Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA hat bekanntgegeben, daß sie das Programm erneuern wird, welches Boeing erlaubt, Inspektionen und Reparaturen an seinen Flugzeugen selbst durchzuführen, anstatt daß dies durch FAA-Mitarbeiter geschieht. Die sogenannte Organization Designation Authorization (ODA) von Boeing tritt am 1. Juni 2025 in Kraft. Dieser Schritt bedeutet eine Reduzierung der direkten Aufsicht durch die Behörde.
Laut einer Erklärung der FAA vom 29. Mai habe man in den rigorosen Überprüfungen der letzten drei Jahre Verbesserungen in wichtigen Kriterien und den meisten Leistungsbereichen festgestellt. Die FAA betonte jedoch, daß sie die Leistung von Boeing auch nach der Erneuerung des Programms weiterhin genau überwachen werde.
Reaktion auf frühere Produktionsmängel
Die FAA hatte die Produktion der Boeing 737 MAX im Werk in Renton seit Bekanntwerden von Problemen mit Produktionsfehlern genau überwacht. Vorfälle wie der des Alaska-Airlines-Flugs im Januar 2024, bei dem sich mitten im Flug eine Türverkleidung aufgrund fehlender Bolzen löste, hatten die neue Produktionslinie stark in die Kritik geraten. Die Produktion der Serie wurde im Januar 2024 gestoppt, bis die FAA davon überzeugt war, daß Boeing einen neuen Prozeß zur Sicherstellung höchster Qualitätsstandards in der Produktion etabliert hatte.
Im Februar besuchten FAA-Inspektoren sowohl Boeings Werk in Renton als auch das Werk von Spirit AeroSystems in Wichita. Die FAA ermutigte aktiv zu Whistleblower-Beschwerden, bevor die Produktion wieder aufgenommen werden durfte. Im Dezember 2024 erklärte die FAA, daß sie die Produktion der 737 MAX 9 weiterhin aggressiv überwachen werde. Der FAA-Administrator Mike Whitaker kommentierte während einer planmäßigen Aufsichtsinspektion im Boeing-Werk in Renton in diesem Monat, daß Boeing wie erwartet Fortschritte bei der Umsetzung seines umfassenden Plans in diesen Bereichen gemacht habe und die Behörde die Ergebnisse bei der Produktionssteigerung weiterhin genau beobachten werde.
„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“
Noch im März dieses Jahres hatte das Verkehrsministerium der Vereinigten Staaten (DOT) kein uneingeschränktes Vertrauen in Boeings erneuten Fokus auf Sicherheit und Qualität geäußert. Medienberichten zufolge erklärte Verkehrsminister Sean Duffy, daß Boeing das Vertrauen des amerikanischen Volkes mißbraucht habe und das DOT den Produktionsriesen „unter Druck setzen“ werde.
Nach dem anfänglichen Produktionsstopp hatten das DOT und die FAA eine Obergrenze von 38 zu bauenden 737 MAX-Jets pro Monat festgelegt. Minister Duffy gab in derselben März-Ankündigung an, daß Boeing dieses Volumen bis dahin noch nicht erreicht habe. Duffy besuchte das Werk auch am sechsten Jahrestag des Absturzes des Ethiopian-Airlines-Flugs 302, bei dem alle 157 Menschen an Bord der Boeing 737 MAX 8 ums Leben kamen.
Nach der erneuten Festlegung der Aufsichtsmaßnahmen sagte Duffy, Präsident Donald Trump wolle nicht, daß das DOT Risiken bei der Sicherheit eingehe, aber er wolle, daß das DOT „klug sei und die Produktionsbeschränkungen für Boeing lockere, wenn es angemessen ist“. Boeing hatte sich im vergangenen Juli auch schuldig bekannt, in einem Bundesgericht wegen Betrugs angeklagt zu werden. In den letzten Wochen hat das Gericht jedoch Schritte zur Einstellung der Anklage unternommen.
Einstellung der Betrugsanklage gegen Boeing
Das US-Justizministerium hat laut Medienberichten formell beantragt, die Strafanzeige wegen Betrugs gegen Boeing fallen zu lassen. Der aufsehenerregende Fall, in dem sich Boeing zunächst schuldig bekannt hatte, wäre der erste aufgezeichnete Fall gewesen, in dem ein Unternehmen wegen eines Verbrechens auf Felony-Ebene verurteilt worden wäre.
Die Entscheidung erfolgte, nachdem Boeing zugesagt hatte, zusätzliche Zahlungen an die Familien der Opfer der beiden Flugzeugabstürze zu leisten, bei denen 346 Menschen vor der Küste Indonesiens und in Äthiopien ums Leben kamen. Die Strafen, Zahlungen und andere finanzielle Kosten belaufen sich auf mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar, einschließlich zusätzlicher 445 Millionen US-Dollar für die Familien der Absturzopfer. Die erneute Gewährung der ODA an Boeing deutet nun auf ein gewisses Vertrauen der FAA in die Fortschritte des Unternehmens hin, wenngleich eine weiterhin genaue Überwachung angekündigt wurde.