Boeing 737-300 (Foto: Anna Zvereva).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Gerichtskampf und Lizenzentzug: Maltesischer Charterflieger Maleth-Aero unter doppeltem Druck

Werbung

Der maltesische Charterflieger Maleth-Aero sieht sich derzeit mit einer Reihe von weitreichenden Herausforderungen konfrontiert, die seine operative und finanzielle Stabilität auf die Probe stellen. Im Zentrum der Geschehnisse steht eine andauernde juristische Auseinandersetzung mit dem Kreuzfahrtgiganten Carnival vor einem Londoner Handelsgericht.

Parallel dazu hat die kanadische Verkehrsbehörde die Charterlizenz des Unternehmens für Flüge von und nach Kanada ausgesetzt. Die beiden Entwicklungen werfen ein Schlaglicht auf die komplexen und oft unberechenbaren Risiken, die das Geschäft mit Luftcharterflügen mit sich bringt. Während Maleth-Aero sich gegen die Anschuldigungen eines der größten Akteure im Tourismus verteidigen muß, sieht es sich gleichzeitig mit dem Verlust eines wichtigen Marktes und dem Druck der Regulierungsbehörden konfrontiert. Es ist gewiß, daß der Ausgang der Auseinandersetzungen weitreichende Konsequenzen für das Unternehmen haben wird.

Ein Millionenzank vor Gericht: Die Kontroverse zwischen Maleth-Aero und Carnival

Die juristische Auseinandersetzung, die vor dem Londoner Circuit Commercial Court verhandelt wird, entstammt zwei Chartervereinbarungen, die im Juli 2023 für eine Reihe von Flügen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Karibik unterzeichnet wurden. Die Flüge wurden zwischen November 2023 und März 2024 durchgeführt. Der Streit entzündete sich an den Kosten. Carnival reichte die Klage ursprünglich ein, um 4 Millionen US-Dollar zurückzufordern, da das Unternehmen der Ansicht war, Maleth-Aero hätte überhöhte Gebühren für Verpflegung, alkoholische Getränke und weitere Ausgaben, die nicht im Vertrag vorgesehen waren, in Rechnung gestellt. Das Kreuzfahrtunternehmen behauptet zudem, 1,2 Millionen US-Dollar unter Zwang gezahlt zu haben, nachdem Maleth-Aero gedroht hatte, die Dienstleistungen einzustellen.

Im Gegenzug reichte die maltesische Fluggesellschaft eine Gegenklage ein, in der sie anfänglich 3,7 Millionen US-Dollar forderte und argumentierte, Carnival sei für unvorhergesehene Kosten verantwortlich. In den jüngsten Gerichtsdokumenten haben beide Seiten ihre Forderungen nun leicht angepasst: Carnival reduziert seine Klage auf 3,8 Millionen US-Dollar, während Maleth-Aero seine Gegenklage auf 2,8 Millionen US-Dollar senkt.Die Anpassungen könnten ein Signal für die Bereitschaft beider Parteien sein, sich einem möglichen Vergleich zu nähern, obwohl der Fall vorerst weiterläuft.

Die unvorhergesehenen Kosten: Eine Analyse der Charter-Finanzen

Die rechtliche Auseinandersetzung zwischen Maleth-Aero und Carnival wirft ein Schlaglicht auf die Komplexität und die finanziellen Risiken von Charterverträgen in der Luftfahrt. Im Gegensatz zu Linienflügen sind die Kosten für Charterflüge oft weniger vorhersehbar. Im Mittelpunkt der Klage von Maleth-Aero stehen sogenannte „unvorhergesehene Kosten“, zu denen, neben Catering und Gepäckgebühren, eine Flugumleitung im Dezember 2023 nach Bermuda zählt.

Eine solche Umleitung kann erhebliche Zusatzkosten verursachen: Landegebühren, Kosten für Treibstoff, neue Flugpläne und die Unterbringung der Crew, um die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten. Solche unvorhergesehenen Zwischenfälle können die Rentabilität eines Fluges schnell zunichtemachen. Maleth-Aero behauptet in seiner Gegenklage, Carnival sei durch seine Weigerung, diese Kosten zu übernehmen, ungerechtfertigt bereichert worden, während es der Fluggesellschaft entstandene Ausgaben vorenthalte. Ein weiterer Punkt in der Argumentation von Maleth-Aero ist der Verbleib einer Sicherheitskaution von mehr als 2 Millionen US-Dollar, die das Unternehmen von Carnival behalten hat und die die laufenden Zahlungen abdecken soll. Laut der Fluggesellschaft schulde der Kreuzfahrtriese ihr immer noch etwa 798.377 US-Dollar, wobei der Betrag täglich um 1.229 US-Dollar steige.

Ein schwerer Schlag in Nordamerika: Lizenzentzug in Kanada

Neben dem Gerichtskampf in London sieht sich Maleth-Aero auch mit einem schwerwiegenden operativen Rückschlag konfrontiert. Die kanadische Verkehrsbehörde (Canadian Transportation Agency) hat am 16. August die Charterlizenz des Unternehmens für Flüge zwischen Malta und Kanada suspendiert. Der Grund für die Suspendierung ist die ausstehende Erneuerung der Haftpflichtversicherung. Haftpflichtversicherungen sind in der Luftfahrtindustrie unerläßlich.

Sie schützen die Fluggesellschaft vor finanziellen Verlusten im Falle eines Unfalls und sind eine gesetzliche Voraussetzung für den Betrieb. Ohne eine gültige Versicherung darf kein Flugzeug abheben. Die kanadische Behörde gab Maleth-Aero ein Jahr Zeit, um die Versicherung zu erneuern. Sollte dies nicht geschehen, wird die Lizenz automatisch entzogen. Der Verlust des Zugangs zum kanadischen Markt ist ein herber Schlag für die maltesische Fluggesellschaft. Es schränkt ihre Fähigkeit ein, ihr operatives Geschäft aufrechtzuerhalten, und könnte die Einnahmen empfindlich schmälern.

Die doppelte Herausforderung: Ein Unternehmen im Kreuzfeuer

Die kombinierten Ereignisse stellen Maleth-Aero vor eine erhebliche Herausforderung. Der Gerichtskampf mit einem globalen Giganten wie Carnival erfordert nicht nur erhebliche juristische und finanzielle Ressourcen, sondern beeinflußt auch den Ruf des Unternehmens in der Branche. Die Anschuldigungen der ungerechtfertigten Bereicherung und der Zahlungen unter Zwang könnten zukünftige Geschäftspartner abschrecken.

Gleichzeitig steht die Suspendierung der kanadischen Lizenz exemplarisch für die Fragilität des operativen Geschäfts in der Luftfahrt. Ohne eine gültige Haftpflichtversicherung können keine Flüge durchgeführt werden, und das Vertrauen der Regulierungsbehörden muß erst wieder hergestellt werden. Die Situation könnte zudem die Verhandlungsposition von Maleth-Aero im Streit mit Carnival schwächen, da der Kreuzfahrtriese die finanziellen und operativen Schwierigkeiten der Fluggesellschaft als Argument nutzen könnte.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung