Boeing 737 Max (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Boeing kämpft mit Produktionsproblemen: Erhöhung der 737 Max-Produktion vorerst gestoppt

Werbung

Boeing, der weltweit größte Hersteller von Flugzeugen, hat kürzlich angekündigt, dass die angestrebte Erhöhung der Produktionsrate für den 737 Max vorerst gestoppt werden musste. Statt der geplanten 38 Flugzeuge pro Monat wird die Produktion des populären Modells weiterhin bei etwa 31 Maschinen monatlich liegen. Dieser Rückschlag ist das Ergebnis von Problemen innerhalb des Montageprozesses, die zu Verzögerungen führten und eine Anpassung der ursprünglichen Produktionsziele erforderlich machten.

Bereits im Februar 2025 hatte Boeing versucht, die Produktionsrate des 737 Max auf 38 Flugzeuge pro Monat zu steigern, um der weiterhin hohen Nachfrage nach diesem Modell gerecht zu werden. Der 737 Max ist das meistverkaufte Flugzeug von Boeing und spielt eine zentrale Rolle im Portfolio des Unternehmens. Trotz der offensichtlichen Nachfrageprobleme und dem Ziel, die Produktionskapazitäten zu erweitern, stieß Boeing auf unerwartete Schwierigkeiten.

Laut einem Bericht des Fachportals The Air Current hätten Schwierigkeiten im Montageprozess, insbesondere ein Anstieg bei den sogenannten „Jobs Behind Schedule“ (JBS), dazu geführt, dass Boeing den Plan zur Produktionssteigerung auf Eis legen musste. JBS bezeichnet Aufgaben, die innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens nicht abgeschlossen werden können und zu Verzögerungen führen. Diese Probleme bremsten die geplante Steigerung der Produktionsrate und zwangen das Unternehmen dazu, zur bisherigen Rate von 31 Flugzeugen pro Monat zurückzukehren.

Boeing hat die Herausforderungen in einer offiziellen Stellungnahme bestätigt. Ein Sprecher erklärte, dass das Unternehmen weiterhin großen Wert auf Produktionsstabilität und Qualität lege. Man werde nun mit einem systematischen Ansatz die Produktion weiter steigern, um den langfristigen Zielen gerecht zu werden. „Der 737 Max-Program hat die Produktionsrate von 38 Flugzeugen pro Monat im Jahr 2025 noch nicht erreicht“, so der Sprecher weiter.

Föderale Auflagen und Produktionsobergrenze

Die geplante Erhöhung der Produktionsrate auf 38 Flugzeuge pro Monat war jedoch nicht nur eine unternehmensinterne Entscheidung. Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) hatte Boeing bereits im Januar 2024 eine Produktionsobergrenze für die 737 Max auferlegt. Dies war eine direkte Folge eines Vorfalls, bei dem ein Türmechanismus eines Flugzeugs während eines Flugs bei Alaska Airlines versagte. Die FAA reagierte mit einer regulatorischen Obergrenze für die monatliche Produktion der 737 Max, die auf 38 Maschinen festgesetzt wurde.

Diese Entscheidung wurde von Mike Whitaker, dem ehemaligen Administrator der FAA, getroffen. Whitaker erklärte, dass eine Erhöhung der Produktionsrate nur erfolgen könne, wenn die Behörde davon überzeugt sei, dass die Qualitätskontrollprobleme, die während des Vorfalls aufgedeckt wurden, vollständig gelöst sind. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass keine Abstriche bei der Qualität gemacht werden, die die Sicherheit der Flugzeuge gefährden könnten.

Boeing unter Beobachtung – Herausforderungen für den Flugzeugbauer

Die FAA-Entscheidung zur Obergrenze und die anschließenden Probleme mit der Produktionssteigerung werfen ein weiteres Schlaglicht auf die anhaltenden Herausforderungen, mit denen Boeing in den letzten Jahren zu kämpfen hat. Der 737 Max wurde nach zwei tragischen Abstürzen von Lion Air und Ethiopian Airlines im Jahr 2018 und 2019 weltweit aus dem Verkehr gezogen. Die Fluggesellschaften und die Öffentlichkeit misstrauten zunächst dem Modell, was zu erheblichen finanziellen Verlusten für Boeing führte. Erst im November 2020 wurde der 737 Max wieder für den kommerziellen Flugverkehr zugelassen, nachdem umfangreiche Modifikationen und Tests durchgeführt worden waren.

Trotz der Wiederzulassung des 737 Max und einer stabilen Nachfrage nach dem Modell hat Boeing Schwierigkeiten, das Vertrauen in die Qualität und die Produktionsprozesse wiederherzustellen. Die Produktionsprobleme der letzten Monate und die Einschränkungen der FAA verdeutlichen, dass Boeing noch immer mit den Nachwirkungen der Krise zu kämpfen hat und nicht in der Lage ist, eine schnellere Produktionsrate ohne Qualitätsrisiken zu gewährleisten.

Die Perspektive der FAA und des DoT

Die FAA und der neuernannte Leiter des US-Verkehrsministeriums, Sean Duffy, haben sich eindeutig hinter die Maßnahme gestellt, die Produktionsrate des 737 Max zu begrenzen. Duffy erklärte, dass Boeing nicht mehr als 38 Flugzeuge pro Monat produzieren dürfe, bis die Behörde die Sicherheit der Maschinen und die Qualität der Produktion für ausreichend halte. Boeing müsse sicherstellen, dass keine Kompromisse bei der Produktion gemacht würden, die zu weiteren Sicherheitsrisiken führen könnten. Diese strengen Vorgaben spiegeln das fortwährende Misstrauen gegenüber Boeing und der 737 Max wider und zeigen, wie intensiv die Behörde in die Überwachung des Unternehmens eingreift.

Boeing hat jedoch nicht nur mit internen Produktionsproblemen und regulatorischen Hürden zu kämpfen, sondern auch mit der internationalen Konkurrenz durch den europäischen Flugzeugbauer Airbus. Airbus’ A320neo-Serie ist die direkte Konkurrenz zum 737 Max und hat in den letzten Jahren Marktanteile gewonnen. Airbus hat in der Vergangenheit wiederholt betont, dass die Produktion des A320neo-Modells stabil sei und eine hohe Qualität aufweise. Dies stellt Boeing unter Druck, da die Konkurrenz von Airbus weiterhin stark ist und der Markt für Flugzeuge immer wettbewerbsintensiver wird.

Zukunftsperspektiven für Boeing

Die Frage bleibt, wie Boeing in Zukunft seine Produktionsziele erreichen kann, ohne auf Qualitätsstandards zu verzichten. Die Bemühungen, die Produktionsrate zu steigern, wurden durch die jüngsten Herausforderungen deutlich ausgebremst. In der Luftfahrtindustrie ist die Herstellung von Flugzeugen eine äußerst komplexe Angelegenheit, bei der Präzision und Qualität unerlässlich sind. Die Herausforderungen, denen sich Boeing gegenüber sieht, zeigen, wie schwierig es ist, den Markt mit neuen Maschinen zu versorgen, ohne dabei die Sicherheitsstandards und Produktionsrichtlinien zu gefährden.

Boeing muss jetzt daran arbeiten, sowohl das Vertrauen der Aufsichtsbehörden als auch das Vertrauen der Fluggesellschaften und Passagiere zurückzugewinnen. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein für die Zukunft des Unternehmens und seiner Produkte, insbesondere des 737 Max.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung