Reisende, die im Mai und Juni 2025 mit der Fluggesellschaft Easyjet vom Flughafen London Gatwick abfliegen wollen, müssen sich auf erhebliche Flugausfälle und Verspätungen einstellen. Betankungspersonal und Bodenarbeiter planen koordinierte Streikaktionen, die nach Angaben der Gewerkschaft Unite über 70 Prozent der täglichen Operationen der Airline an dem zweitgrößten Flughafen Großbritanniens beeinträchtigen könnten. Easyjet ist die größte Fluggesellschaft in Gatwick und wickelt mehr als die Hälfte aller Abflüge ab. Die geplanten Arbeitsniederlegungen drohen, Hunderte von Flügen zu streichen oder zu verzögern, insbesondere während der stark frequentierten Pfingstferien im Mai.
Die erste Welle von Streiks soll am 16. Mai 2025 beginnen, wenn die Tankmitarbeiter von Redline Oil Services, einem der Hauptanbieter von Betankungsdiensten am Flughafen, für vier Tage die Arbeit niederlegen. Eine zweite viertägige Streikperiode folgt unmittelbar darauf, vom 23. bis zum 27. Mai. Diese Arbeiter sind für die Betankung von Flugzeugen mehrerer Fluggesellschaften zuständig, wobei Easyjet zu den am stärksten betroffenen Airlines zählt. Unite schätzt, dass allein diese Arbeitsniederlegungen zu Ausfällen oder Verspätungen von mehr als 250 Easyjet-Flugbewegungen pro Tag führen könnten.
Die Operationen von Easyjet könnten durch weitere Arbeitsniederlegungen von Bodenpersonal des Unternehmens Red Handling zusätzlich belastet werden. Diese Arbeiter, darunter Gepäckabfertiger, Check-in-Personal und Flugzeugabfertiger, planen Streiks am 11., 18. und 25. Mai sowie einen weiteren Streiktag am 2. Juni. Red Handling unterstützt täglich rund 50 Flüge verschiedener Fluggesellschaften in Gatwick, darunter auch Easyjet. Dies bedeutet, dass die Fluggesellschaft möglicherweise mit doppelten Beeinträchtigungen durch überlappende Streikaktionen zweier verschiedener Dienstleistungsanbieter konfrontiert sein könnte.
Streit um Löhne und Arbeitsbedingungen als Ursache
Der Hauptgrund für die Arbeitskämpfe ist ein Streit um die Bezahlung. Das Tankpersonal von Redline und World Fuel Services hat Angebote der Arbeitgeber über jährliche Lohnerhöhungen zwischen 3,5 und 4,25 Prozent abgelehnt. Die Mitglieder von Unite argumentieren, dass diese Angebote weit hinter der aktuellen Inflationsrate zurückbleiben und die langen Arbeitszeiten sowie die essenzielle Bedeutung ihrer Arbeit nicht angemessen widerspiegeln. Die Arbeiter fordern eine Lohnerhöhung von sechs Prozent im ersten Jahr und eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit von 45 auf 39 Stunden.
Die Mitarbeiter von Red Handling protestieren ihrerseits gegen Lohnverzögerungen, fehlerhafte Pensionszahlungen und Managementpraktiken, die ihrer Ansicht nach gewerkschaftliche Aktivitäten behindern. Unite wirft dem Unternehmen „Gewerkschaftsbekämpfung“ vor, indem es während früherer Streiks Leiharbeitnehmer eingesetzt und streikende Mitarbeiter mit schlechteren Schichten und Verhören bestraft habe.
Gewerkschaft kündigt volle Unterstützung der Streikenden an
Sharon Graham, die Generalsekretärin von Unite, erklärte: „Die Arbeiter in beiden Unternehmen haben genug von schlechten Lohnangeboten und einer entsetzlichen Behandlung durch ihre Arbeitgeber. Es ist wenig überraschend, dass sie Streikmaßnahmen ergreifen. Wir werden unsere Mitglieder bei Red Handling und Redline während dieser Auseinandersetzungen voll und ganz unterstützen.“
Easyjet hat sich zu den geplanten Arbeitsniederlegungen noch nicht umfassend geäußert. Es wird jedoch erwartet, dass die Fluggesellschaft Notfallpläne vorbereitet, um sich auf mögliche Beeinträchtigungen an mindestens drei Wochenenden einzustellen. Die Streiks fallen in eine kritische Zeit für den Flugverkehr, insbesondere in die Pfingstferien im Mai, in denen viele Menschen in Großbritannien Urlaubsreisen planen. Tausende von Passagieren könnten mit kurzfristigen Flugstreichungen, langen Verspätungen oder Flugumbuchungen konfrontiert sein. Reisende mit Easyjet-Flügen ab Gatwick im Mai und Juni sollten daher die Entwicklungen genau verfolgen und sich auf mögliche Unannehmlichkeiten einstellen.