Embraer 135 (Foto: Travelcoup).
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Zwischen Luxus und Linienflug: Wie Travelcoup mit Halb-Privatjets Europas Himmel erobern will

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Der schweizerische Virtual-Carrier Travelcoup setzt ihre aggressive Expansionsstrategie fort und festigt ihre Position in einem aufstrebenden Nischenmarkt. Das Unternehmen, das sich selbst als „virtueller Carrier“ bezeichnet, hat die Aufnahme eines zweiten semi-privat konfigurierten Regionaljets in die Flotte seiner Tochtergesellschaft Arcus Air angekündigt.

Der Schritt ist Teil einer langfristigen Strategie, eine neue Art des Reisens in Europa zu etablieren, die die Annehmlichkeiten eines Privatjets mit der Planbarkeit und Zugänglichkeit eines Linienfluges verbindet. Die jüngste Akquisition, eine Embraer ERJ 135, soll bereits in den kommenden Wochen in Betrieb genommen werden, was die Entschlossenheit des Unternehmens unterstreicht, in diesem hochkompetitiven Markt schnell zu wachsen. Die Expansion von Travelcoup ist ein Beispiel dafür, wie kleinere, innovative Akteure versuchen, eine Lücke zwischen dem Massenmarkt der Billigflieger und dem exklusiven Segment der Privatjets zu schließen.

Ein hybrides Modell: Die Strategie hinter dem „Semi-Privatjet“ Konzept

Das Geschäftsmodell von Travelcoup ist einzigartig. Es handelt sich um einen sogenannten „virtuellen Carrier“, was bedeutet, daß das Unternehmen selbst keine Flugzeuge besitzt oder betreibt. Stattdessen nutzt es das Air Operator’s Certificate (AOC) seiner Tochtergesellschaft Arcus Air aus Deutschland, um seine Flüge durchzuführen. Dies ermöglicht es Travelcoup, sich auf die Vermarktung, den Verkauf und die Kundenerfahrung zu konzentrieren, während die komplexen und regulatorisch anspruchsvollen Flugoperationen von einem lizenzierten Partner übernommen werden.

Der Reiz für die Kunden liegt in dem, was das Unternehmen als „Semi-Privatjet“-Erlebnis anbietet. Anstatt in großen Maschinen mit Hunderten von Passagieren zu fliegen, bietet Travelcoup Flüge in kleineren Regionaljets an, die für eine deutlich geringere Anzahl von Passagieren, in diesem Fall 16 bis 22, in einer luxuriösen Konfiguration umgebaut wurden. Dies ermöglicht ein schnelleres Boarding, eine intimere Atmosphäre an Bord und das Anfliegen von kleineren, oft weniger frequentierten Flughäfen. Für Reisende, die bereit sind, etwas mehr zu bezahlen, aber nicht die Kosten eines vollständigen Privatjets tragen wollen, füllt dieses Modell eine offensichtliche Marktlücke.

Flottenerweiterung und die Suche nach dem Wettbewerbsvorteil

Die jüngste Akquisition des Unternehmens, eine 25 Jahre alte Embraer ERJ 135, ist ein strategisch kluger Schachzug. Die Maschine, die bis vor kurzem unter dem AOC von Air Charter Scotland betrieben wurde, ist bereits auf das neue Erscheinungsbild umgerüstet worden und soll in Kürze in die Flotte von Arcus Air aufgenommen werden. Die Wahl des Flugzeugtyps, ein bewährtes und zuverlässiges Regionalflugzeug, ist ein wichtiger Aspekt des Geschäftsmodells. Obwohl die Jets nicht mehr die neuesten sind, sind sie in der Anschaffung und im Betrieb deutlich kostengünstiger als größere Langstreckenflugzeuge oder modernere Geschäftsreisejets. Dies ermöglicht es Travelcoup, seine Preisstruktur attraktiv zu gestalten.

Darüber hinaus hat das Unternehmen eine dritte Embraer ERJ erworben, eine ERJ 145, die derzeit in den Vereinigten Staaten umgerüstet wird und voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 in Betrieb gehen soll. Diese Maschine wird für bis zu 30 Passagiere konfiguriert, was die Flexibilität des Angebots von Travelcoup weiter erhöhen wird. Ein besonderer Wettbewerbsvorteil, den das Unternehmen ausnutzt, ist eine französische Luxussteuer, die größere Geschäftsreisejets betrifft. Die ERJ-Flotte von Travelcoup fällt unter die Größe, die von dieser Steuer ausgenommen ist, was dem Unternehmen einen klaren Vorteil auf dem lukrativen französischen Markt verschafft.

Die Rolle von Arcus Air: Der „virtuelle Carrier“ und sein operatives Rückgrat

Die Übernahme von Arcus Air Ende 2024 war ein grundlegender Schritt in der Strategie von Travelcoup. Mit der Übernahme erhielt das Unternehmen nicht nur ein eigenes AOC, sondern auch Zugang zur Expertise eines erfahrenen Betreibers von Geschäftsreisejets. Die Arcus Air-Flotte umfaßt neben den Embraer-Jets auch kleinere Maschinen wie die Phenom-Serie, die im privaten Chartergeschäft eingesetzt werden.

Die beiden Geschäftsmodelle ergänzen sich, da Arcus Air mit seinem traditionellen Chartergeschäft eine zweite Einnahmequelle erschließt. Das operative Know-how und die Wartungsbasis in Deutschland sind für Travelcoup unerläßlich, um sein Netzwerk von Linienflügen von Flughäfen wie Berlin, Düsseldorf und München zu Destinationen wie Ibiza, Nizza und Palma de Mallorca zu betreiben.

Operative Logistik und zukünftige Expansionspläne

Mit der wachsenden Flotte plant Travelcoup auch die Optimierung seiner operativen Abläufe. Im Winterflugplan sollen die Flüge, wann immer möglich, in München beginnen und enden. Dies ermöglicht es, die Rotationen mit einer einzigen Crew durchzuführen, was zu einer erheblichen Effizienzsteigerung und Kostensenkung führt. Die Wartung der Flotte wird an den Basen in München und Karlsruhe/Baden-Baden durchgeführt.

Zukünftig plant Travelcoup die Expansion über die Kernmärkte Deutschland und Schweiz hinaus. Die starke Nachfrage in Frankreich aufgrund der steuerlichen Vorteile ist ein klares Signal für die Richtung der Expansion. Es ist gewiß, daß das Unternehmen die Möglichkeit hat, weitere Routen nach und innerhalb Frankreichs, aber auch in anderen europäischen Ländern zu erschließen, die ähnliche Marktbedingungen aufweisen.

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