Boeing 737-800 (Foto: Styyx).
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Marokko forciert Luftfahrt-Expansion: Royal Air Maroc plant umfangreiche Flottenbestellungen

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Die nationale Fluggesellschaft Marokkos, Royal Air Maroc (RAM), steht offenbar kurz vor einer tiefgreifenden Flottenerweiterung, die den Kauf zahlreicher Flugzeuge sowohl beim US-amerikanischen Hersteller Boeing als auch beim europäischen Konkurrenten Airbus umfassen könnte.

Diese bevorstehenden Akquisitionen sind ein zentraler Baustein in den ambitionierten Plänen des nordafrikanischen Königreichs, sich als führendes Luftfahrtdrehkreuz an der Westflanke Afrikas zu etablieren. Die Dringlichkeit der Neubeschaffung wird durch einen prognostizierten starken Anstieg der Nachfrage im Reiseverkehr und die strategischen Vorbereitungen Marokkos für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft im Jahre 2030 verstärkt, die das Land gemeinsam mit Spanien und Portugal veranstalten wird.

Strategische Neuausrichtung: Eine Flotte für die Zukunft

Die Bestrebungen Marokkos, seine Position im globalen Luftverkehr zu festigen, sind nicht neu, erhalten jedoch durch die jüngsten Entwicklungen eine erhöhte Dynamik. Die marokkanische Regierung hat in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Infrastruktur des Landes zu modernisieren und das Königreich als attraktives Ziel für Handel, Investitionen und Tourismus zu präsentieren. Eine leistungsfähige und moderne Fluggesellschaft ist hierbei ein unerläßlicher Pfeiler. Der aktuell diskutierte Umfang der Bestellungen bei Boeing und Airbus unterstreicht die Ernsthaftigkeit dieser Ambitionen.

Wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ am Mittwoch unter Berufung auf gut informierte Kreise berichtete, plant Royal Air Maroc, für ihre Langstreckenflotte etwa zwei Dutzend Boeing 787 Dreamliner zu ordern. Dieses Muster ist bereits ein integraler Bestandteil der Langstreckenflotte der RAM und hat sich auf Routen nach Nordamerika, in den Mittleren Osten und andere afrikanische Destinationen bewährt. Die Boeing 787 ist für ihre Reichweite und Kapazität auf diesen Verbindungen geschätzt. Ergänzend dazu soll die Kurz- und Mittelstreckenflotte mit bis zu 50 neuen Boeing 737-Flugzeugen gestärkt werden, die das Rückgrat des regionalen und kontinentalen Streckennetzes bilden.

Ein bemerkenswerter Aspekt der bevorstehenden Bestellungen ist jedoch die Absicht, auch in europäische Flugzeugmuster zu investieren. Royal Air Maroc plant Berichten zufolge die Anschaffung von etwa 20 Airbus A220 Flugzeugen. Die A220, bekannt für ihre Effizienz auf Regionalstrecken und ihre komfortable Kabinenausstattung, würde eine Diversifizierung der Flotte bedeuten, die bislang stark auf Boeing-Modelle ausgerichtet ist. Diese Beimischung von Airbus-Flugzeugen könnte es RAM ermöglichen, ihr Streckennetz flexibler zu gestalten und auch Ziele mit geringerer Nachfrage effizient anzufliegen oder neue regionale Märkte zu erschließen, die für größere Flugzeuge weniger rentabel wären.

Der Zeitplan der Ankündigungen: Paris Air Show und politische Konstellationen

Der genaue Zeitplan und der Umfang der offiziellen Ankündigungen bleiben vorerst noch Gegenstand von Spekulationen. Es wird jedoch erwartet, daß der Auftrag für Airbus bereits in der kommenden Woche im Rahmen der prestigeträchtigen Pariser Air Show, einer der weltweit größten Luftfahrtmessen, bekannt gegeben werden könnte. Eine solche Ankündigung auf einer globalen Bühne würde beiden Unternehmen, Airbus und Royal Air Maroc, maximale Aufmerksamkeit sichern und die strategische Partnerschaft öffentlichkeitswirksam untermauern.

Die Bestellung bei Boeing hingegen könnte möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Gerüchte besagen, daß eine Bekanntgabe im Rahmen eines hochrangigen Treffens zwischen dem marokkanischen Staatsoberhaupt und dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump denkbar sei. Dies würde die politische Dimension und die diplomatische Bedeutung des Geschäfts unterstreichen. Es ist üblich, daß Großaufträge in der Luftfahrtindustrie nicht nur kommerzielle, sondern auch politische Implikationen haben, insbesondere wenn es sich um staatliche Fluggesellschaften handelt. Weder Boeing noch Airbus wollten sich zu den Berichten äußern, und auch Royal Air Maroc gab zunächst keine offizielle Stellungnahme ab, was in solchen Phasen der Verhandlungen, in denen Details noch nicht finalisiert sind, durchaus üblich ist.

Marokkos ehrgeizige Ziele: Tourismus, Handel und die Rolle als Luftfahrtdrehkreuz

Die Expansion der Royal Air Maroc ist eng mit den umfassenden nationalen Entwicklungszielen Marokkos verknüpft. Das Königreich strebt danach, sich als das wichtigste Drehkreuz für den Flugverkehr an der Westflanke des afrikanischen Kontinents zu etablieren. Eine ausgebaute und moderne Flugzeugflotte ist hierfür unabdingbar, um die notwendige Konnektivität zu schaffen und den erwarteten Passagier- und Frachtverkehr zu bewältigen. Dies schließt auch die Absicht ein, das derzeit noch eher kleine Frachtgeschäft der Airline signifikant auszubauen.

Ein wesentlicher Treiber dieser Expansion ist die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft 2030, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichten wird. Großereignisse dieser Art ziehen Millionen von Besuchern an und erfordern eine immense logistische und transporttechnische Vorbereitung. Darüber hinaus hat sich Marokko das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Zahl der Touristen, die das Land besuchen, bis zum Jahre 2030 auf 26 Millionen zu erhöhen. Im Jahre 2024 lag die Besucherzahl bei 17,4 Millionen, was bereits einen beeindruckenden Aufschwung nach den globalen Reisebeschränkungen darstellt. Um dieses Wachstum aufrechtzuerhalten und zu beschleunigen, sind direkte und häufige Flugverbindungen zu wichtigen Quellmärkten in Europa, Amerika und dem Mittleren Osten unerläßlich.

Die Investitionen in neue Flugzeuge sind somit Teil einer umfassenden nationalen Strategie, die darauf abzielt, Marokkos Wirtschaft zu diversifizieren und zu stärken. Die Verbesserung der Luftverkehrsanbindung trägt nicht nur zum Tourismus bei, sondern fördert auch den Handel, Investitionen und den kulturellen Austausch. Die Royal Air Maroc, als nationaler Carrier, spielt dabei eine Schlüsselrolle, indem sie die globale Erreichbarkeit des Landes sichert und somit die Weichen für zukünftiges Wachstum stellt.

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