Die Entscheidung der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair, den dänischen Flughafen Billund zum 1. April dieses Jahres nicht mehr anzufliegen, hat weitreichende Folgen für die Preisgestaltung auf europäischen Flugrouten.
Wie der aktuelle dänische Luftfahrt-Preisindex zeigt, sind die Ticketpreise für europäische Ziele von Billund aus im Durchschnitt um 87 Prozent gestiegen. Einzelne Verbindungen verzeichnen sogar Preissteigerungen von bis zu 1.100 Prozent. Während andere dänische Flughäfen wie Kopenhagen und Aalborg nur moderate Preiszuwächse verzeichnen, erlebt Billund eine beispiellose Verteuerung. Eine Analyse der Hintergründe und Auswirkungen dieser Entwicklung gibt Aufschluß über die veränderte Wettbewerbssituation im europäischen Luftverkehr.
Ryanairs Rückzug und seine Folgen
Ryanair, bekannt als aggressive Low-Cost-Airline mit einem dichten Streckennetz in Europa, hatte über Jahre hinweg zahlreiche Verbindungen von Billund angeboten. Ziele wie London, Barcelona oder Rom waren für Reisende aus Jütland besonders günstig und leicht erreichbar. Mit dem abrupten Rückzug der Fluggesellschaft entfällt nun ein erheblicher Teil des günstigen Flugangebots, was unmittelbare Auswirkungen auf die Preissetzung der verbliebenen Anbieter hat.
Insbesondere die aufgelassenen Strecken, auf denen Ryanair zuvor operierte, sind von drastischen Preissteigerungen betroffen. Laut Angaben des dänischen Luftfahrt-Preisindexes haben sich die Tarife auf manchen Routen um bis zu 1.100 Prozent erhöht. Beispielsweise kostete ein Ticket von Billund nach London vor Ryanairs Rückzug durchschnittlich etwa 150 Kronen; heute müssen Reisende oftmals mehr als 1.800 Kronen bezahlen – und das oftmals mit Umstieg.
Lufthansa profitiert: Umstiege als neue Normalität
Die direkten Verbindungen, die Ryanair bislang anbot, sind kaum ersetzt worden. Stattdessen dominieren jetzt Flüge mit mindestens einem Zwischenstop, meist über große europäische Drehkreuze wie Frankfurt oder München. Besonders Lufthansa scheint von dieser Entwicklung zu profitieren. Die deutsche Airline bietet zahlreiche Umsteigeverbindungen an, die jedoch nicht nur längere Reisezeiten bedeuten, sondern auch erheblich höhere Kosten verursachen.
Reisende, die früher Nonstop-Flüge mit günstigen Tarifen bevorzugten, sehen sich nun mit komplexeren und teureren Reiseoptionen konfrontiert. Auch kleinere Airlines wie KLM und SAS profitieren von der neuen Situation, indem sie vermehrt über Amsterdam und Kopenhagen Verbindungen anbieten.
Vergleich: Kopenhagen und Aalborg stabiler
Während die Preisexplosion in Billund auffällig ist, bleiben die Entwicklungen an anderen dänischen Flughäfen vergleichsweise moderat. In Kopenhagen, dem größten Flughafen des Landes, sowie in Aalborg stiegen die durchschnittlichen Preise für Europaflüge lediglich um etwa 15 Prozent. Damit bleibt Kopenhagen weiterhin der stabilste Abflughafen in Dänemark, was auch daran liegt, daß hier eine deutlich größere Konkurrenz unter den Fluggesellschaften herrscht.
Besonders in Kopenhagen gibt es weiterhin ein breites Angebot an Low-Cost- und Full-Service-Carriern, wodurch sich Preissteigerungen durch Angebot und Nachfrage besser ausgleichen. Auch neue Anbieter wie Norwegian Air Shuttle tragen zur Stabilisierung bei, indem sie weiterhin günstige Flüge anbieten.
Interkontinentale Flüge bleiben weitgehend unbeeinflußt
Bemerkenswert ist, daß die Preisentwicklung für interkontinentale Flüge von Billund nahezu unbeeinflußt bleibt. Hier beträgt der durchschnittliche Preisanstieg laut dem Luftfahrt-Preisindex lediglich sechs Prozent. Hintergrund hierfür ist, daß Ryanair im Langstreckensegment ohnehin nicht aktiv war. Die dominierenden Anbieter auf diesen Strecken – etwa KLM, Lufthansa und British Airways – haben ihre Preisstrukturen weitgehend unverändert gelassen.
Für Billund bedeutet dies, daß Langstreckenflüge nach Nordamerika oder Asien weiterhin zu relativ stabilen Konditionen angeboten werden, während europäische Kurzstreckenreisende mit erheblich höheren Kosten rechnen müssen.
Wirtschaftliche und touristische Auswirkungen
Die Preissteigerungen dürften nicht nur Auswirkungen auf Geschäfts- und Urlaubsreisende haben, sondern auch auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region rund um Billund. Der Flughafen gilt als wichtiger Motor für den Tourismus in Westdänemark. Insbesondere Besucher von Attraktionen wie dem Legoland oder dem neuen Lego-House reisen häufig über Billund an.
Ein drastischer Rückgang günstiger Flugoptionen könnte mittelfristig zu einem Rückgang der Besucherzahlen führen. Die dänische Tourismusbranche beobachtet die Entwicklung daher mit Sorge. Bereits erste Hotels und touristische Anbieter in der Region berichten von rückläufigen Buchungszahlen für die kommende Saison.
Hintergründe von Ryanairs Rückzug
Die Gründe für Ryanairs Rückzug aus Billund sind vielfältig. Einerseits führt das Unternehmen immer wieder Verhandlungen über Gebühren und Subventionen mit Flughäfen. Nach dänischen Medienberichten sollen Streitigkeiten über höhere Flughafenentgelte und geringere Förderzahlungen zu der Entscheidung geführt haben. Ryanair selbst äußerte, daß „wirtschaftliche Rahmenbedingungen“ eine weitere Präsenz in Billund unattraktiv gemacht hätten.
Es ist nicht das erste Mal, daß Ryanair Märkte abrupt verläßt, wenn wirtschaftliche Bedingungen nicht den Erwartungen entsprechen. Ähnliche Strategien wurden in der Vergangenheit unter anderem in Deutschland, Italien und Spanien beobachtet.
Künftige Entwicklungen: Neue Anbieter in Sicht?
Die Frage, ob und wann neue Low-Cost-Carrier in die Lücke stoßen werden, bleibt derzeit offen. Vertreter des Flughafens Billund haben erklärt, sie befänden sich in Gesprächen mit verschiedenen Airlines über mögliche neue Verbindungen. Genannt wurden unter anderem EasyJet und Wizz Air. Konkrete Ergebnisse gibt es bislang jedoch nicht.
Branchenexperten gehen davon aus, daß der Preisdruck mittelfristig wieder etwas abnehmen könnte, sollten neue Anbieter auf dem Markt erscheinen. Bis dahin jedoch werden Reisende aus Westdänemark tiefer in die Tasche greifen müssen.