Ein ungewöhnlicher Zwischenfall am Phoenix Sky Harbor International Airport hat am Dienstag für Aufregung gesorgt. An Bord eines Volaris Airbus A320ceo, der sich gerade vom Flugsteig entfernte, um zum Startplatz zu rollen, löste ein Passagier aus noch unbekannten Gründen die Notrutsche aus.
Die ungewöhnliche Aktion eines Einzelnen hat nicht nur eine Reisegruppe von fast 180 Personen stundenlang aufgehalten, sondern auch eine Diskussion über die zunehmende Zahl störenden Verhaltens von Fluggästen und die finanziellen Folgen für Fluggesellschaften ausgelöst. Der Vorfall, der durch ein schnelles Eingreifen der Besatzung und der Flughafenbehörden kontrolliert wurde, unterstreicht die Fragilität des reibungslosen Flugbetriebs und die Notwendigkeit robuster Sicherheitsmaßnahmen an Bord.
Die Eskalation auf dem Rollfeld: Eine Notrutsche wird zur kostspieligen Behinderung
Der Vorfall ereignete sich an Bord des Volaris-Fluges 1883, der auf dem Weg von Phoenix nach Guadalajara war. Berichten zufolge befand sich das Flugzeug bereits in der Phase des Zurückdrückens vom Gate, als ein Passagier eine Notrutsche auslöste. In einer Stellungnahme bestätigte Volaris, daß der Passagier einen mutmaßlichen „Angstanfall“ erlitten habe, der zu dem störenden Verhalten führte.
Die Besatzung konnte den Passagier, der ein Chaos an Bord verursachte, mithilfe eines anderen Fluggastes unter Kontrolle bringen. Die Behörden wurden benachrichtigt, der Flugbetrieb mußte sofort eingestellt werden. Die restlichen Passagiere wurden über die Fluggastbrücke evakuiert und mußten auf ein Ersatzflugzeug warten. Der Zwischenfall, der auf den ersten Blick wie ein Mißgeschick erscheint, hatte weitreichende Folgen. Die Reise, die ursprünglich nur ein kurzer Flug über die Grenze sein sollte, wurde für alle Beteiligten zu einem sechsstündigen Albtraum.
Die finanziellen und operativen Konsequenzen für die Airline
Die unbeabsichtigte Auslösung einer Notrutsche, in der Fachsprache als Inadvertent Slide Deployment (ISD) bezeichnet, ist für jede Fluggesellschaft ein äußerst kostspieliges Ereignis. Nach Angaben der International Air Transportation Association (IATA) können die Kosten für einen solchen Zwischenfall bis zu 200.000 US-Dollar betragen. Diese Summe setzt sich aus verschiedenen Posten zusammen: den Kosten für die sofortige Reparatur und das Wiedereinpacken der Rutsche durch zertifiziertes Personal, den Kosten für das Bereitstellen eines Ersatzflugzeugs und die damit verbundenen Mehrkosten für Treibstoff und Personal sowie den Kompensationen für die Passagiere, wie Essensgutscheine, Hotelunterkünfte oder Entschädigungszahlungen.
Für Volaris, eine sogenannte Ultra-Low-Cost-Carrier, die mit sehr knappen Margen arbeitet, ist ein solcher Vorfall besonders schmerzhaft. Die unmittelbaren Kosten werden durch den Imageschaden und den Vertrauensverlust bei den Kunden noch verschärft.
Die unsichtbare Epidemie: Störendes Verhalten von Passagieren nimmt zu
Der Vorfall auf dem Volaris-Flug 1883 ist kein Einzelfall. Die Federal Aviation Administration (FAA) verzeichnete in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg von Berichten über „unruly passengers“ (ungebührliche Passagiere). Allein im Sommer 2024 gab es über 915 gemeldete Fälle, darunter 106, die auf Alkoholeinfluß zurückzuführen waren. Die Spitze wurde im Jahr 2021 mit über 6.000 gemeldeten Zwischenfällen erreicht. Und auch im Jahr 2025 zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab.
Die Ursachen für dieses Phänomen sind vielfältig. Sie reichen von psychischen Problemen über Alkoholkonsum bis hin zu allgemeiner Reizbarkeit und Streß, die in der Enge einer Flugzeugkabine leicht eskalieren können. Die FAA hat die Bußgelder für solches Verhalten drastisch erhöht. Ein einziger Vorfall kann zu einer Geldstrafe von bis zu 43.658 US-Dollar pro Verstoß führen, verbunden mit einem lebenslangen Flugverbot bei der betroffenen Airline oder sogar einem Eintrag auf der nationalen Sperrliste. Auch wenn die Details im Fall des Volaris-Fluggastes noch nicht bekannt sind, ist es gewiß, daß die Behörden die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Menschliche Fehler versus vorsätzliche Sabotage: Die verschiedenen Ursachen für einen ISD
Ein unbeabsichtigtes Auslösen einer Notrutsche ist nicht immer die Schuld eines ungebührlichen Passagiers. In vielen Fällen sind solche Zwischenfälle auf menschliches Versagen der Besatzung oder auf einen technischen Defekt zurückzuführen. Flugbegleiter müssen oft mit den Tür-Mechanismen verschiedener Flugzeugmodelle vertraut sein, die sich in ihren Details unterscheiden.
Eine Verwechslung oder eine Ablenkung kann dazu führen, daß ein Flugbegleiter die Rutsche unbeabsichtigt auslöst, was oft als ein großes Versagen in den grundlegenden Pflichten angesehen wird. Im Januar 2025 gab es beispielsweise einen ähnlichen Vorfall bei British Airways und im selben Monat einen bei Delta Air Lines, bei dem die Rutsche eines Boeing 767-Flugzeuges versehentlich ausgelöst wurde. Im Fall von Volaris jedoch konnte die Fluggesellschaft schnell die Verantwortung dem Passagier zuschreiben, was die Crew entlastet, aber die operativen und finanziellen Konsequenzen nicht mindert.