passagiere setzt, sondern auch im Bereich der Flugzeugwartung expandieren möchte. Bereits heute hat man fünf darauf spezialisierte Betriebe, darunter Lufthansa Technik Sofia, vor Ort.
Diese wollen zusätzliche Hangars haben, um ihre Kapazitäten erweitern zu können, aber auch der eine oder andere künftige Mitbewerber soll sich die Eröffnung einer neuen MRO-Anlage in Sofia vorstellen können. Insofern ist im Bereich der Technik mit Wachstum zu rechnen, wobei laut den Verantwortlichen für den Standort Sofia verschiedene Vorteile sprechen. Dazu zählt auch die geografische Lage, denn die Stadt ist aus Europa, Afrika, Asien gesehen durchaus zentral gelegen.
