Ein bedeutender Konflikt im Hotelgewerbe bahnt sich in Rostock an. Der renommierte Unternehmer Friedemann Kunz, Gründer des Fertighausanbieters Scan Haus Marlow, hat die Zusammenarbeit seiner Hotels mit dem internationalen Hotelkonzern Radisson einseitig beendet. Kunz, der seine Hotelbeteiligungen, Immobilien und weitere Geschäfte in der Friedemann-Kunz-Familienstiftung zusammengefaßt hat, ist offenbar zu der Überzeugung gelangt, die größten Hotels der Stadt – das bestehende Haus mit 251 Zimmern und ein fast fertiggestelltes Hotel auf der Silohalbinsel – zukünftig besser ohne Radisson führen zu können. Dies stellt eine Abkehr von üblichen Managementverträgen dar, die in der Branche oft zehn Jahre oder länger laufen.
Die Auseinandersetzung hat bereits sichtbare Formen angenommen: Das Radisson-Logo wurde bereits demontiert. Ab dem 16. Juli sollen die Hotels unter der neuen Marke „Scanhotels“ firmieren, deren Name sich an das erfolgreiche Fertighausunternehmen von Kunz anlehnt. Auch der fast bezugsfertige Neubau werde unter dieser neuen Eigenmarke betrieben. Radisson war zwar schon länger über Abwanderungsgedanken informiert, gab sich jedoch sichtlich überrascht, aus der Presse von der Demontage des eigenen Logos erfahren zu haben. Konzernsprecher Simon Riegler-Kern erklärte auf Anfrage, man betrachte die einseitige Kündigung der Managementverträge als unwirksam. Radisson gehe weiterhin davon aus, daß beide Hotels unter ihrer Marke geführt werden, und kündigte umfassende rechtliche Schritte an, um vertragliche und markenbezogene Rechte zu wahren. Solche Managementverträge sind in der Hotelbranche rechtlich komplex und ihre einseitige Kündigung führt fast immer zu langwierigen Rechtsstreitigkeiten.
Hansjörg Kunze, Sprecher der Friedemann-Kunz-Familienstiftung, bestätigte die vollständige Übernahme des Betriebs in Eigenregie. Die FH Rostocker Hotelbetriebs GmbH, eine Tochtergesellschaft der Familienstiftung, bleibe wie bisher Betreiberin der Häuser, Arbeitgeberin für die Mitarbeiter und trage die volle kaufmännische Verantwortung. Kunze betonte, man habe Radisson eine partnerschaftliche Übergabe angeboten, diese sei jedoch abgelehnt worden. Stattdessen seien am 10. Juli ohne Vorankündigung zentrale Buchungssysteme durch Radisson abgeschaltet worden. Tatsächlich sind die Hotels nicht mehr über die Radisson-Webseite buchbar. Der General Manager Daniel Bojahr, der bisher bei Radisson angestellt und bezahlt wurde, hat sich im Rahmen der Auseinandersetzung offensichtlich auf die Seite der Familienstiftung geschlagen.
Laut Daniel Bojahr sollen alle bestehenden Buchungen sowie das bekannte Leistungsangebot erhalten bleiben. Zudem sei die Einführung eines eigenen Treueprogrammes geplant. Die juristische Auseinandersetzung wird die beiden Parteien voraussichtlich noch länger beschäftigen und wohl erst vor Gericht entschieden werden. Der Streitwert wird in Millionenhöhe geschätzt, was die Tragweite dieses Konfliktes unterstreicht. Die Branche wird die Entwicklungen in Rostock genau verfolgen, da dieser Fall Präzedenzcharakter für ähnliche Vertragsbeziehungen haben könnte.