Der Absturz einer Boeing 787 der Air India im vergangenen Monat, bei dem 241 Insassen und 19 Personen am Boden ums Leben kamen, scheint auf eine unterbrochene Treibstoffzufuhr zu den Triebwerken zurückzuführen zu sein. Dies geht aus einem vorläufigen Bericht der indischen Behörde zur Untersuchung von Flugunfällen (Aircraft Accident Investigation Bureau, AAIB) hervor. Demnach seien die Kontrollschalter für die Treibstoffzufuhr kurz nach dem Start fast gleichzeitig von der Position „run“ (offen, läuft) auf „cutoff“ (geschlossen, abgeschaltet) gesprungen. Dieses plötzliche Ereignis im Cockpit führte zu sofortigem Schubverlust und einem raschen Höhenverlust des Flugzeuges.
Der AAIB-Bericht offenbart eine bemerkenswerte Verwirrung im Cockpit unmittelbar nach dem Vorfall. Auf dem geborgenen Stimmenrekorder sei zu hören, wie einer der Piloten den anderen gefragt habe, warum er den Kraftstoffregler umgelegt habe. Die Antwort des zweiten Piloten lautete, er habe dies nicht getan. Beide Piloten galten als erfahren und verfügten zusammen über rund 19.000 Flugstunden, davon mehr als 9.000 auf dem Flugzeugtyp Boeing 787, auch bekannt als „Dreamliner“. Ein Notruf sei noch abgesetzt worden, bevor die Maschine am 12. Juni kurz nach dem Start im westindischen Ahmedabad in ein Wohngebiet stürzte und in Flammen aufging. Lediglich ein Passagier – ein Brite – überlebte die Katastrophe, während das Flugzeug auf dem Weg nach London war.
Das Umlegen der Treibstoffschalter unterbricht die Zufuhr von Kerosin zu den Triebwerken nahezu augenblicklich. Dies geschieht normalerweise nur zum Abschalten der Triebwerke nach der Ankunft am Flugsteig oder in Notsituationen, wie etwa einem Triebwerksbrand. Der vorläufige Bericht deutet jedoch nicht darauf hin, daß ein solcher Notfall vorlag. Der US-Luftsicherheitsexperte John Cox betonte, daß ein versehentliches Umlegen dieser Schalter durch einen Piloten nicht möglich sei. Die Konstruktion solcher Kontrollen in modernen Cockpits sei darauf ausgelegt, unbeabsichtigte Betätigungen durch haptische Rückmeldungen oder Arretierungen zu verhindern. Die Frage, warum die Schalter die Position wechselten, bleibt daher im Zentrum der weiteren Untersuchungen.
Die indische Untersuchungsbehörde hat in diesem Stadium „keine Handlungsempfehlungen“ für den Flugzeughersteller Boeing oder den Triebwerksbauer General Electric ausgesprochen. Air India bestätigte den Eingang des vorläufigen AAIB-Berichts, lehnte jedoch eine Äußerung zu spezifischen Details unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen ab. Die Flugunfalluntersuchung ist ein komplexer Prozeß, der alle möglichen Faktoren, seien sie technischer, menschlicher oder organisatorischer Natur, sorgfältig beleuchtet, um die genaue Ursache zu ermitteln und zukünftige Unfälle zu verhindern.