Ein aktueller Bericht des Reiseinformationsunternehmens OAG zeigt einen massiven Einbruch der Flugbuchungen von Kanada in die Vereinigten Staaten. Laut den vorliegenden Daten sind die Vorausbuchungen für die kommenden Monate um bis zu 75 % gesunken. Diese Entwicklung wirft Fragen über die Hintergründe und möglichen wirtschaftlichen Folgen auf.
Die Analyse der Buchungszahlen zeigt eine besorgniserregende Entwicklung. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Reservierungen für Flüge von Kanada in die USA zwischen April und September 2025 drastisch reduziert. Während im April 2024 noch über 1,2 Millionen Buchungen vorlagen, sind es in diesem Jahr lediglich 295.982. Auch in den Folgemonaten setzt sich dieser negative Trend fort, wobei besonders die Sommermonate betroffen sind.
Fluggesellschaften und Reiseexperten führen diese Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen sorgt die unsichere wirtschaftliche Lage für eine zögerliche Reiseplanung, zum anderen spielt der jüngste Handelsstreit zwischen den USA und Kanada eine zentrale Rolle.
Auswirkungen der Handelspolitik
Bereits Anfang 2025 hatte eine Studie des Marktforschungsunternehmens Leger ergeben, daß fast die Hälfte der Kanadier (48 %) weniger geneigt sei, in die USA zu reisen. Diese Zurückhaltung könnte durch die politischen Spannungen zwischen beiden Ländern weiter verstärkt worden sein.
Der Chef der kanadischen Fluggesellschaft WestJet, Alexis von Hoensbroech, äußerte sich enttäuscht über die Situation: „Ich bin persönlich sehr enttäuscht über die Entwicklung. Ein Handelskrieg ist das Letzte, was dieses Land, dieser Kontinent oder die Welt jetzt brauchen.“
Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte zuletzt angedroht, neue umfangreiche Zölle gegen Kanada und die Europäische Union zu verhängen. Experten warnen, daß solche Maßnahmen das wirtschaftliche Klima weiter belasten könnten.
Reaktionen der Fluggesellschaften
Kanadische Airlines haben auf den Rückgang der Buchungszahlen unterschiedlich reagiert. Während einige Fluggesellschaften versuchen, mit Kapazitätsanpassungen auf die schwächere Nachfrage zu reagieren, beobachten andere die Lage zunächst weiter.
Air Transat, die in den USA hauptsächlich die Flughäfen Fort Lauderdale und Orlando anfliegt, verfolgt eine abwartende Strategie. Annick Guerard, Geschäftsführerin von Air Transat, erklärte, daß das Unternehmen die Situation genau im Blick behalte und kurzfristige Anpassungen möglich seien.
Währenddessen hat Air Canada ihre Flüge auf transnationalen Strecken nur minimal erhöht – um lediglich 0,6 %. Dagegen haben Air Transat und Flair Airlines ihre Flugkapazitäten zwischen März und Oktober 2025 um 22,1 % bzw. 26,5 % reduziert.
Gibt es Hoffnung auf eine Erholung?
Ob sich die Lage in den kommenden Monaten stabilisiert, bleibt unklar. In der Vergangenheit gab es immer wieder Phasen, in denen Reisende Buchungen auf den letzten Drücker tätigten. Die Sommermonate gelten traditionell als starke Reisezeit, doch aufgrund der aktuellen Unsicherheiten bleibt fraglich, ob sich dieser Trend auch 2025 fortsetzt.
Eine mögliche Entspannung der politischen Beziehungen zwischen Kanada und den USA könnte zu einer Erholung der Flugbuchungen beitragen. Sollte es jedoch zu einer weiteren Eskalation des Handelsstreits kommen, könnte der Rückgang des Reiseverkehrs weiter anhalten.