Nach einer Reihe von Rückschlägen kämpft Boeing weiterhin mit der Wiederaufnahme der Produktion seiner 737 MAX. Die Serie, die bereits durch Sicherheitsprobleme und Abstürze schwer belastet ist, bleibt vier Wochen nach Beendigung eines siebenwöchigen Streiks der Mitarbeitenden weiterhin im Produktionsstillstand. Laut einem aktuellen Interview des FAA-Administrators Mike Whitaker mit Reuters konzentriert sich das Unternehmen derzeit auf Schulungen, Qualitätskontrollen und die Stabilisierung der Lieferkette.
Der Stillstand in der Produktion der 737 MAX begann im September 2024, als ein Streik der Gewerkschaft die Werke in Renton, Washington, zum Erliegen brachte. Die Arbeitsniederlegung, die sieben Wochen andauerte, war ein Protest gegen die Arbeitsbedingungen und Forderungen nach höheren Löhnen. Doch die Probleme für Boeing reichen weiter zurück: Bereits im Januar 2024 hatte ein Vorfall mit einer Boeing 737-9 der Alaska Airlines zu neuen Sicherheitsbedenken geführt. Kurz nach dem Start hatte sich ein Türverschluss gelöst, was die FAA veranlasste, die Produktion der 737 MAX auf 38 Flugzeuge pro Monat zu begrenzen.
Im Zuge dieses Vorfalls führte die FAA im März 2024 eine umfassende Überprüfung der Produktionsstätten durch. Dabei wurden laut Whitaker mehrere Verstöße gegen die Qualitätskontrollanforderungen festgestellt. Diese Mängel führten dazu, daß die FAA die geplante Erhöhung der Produktionsrate der 737 MAX stoppte, um das Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Kombination aus Produktionsproblemen, behördlichen Einschränkungen und dem Streik hat Boeings Zeitplan erheblich durcheinandergebracht.
Fortschritte und Herausforderungen
Trotz der Herausforderungen gibt es Zeichen, daß Boeing die Situation in den Griff bekommen möchte. Nach seinem Besuch in den Produktionsstätten in Renton lobte Whitaker die neuen Schulungs- und Qualitätskontrollsysteme des Unternehmens. Diese seien genau das, was er erwartet habe. Doch der Umstand, daß vier Wochen nach dem Ende des Streiks noch immer keine Flugzeuge produziert werden, zeigt, wie tiefgehend die Probleme bei Boeing sind.
Die Stabilisierung der Lieferkette bleibt ein weiterer kritischer Faktor. Die globale Luftfahrtindustrie hat seit der Pandemie mit Unterbrechungen in den Lieferketten zu kämpfen, und Boeing bildet hier keine Ausnahme. Der Fokus auf die Ausbildung der Belegschaft und die Sicherstellung reibungsloser Abläufe in der Lieferkette soll laut Boeing-Chef Kelly Ortberg helfen, die Produktion in diesem Monat wieder aufzunehmen.
Auswirkungen auf den Markt
Die anhaltenden Probleme bei der Produktion der 737 MAX wirken sich nicht nur auf Boeing, sondern auch auf die Luftfahrtindustrie insgesamt aus. Airlines, die auf die Lieferung neuer Maschinen angewiesen sind, müssen mit Verzögerungen rechnen. Dies beeinträchtigt Flugpläne und Flottenstrategien. Wettbewerber wie Airbus könnten von der Situation profitieren, da sie möglicherweise Aufträge übernehmen können, die Boeing nicht rechtzeitig bedienen kann.
Die FAA bleibt indes wachsam. Mit Blick auf die jüngsten Produktionsprobleme hat die Behörde klargestellt, daß sie keinen Kompromiß bei der Sicherheit eingehen wird. Die Begrenzung der Produktionsrate bleibt vorerst bestehen, und Boeing muß weiterhin strenge Auflagen erfüllen, bevor eine Aufstockung in Betracht gezogen wird.
Ein langer Weg zur Normalität
Für Boeing bleibt die Situation eine Herausforderung. Das Unternehmen befindet sich in einem schwierigen Balanceakt zwischen der Einhaltung regulatorischer Anforderungen, der Wiederherstellung des Vertrauens in die 737 MAX und der Sicherstellung eines wirtschaftlich tragfähigen Produktionsniveaus. Die Wiederaufnahme der Produktion noch in diesem Monat könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein, doch die Ereignisse der vergangenen Jahre zeigen, wie fragil Boeings Position derzeit ist. Die kommenden Wochen werden entscheidend dafür sein, ob der Konzern seine ehrgeizigen Ziele erreichen kann oder ob weitere Rückschläge drohen.