Nach monatelangen Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Vida und der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) bleibt die Situation für die rund 12.000 Beschäftigten der privaten Autobusbetriebe weiterhin angespannt. Auch die vierte Runde der Kollektivvertragsverhandlungen endete ohne Einigung. Während die Gewerkschaft den Arbeitgebern vorwirft, kein substanziell verbessertes Angebot vorgelegt zu haben, kritisiert die Arbeitgeberseite die Forderungen der Gewerkschaft als unrealistisch und wirtschaftlich nicht tragfähig. Als Reaktion auf die gescheiterten Verhandlungen hat die Vida für den 20. Februar von 4 bis 6 Uhr früh einen Warnstreik an mehreren Stützpunkten in ganz Österreich angekündigt.
Laut Vida-Verhandlungsleiter Anil Zümrüt konnten sich die Tarifparteien lediglich auf eine Inflationsanpassung von 3,5 Prozent einigen. In Bezug auf die Arbeitsbedingungen habe es jedoch keine nennenswerten Verbesserungen gegeben. Insbesondere kritisiert die Gewerkschaft, daß Entlastungen bei geteilten Diensten und Pausen weiterhin mit Einkommenseinbußen für die Buslenker verbunden seien. Auch bei der Ausweitung des Nachtzuschlags habe es keinerlei Bewegung seitens der Arbeitgeber gegeben. Einzig bei den Diäten seien minimale Zugeständnisse gemacht worden.
Auf Grundlage einer Befragung der Universität Wien, die im Dezember 2024 unter dem Titel Buslenker am Limit veröffentlicht wurde, sieht sich die Vida in ihren Forderungen bestätigt. Die Studie zeigt, daß Buslenker hohen Belastungen ausgesetzt sind: 83 Prozent der Befragten gaben an, daß sie in ihrem Beruf eine große Verantwortung tragen, 45,9 Prozent nannten „Stress“ als prägendes Merkmal ihrer Arbeit, 38,3 Prozent beklagten gesundheitliche Belastungen und 22,2 Prozent sprachen von Überlastung. Besonders problematisch seien die mangelnde Planbarkeit der Dienste und die damit verbundene schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Arbeitgeberseite warnt vor wirtschaftlichen Folgen
Die Wirtschaftskammer Österreich sieht die Lage anders. Martin Horvath, der Chefverhandler der Busbranche, bezeichnete die Forderungen der Vida als „nicht finanzierbar“ und kritisierte den geplanten Warnstreik als „rücksichtslos mit schwerwiegenden Folgen für tausende Fahrgäste“. Die Arbeitgeberseite argumentiert, daß das vorgelegte Angebot fair und zukunftsorientiert sei. Neben der Inflationsanpassung von 3,5 Prozent beinhalte es eine einstündige Erweiterung der 100-prozentigen Nachtzulage sowie Verbesserungen bei langen oder geteilten Diensten. Zudem sei den Beschäftigten im Linienverkehr künftig das Recht eingeräumt worden, reduzierte Ruhezeiten oder geteilte Dienste abzulehnen. Zusätzlich hätten sich die Diäten für Buslenker im Gelegenheitsverkehr um sieben Prozent erhöht.
Laut Horvath zähle die Busbranche bereits jetzt zu den bestbezahlten Berufsgruppen: In den letzten sechs Jahren sei der Einstiegslohn um 45 Prozent gestiegen, sodaß Buslenker mit Überstunden und Zulagen ein Einstiegsgehalt von bis zu 2850 Euro netto erzielen könnten. Eine von der Vida geforderte Lohnerhöhung um knapp zehn Prozent hält die Arbeitgeberseite daher für wirtschaftlich nicht tragbar.
Sozialpartnerschaft auf dem Prüfstand
Während die Gewerkschaft die Arbeitgeber für ihre „Blockadehaltung“ kritisiert, wirft die Wirtschaftskammer der Vida vor, den Kompromißwillen verloren zu haben. Horvath argumentiert, daß die Arbeitgeber bereits freiwillig eine Lohnerhöhung von 3,5 Prozent umgesetzt hätten, um Planungssicherheit für die Unternehmen und Beschäftigten zu gewährleisten. Die Vida setze hingegen auf Eskalation und mediale Inszenierung. Besonders die Warnstreiks seien ein Angriff auf die Sozialpartnerschaft und gefährdeten das Vertrauen zwischen den Verhandlungspartnern.
Trotz der verhärteten Fronten bleibt unklar, wie lange der Tarifkonflikt noch andauern wird. Sollte sich in den kommenden Verhandlungsrunden keine Lösung abzeichnen, könnten die Warnstreiks der Vida weiter ausgeweitet werden. Die Leidtragenden wären in diesem Fall nicht nur die Busunternehmen und ihre Beschäftigten, sondern vor allem tausende Fahrgäste, die auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind.