Die Behörden im türkisch kontrollierten Nordzypern haben am 7. Juli 2025 ein bedeutendes Abkommen mit Turkish Airlines und deren Billigflugtochter AJet (ehemals Anadolu Jet) unterzeichnet. Diese wegweisende Vereinbarung zielt darauf ab, die Luftverkehrsanbindung zum Norden der Insel erheblich zu verbessern. Kernpunkte des Deals sind die Festlegung von Ticketpreisobergrenzen auf wichtigen Routen und eine Erhöhung der Flugfrequenzen zum Hauptflughafen Ercan International Airport (ECN).
Das Protokoll, das von Premierminister Unal Ustel als „wichtiger Schritt“ und von Ahmet Bolat, dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees von Turkish Airlines, als „historischer Tag“ bezeichnet wurde, verspricht eine Belebung des Tourismus und eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des nördlichen Teils Zyperns. Insbesondere die angestrebte Wiederaufnahme direkter Flugverbindungen aus dem Vereinigten Königreich nach Nordzypern steht im Fokus der Bemühungen.
Ein neuer Horizont für den Tourismus in Nordzypern
Nordzypern, der türkisch kontrollierte Teil der Mittelmeerinsel, steht vor einer signifikanten Aufwertung seiner internationalen Anbindung. Das jüngst geschlossene Abkommen zwischen den dortigen Behörden und den führenden türkischen Fluggesellschaften Turkish Airlines und AJet ist ein strategischer Schachzug, um den einreisenden Tourismus massiv zu fördern. Die Unterzeichnungszeremonie, die am 7. Juli 2025 in der Präsidentschaft in der nordzypriotischen Hauptstadt Lefkosa stattfand, wurde von hochrangigen Persönlichkeiten wie dem türkisch-zypriotischen Premierminister Unal Ustel und Ahmet Bolat, einem Vorstandsmitglied und Vorsitzenden des Exekutivkomitees von Turkish Airlines, begleitet. Bolat sprach von einem „historischen Tag“, der das touristische Produkt des Nordens „wettbewerbsfähiger“ machen werde, während Ustel die Vereinbarung als „wichtigen Schritt“ in der Entwicklung der Region würdigte.
Das neue Protokoll zielt darauf ab, den Luftverkehr nach Nordzypern durch günstigere Tarife und verbesserte Verbindungen zu erleichtern. Ein zentraler Punkt ist die Einführung eines neuen Programms von Shuttle-Flügen von Ercan Airport zu wichtigen Städten in der Türkei, die von AJet durchgeführt werden. Diese Shuttle-Flüge sollen vereinfachte Weiterverbindungen zu anderen europäischen Städten ermöglichen, die ebenfalls von AJet angeflogen werden. Die ultimative Hoffnung ist, daß diese Maßnahmen die Ticketpreise auf diesen Routen senken und dem Tourismus im Norden Zyperns einen kräftigen Aufschwung verleihen.
Preiskontrollen und verbesserte Konnektivität: Die Details des Abkommens
Um die Luftbeförderung nach Nordzypern tatsächlich kostengünstiger zu gestalten, sieht das Protokoll konkrete Maßnahmen zur Preisdeckelung vor. So wird der Höchstpreis für Flugtickets zwischen Städten in der Türkei und Nordzypern auf 6.000 Türkische Lira (entspricht etwa 150 US-Dollar) festgelegt. Dies ist ein entscheidender Schritt, um die Reisekosten für Touristen und die lokale Bevölkerung gleichermaßen zu senken.
Darüber hinaus wurden auch internationale Routen in den Blick genommen. Wie von der Cyprus Mail berichtet, wird bei einer kommenden Veranstaltung, die Ende Juli in London stattfinden soll, der Hin- und Rückflugpreis für Flüge zwischen London-Stansted Airport (STN) und Ercan Airport auf 250 Euro (etwa 293 US-Dollar) festgesetzt. Diese Preisgarantie auf einer so wichtigen internationalen Verbindung könnte erhebliche Auswirkungen auf die Buchungszahlen haben und die Attraktivität Nordzyperns als Reiseziel für den britischen Markt steigern.
Aktuell bedient der Flughafen Ercan ausschließlich Flüge zum türkischen Festland. In der Vergangenheit gab es zwar direkte Flugverbindungen zwischen dem Vereinigten Königreich und Nordzypern. Diese waren jedoch aufgrund eines Abkommens zwischen der britischen und der türkischen Regierung an die Bedingung geknüpft, zuerst auf dem türkischen Festland zwischenzulanden, bevor die Reise nach Nordzypern fortgesetzt wurde. Diese Vorschrift wurde jedoch im Jahre 2017 aufgehoben, nachdem sich die türkische Regierung stabilisiert hatte und sich die Sicherheitslage in Nordzypern sowie in der Türkei verbessert hatte. Dies ebnete den Weg für die aktuellen Bemühungen um tatsächliche Direktflüge.
Der Ruf nach direkten Flugverbindungen aus dem Vereinigten Königreich
Ein zentraler Bestandteil des Plans zur Verbesserung der Konnektivität zum türkischen Teil der Insel ist die Absicht von AJet, die direkten Flugverbindungen zwischen dem Vereinigten Königreich und Nordzypern so schnell wie möglich wieder einzuführen. Bei der Bekanntgabe des Abkommens äußerten sowohl der türkisch-zypriotische Präsident Ersin Tatar als auch Premierminister Unal Ustel die Hoffnung, daß in Zukunft auch tatsächlich direkte Flüge in den Norden möglich sein werden. Dies würde die Reisezeit erheblich verkürzen und den Komfort für Reisende, insbesondere aus Großbritannien, deutlich erhöhen.
Um die Wiederaufnahme direkter Flugdienste aus dem Vereinigten Königreich zu untermauern, wurde im britischen Parlament ein Gesetzentwurf eingebracht, der dieses Konzept unterstützt. Der Gesetzentwurf fordert die britische Regierung auf, „direkte Flüge vom Vereinigten Königreich zum Ercan International Airport in Nordzypern zu erlauben“. Er weist zudem auf die „anhaltenden Schwierigkeiten hin, die die derzeitigen Reisebeschränkungen für über 300.000 türkische Zyprer, die im Vereinigten Königreich leben, und Tausende britische Staatsangehörige in Nordzypern verursachen“. Des Weiteren wird betont, daß „der Ercan Airport die internationalen Luftsicherheitsstandards erfüllt“. Die Befürworter des Gesetzentwurfs argumentieren, daß die Erleichterung direkter Flüge zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Norden „Fairness fördern, Familienreisen erleichtern und die strategische Präsenz des Vereinigten Königreichs in der Region stärken“ würde.
Diese politischen Bestrebungen im Vereinigten Königreich sind entscheidend, da direkte Flüge nicht nur den Tourismus ankurbeln, sondern auch die sozialen und wirtschaftlichen Bindungen zwischen der türkisch-zypriotischen Gemeinschaft in Großbritannien und ihrer Heimat stärken würden. Nach Angaben des Foreign, Commonwealth & Development Office (FCDO) des Vereinigten Königreichs gibt es eine große diaspora-Gemeinschaft von türkischen Zyprern in Großbritannien. Direkte Flüge würden ihren Reiseaufwand erheblich reduzieren und die Pflege familiärer Beziehungen erleichtern.
Zusätzliche Maßnahmen zur Tourismusförderung und regionalen Stärkung
Das zwischen den nordzypriotischen Behörden und den Vertretern von AJet unterzeichnete Abkommen umfaßt weitere Maßnahmen, die über die reine Flugverbindung hinausgehen und die Tourismusförderung und regionale Stärkung direkt unterstützen sollen. Ein wichtiger Aspekt ist die Schaffung von Arbeitsplätzen: Insgesamt 60 junge türkische Zyprer sollen von AJet als Kabinenpersonal eingestellt werden. Diese Maßnahme bietet jungen Menschen in Nordzypern konkrete berufliche Perspektiven in der Luftfahrtbranche und stärkt die lokale Wirtschaft durch die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze. Es ist ein sichtbares Zeichen der direkten Vorteile, die aus dieser Partnerschaft für die Bevölkerung des Nordens entstehen.
Zudem werden zwei Flugzeuge von AJet eine spezielle Beklebung auf ihrem Bug tragen. Diese Sonderlackierung wird die Botschaft „Ada Kibris“ zeigen, was auf Türkisch „Insel Zypern“ bedeutet. Diese visuelle Promotion soll als zusätzliche Maßnahme dienen, um den Tourismus im Norden der Insel zu bewerben und die Aufmerksamkeit auf das Reiseziel zu lenken. Solche Marketinginitiativen sind in der Luftfahrtindustrie gängig und können die Markenbekanntheit und Attraktivität eines Ziels erheblich steigern. Die Kombination aus verbesserten Flugverbindungen, Preisgarantien, politischen Bemühungen um Direktflüge und gezielten Marketingmaßnahmen deutet auf einen umfassenden Ansatz hin, um Nordzypern als attraktives Reiseziel auf der internationalen Landkarte zu etablieren.
Ein strategischer Impuls für Nordzypern
Das neue Abkommen zwischen den Behörden Nordzyperns, Turkish Airlines und AJet markiert einen strategisch bedeutsamen Schritt zur Verbesserung der Anbindung und Belebung des Tourismus in der Region. Durch die Festlegung von Preisobergrenzen, die Erhöhung der Flugfrequenzen und die gezielte Förderung von Direktflügen, insbesondere aus dem Vereinigten Königreich, wird der Norden Zyperns für Reisende attraktiver.
Die politische Unterstützung im britischen Parlament für direkte Flüge unterstreicht die humanitäre und wirtschaftliche Dimension dieser Bestrebungen. Gleichzeitig schaffen die vereinbarten Maßnahmen zur Personalrekrutierung und zur visuellen Promotion konkrete Vorteile für die lokale Bevölkerung und stärken die regionale Wirtschaft. Dieses Abkommen hat das Potenzial, die touristische Landschaft Nordzyperns nachhaltig zu verändern und seine Rolle als eigenständiges Reiseziel im Mittelmeerraum zu festigen, auch wenn die politischen Herausforderungen der Anerkennung des türkisch-zypriotischen Staates weiterhin bestehen.