Westbahn (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Fahrgastrekord beflügelt massive Ausbaupläne bei ÖBB und Westbahn

Werbung

Der Bahnverkehr in Österreich erlebt einen beispiellosen Aufschwung. Der jüngste Jahresbericht 2024 der Regulierungsbehörde Schienen Control offenbart einen neuen Fahrgastrekord: Im vergangenen Jahr legten 348,7 Millionen Reisende über 15 Milliarden Kilometer auf den heimischen Gleisen zurück. Auch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bestätigten unlängst einen eigenen Höchststand mit konzernweit 511,3 Millionen Passagieren, was einem Anstieg von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Diese Entwicklung beflügelt umfassende Ausbaupläne sowohl bei den staatlichen ÖBB als auch beim privaten Betreiber Westbahn, die eine signifikante Erweiterung der Flotten und des Streckennetzes vorsehen, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden und die Position der Bahn als zentrales Verkehrsmittel weiter zu festigen.

Fahrgastrekord und die Antwort der ÖBB: Massive Flottenexpansion

Der österreichische Bahnsektor verzeichnete im Jahr 2024 eine historische Entwicklung. Nach den jüngsten Daten der Regulierungsbehörde Schienen Control nutzten so viele Menschen wie nie zuvor die Bahn für ihre Reisen. Insgesamt wurden im Vorjahr 348,7 Millionen Fahrgäste gezählt, die auf den Bahnstrecken Österreichs gemeinsam eine Distanz von über 15 Milliarden Kilometern zurücklegten. Diese Zahlen unterstreichen eine klare Präferenz der Bevölkerung für den Schienenverkehr, der in Österreich traditionell eine starke Rolle spielt.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), als größter Akteur im österreichischen Bahnverkehr, vermeldeten ebenfalls einen eigenen Fahrgastrekord für das Jahr 2024. Inklusive der Beförderungsleistungen des Postbus und ausländischer Beteiligungen erreichte der Konzern eine beeindruckende Zahl von 511,3 Millionen Passagieren. Dies stellt einen beachtlichen Anstieg von 3,6 Prozent im Vergleich zum Jahr 2023 dar und belegt die kontinuierlich wachsende Bedeutung der ÖBB im öffentlichen Personentransport.

Als direkte Reaktion auf diese positive Entwicklung und die prognostizierte weitere Zunahme der Nachfrage haben die ÖBB umfangreiche Pläne zur Erweiterung ihrer Flotte angekündigt. Insbesondere der Tagesfernverkehr soll massiv gestärkt werden. Bis zum Jahr 2030 ist die Anschaffung von 40 zusätzlichen Railjet-Garnituren vorgesehen, anstatt der ursprünglich geplanten 27. Diese Entscheidung spiegelt das Vertrauen der ÖBB in das Wachstumspotenzial des Fernverkehrs wider und zielt darauf ab, sowohl die Kapazitäten zu erhöhen als auch den Komfort für die Reisenden weiter zu verbessern. Der Railjet, bekannt für seinen hohen Komfort und seine Reisegeschwindigkeit, ist das Flaggschiff des ÖBB-Fernverkehrs.

Auch die Nightjet-Flotte, die für den Nachtreiseverkehr zuständig ist, soll ausgebaut werden, wenn auch in geringerem Umfang. Von den insgesamt 33 vorgesehenen neuen Nightjet-Garnituren sollen 24 bereits bis Mitte 2026 zur Verfügung stehen. Dies zeigt die wachsende Popularität von Nachtreisezügen als Alternative zu Kurzstreckenflügen oder Autoreisen und die Bestrebungen der ÖBB, dieses Segment weiter zu entwickeln. Die Investitionen in die Flotte sind nicht nur eine Reaktion auf die gestiegene Nachfrage, sondern auch eine strategische Maßnahme zur Modernisierung und Kapazitätserhöhung des gesamten österreichischen Bahnnetzes.

Westbahn im Expansionsmodus: Neue Strecken und Frequenzerhöhungen

Nicht nur die ÖBB, sondern auch der private Bahnbetreiber Westbahn bestätigt massive Ausbaupläne, die im Juni bei der Schienen Control eingereicht und nun präzisiert wurden. Dies deutet auf einen verstärkten Wettbewerb und ein dynamisches Wachstum im österreichischen Bahnmarkt hin, bei dem private Anbieter eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Eine der konkretesten und bereits so gut wie feststehenden Neuerungen ist die Streckenverlängerung bis Saalfelden in Salzburg. Mit dem bevorstehenden Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 soll die bisherige Westbahn-Verbindung, die in St. Johann im Pongau endete, bis Saalfelden verlängert werden. Dabei sind Zwischenhalte in Orten wie Bruck-Fusch, Zell am See und Maishofen-Saalbach vorgesehen. Zudem ist eine sofortige Aufstockung von derzeit einem auf drei tägliche Zugpaare auf dieser erweiterten Strecke geplant. Abhängig vom Kundeninteresse könnte Ende 2026 eine weitere Frequenzerhöhung auf fünf tägliche Zugverbindungen pro Richtung und Tag folgen, was die Bedeutung der Region Salzburg als Reiseziel unterstreicht und die Anbindung an das überregionale Bahnnetz verbessert.

Ein weiterer entscheidender Schritt für die Westbahn ist die Expansion in Richtung Süden. Ab dem 1. März 2026 wird die Westbahn fünf Mal täglich die Strecke Wien – Graz – Klagenfurt – Villach und retour bedienen. Das Besondere daran: Diese Züge werden mit einer Geschwindigkeit von bis zu 250 km/h unterwegs sein. Möglich wird diese hohe Geschwindigkeit durch die Inbetriebnahme der neuen Koralm-Hochleistungsstrecke, die im kommenden Dezember für den Personenverkehr freigegeben wird. Diese Großinvestition in die Infrastruktur wird die Reisezeit zwischen Graz und Klagenfurt von derzeit rund 2,5 Stunden auf nur noch knapp 45 Minuten verkürzen, was eine revolutionäre Verbesserung für den Personenverkehr in der Steiermark und Kärnten darstellt.

Die geplanten Westbahn-Zwischenhalte auf dieser Südverbindung sind Wien-Meidling, Wiener Neustadt, Semmering, Bruck an der Mur, Graz, Kühnsdorf am Klopeiner See, Klagenfurt und Pörtschach. Laut Westbahn-Fahrplan soll die gesamte Fahrt von Wien nach Villach bzw. retour lediglich drei Stunden und 39 Minuten dauern, was die Attraktivität der Bahn als schnelles und bequemes Reisemittel für diese Langstrecke erheblich steigert und einen direkten Wettbewerb mit dem Individualverkehr und Kurzstreckenflügen ermöglicht.

Zukunftsvisionen: Budapest und Frankfurt im Blick

Neben den bereits konkretisierten Ausbauplänen verfolgt die Westbahn auch ambitionierte internationale Ziele, die derzeit noch als „Zukunftsmusik“ gelten, aber das langfristige strategische Denken des Unternehmens zeigen.

Einer dieser Pläne ist die Verbindung Wien-Hauptbahnhof via Hegyeshalom nach Budapest-Kelenföld. Der Antrag für diese Strecke wurde bereits bei der Schienen Control eingereicht und sieht insgesamt fünf tägliche Verbindungen in jede Richtung vor. Die angestrebte Inbetriebnahme ist mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 datiert. Ob dieser Plan jedoch zum geplanten Zeitpunkt oder überhaupt umgesetzt wird, bleibt derzeit noch offen. Eine solche Verbindung würde die Rolle Wiens als zentrale Drehscheibe im mitteleuropäischen Bahnverkehr weiter stärken und die Anbindung an die ungarische Hauptstadt erheblich verbessern. Der Wettbewerb auf internationalen Bahnstrecken ist jedoch oft komplex, da er die Koordination mit ausländischen Infrastrukturbetreibern und Eisenbahnunternehmen erfordert.

Auch die weiteren Deutschland-Pläne der Westbahn sind aktuell noch sehr unkonkret. Ein Wunschziel ist eine Verlängerung über Stuttgart hinaus bis Frankfurt am Main. Ein Westbahn-Sprecher bezeichnete diese Verbindung als „naheliegend“. Allerdings gibt es auf der gesamten Strecke zwischen Salzburg und Stuttgart geplante umfangreiche Bauarbeiten, die für massive Behinderungen im Bahnverkehr sorgen könnten. Daher sei man derzeit primär bemüht, das bestehende Angebot möglichst stabil zu halten und auszubauen, bevor man sich in neue, durch Bauarbeiten beeinträchtigte Regionen vorwagt. Dennoch zeigt das Interesse an Frankfurt die Ambition der Westbahn, ihre Präsenz im deutschen Fernverkehrsnetz auszubauen und damit ihr Streckennetz über die Grenzen Österreichs hinaus zu erweitern.

Die Dynamik des österreichischen Bahnmarktes

Der starke Anstieg der Fahrgastzahlen und die massiven Investitionen sowohl der ÖBB als auch der Westbahn spiegeln eine tiefgreifende Dynamik im österreichischen Bahnmarkt wider. Das wachsende Bewußtsein für die Vorteile des Schienenverkehrs, sei es in Bezug auf Komfort, Pünktlichkeit oder die Möglichkeit, während der Fahrt zu arbeiten, trägt maßgeblich zu diesem Trend bei. Auch die Attraktivität von Großstädten und Tourismusregionen, die durch das Bahnnetz gut erschlossen sind, spielt eine Rolle.

Der Wettbewerb zwischen der staatlichen ÖBB und der privaten Westbahn hat sich als Katalysator für Innovation und verbesserte Dienstleistungen erwiesen. Beide Unternehmen sind bestrebt, ihr Angebot zu erweitern, die Frequenzen zu erhöhen und neue, attraktive Verbindungen zu schaffen. Diese Entwicklungen sind nicht nur für die Reisenden von Vorteil, die von einer größeren Auswahl und besseren Verbindungen profitieren, sondern stärken auch die Position des Bahnverkehrs als Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in Österreich. Die Fertigstellung großer Infrastrukturprojekte wie der Koralm-Hochleistungsstrecke ist dabei von entscheidender Bedeutung, da sie die Leistungsfähigkeit des Netzes maßgeblich erhöht und neue Möglichkeiten für schnelle und effiziente Verbindungen schafft.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung