Mikojan-Gurewitsch MiG-29 (Foto: Marek Horák).
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Verwicklungen am Kaukasus: Ein russisches Kampfflugzeug beschädigt und die Zukunft der Militärpräsenz

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Am frühen Morgen des 24. August 2025 kam es in der armenischen Hauptstadt Eriwan zu einem ungewöhnlichen Zwischenfall, der weit über die bloße Meldung eines Transportschadens hinausreicht. Ein Kampfflugzeug vom Typ MiG-29A der russischen Luft- und Weltraumkräfte wurde während seiner Verlegung vom Militärflugplatz Erebuni beschädigt.

Lokale Berichte besagen, daß die starre Abschleppstange versagte, woraufhin die Maschine auf der Arschakunjats-Allee rückwärts in einen Metallpfosten und anschließend in einen Zaun rollte. Der Vorfall, der sich gegen 02:15 Uhr Ortszeit ereignete, zog keine Personenschäden nach sich, und die Verlegung konnte nach einer kurzen Unterbrechung fortgesetzt werden. Das Flugzeug mit der Kennung „15 Rot“ (RF-92181) wurde im Jahre 1989 gefertigt und ist seit langem dem russischen Luftwaffenstützpunkt in Erebuni zugeordnet. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die veränderte Dynamik der russischen Militärpräsenz in Armenien und die geopolitischen Spannungen in der Region.

Der Schaden an der MiG-29A ist, obwohl als geringfügig beschrieben, von symbolischer Bedeutung. Es scheint, daß die Maschine in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr aktiv im Einsatz war, da sie zuletzt im Jahre 2022 gesichtet wurde. Dies legt die Vermutung nahe, daß das Flugzeug im Zuge der schrittweisen Außerdienststellung älterer Modelle durch Rußland verlegt wurde. Die MiG-29A, eine frühe Variante dieses Kampfflugzeuges der vierten Generation, wird in der russischen Luftwaffe zunehmend durch modernere Plattformen wie die MiG-29SMT und die Su-30SM ersetzt. Der Vorfall in Eriwan ist somit nicht nur ein logistisches Mißgeschick, sondern auch ein Echo der Modernisierungsbestrebungen und der sich wandelnden strategischen Rolle der russischen Streitkräfte im Ausland.

Erebuni: Ein historischer Stützpunkt im Wandel

Der Militärflugplatz Erebuni nahe Eriwan ist seit Jahrzehnten ein zentraler Pfeiler der russischen Luftpräsenz in Armenien. Hier ist die 3624. Luftwaffenbasis stationiert, die neben Hubschraubereinheiten auch die MiG-29 betreibt. Die verbliebenen Maschinen auf diesem Stützpunkt gehören zu den letzten noch aktiven Originalmodellen dieses Typs im Dienst der russischen Streitkräfte. Dies unterstreicht die historische Bedeutung Erebunis als Außenposten. Die Stationierung russischer Truppen in Armenien basiert auf bilateralen Abkommen und hat eine lange Tradition, die bis in die Zeiten der Sowjetunion zurückreicht. Die zweite wichtige Säule dieser Präsenz ist die 102. Militärbasis in Gjumri, deren Mietvertrag im Jahre 2010 bis zum Jahre 2044 verlängert wurde.

Die geopolitische Landschaft um Armenien hat sich jedoch in den letzten Jahren dramatisch verändert. Die Spannungen in der Region haben zugenommen, insbesondere nach dem Konflikt um Bergkarabach und der Übernahme des Territoriums durch Aserbaidschan im vergangenen Jahr. Armenien hat seine Haltung gegenüber der russischen Militärpräsenz und der Rolle Rußlands als Schutzmacht in Frage gestellt.

Eine schwindende Allianz? Das armenisch-russische Verhältnis auf dem Prüfstand

Die politische Entwicklung der letzten Jahre hat eine Erosion der traditionell engen Beziehungen zwischen Eriwan und Moskau erkennen lassen. Im Februar 2024 erklärte der armenische Premierminister Nikol Paschinjan, daß sein Land die Teilnahme an der von Rußland geführten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) eingefroren habe. Paschinjan kritisierte die mangelnde Unterstützung der Organisation während der Grenzkonflikte. Dieses Vorgehen war ein klares Signal der Unzufriedenheit und der Suche Armeniens nach neuen sicherheitspolitischen Partnern.

Parallel dazu erfolgte im April 2024 der Rückzug der russischen Friedenstruppen aus Bergkarabach. Der Kreml bestätigte, daß die Truppen abgezogen würden, nachdem Aserbaidschan die Kontrolle über die Region wiederhergestellt hatte. Dieser Schritt, der im Gegensatz zur früheren Rolle Rußlands als Vermittler in der Region stand, wurde von vielen als weiterer Beweis für eine strategische Neuausrichtung Moskaus oder einer Schwächung seiner Position im Kaukasus gewertet.

Ein weiteres, bezeichnendes Ereignis fand im Juli 2024 statt, als Rußland auf Wunsch Armeniens seine Grenzsoldaten vom internationalen Flughafen Zvartnots in Eriwan abzog. Dieser Rückzug war ein deutliches Indiz für das wachsende armenische Streben nach mehr Souveränität und die Verringerung der russischen Einflußnahme auf innerarmenische Angelegenheiten.

Die Zukunft der russischen Militärpräsenz in Armenien

Der Vorfall mit der MiG-29 in Eriwan fügt sich in das Mosaik einer sich verändernden Realität. Obwohl der Vorfall selbst ein eher kurioses Mißgeschick ist, steht er in einem breiteren Kontext des schwindenden russischen Einflusses in Armenien. Während die 102. Militärbasis in Gjumri mit ihrem bis 2044 gültigen Pachtvertrag weiterhin ein Anker der russischen Präsenz bleibt, deuten die politischen und militärischen Entwicklungen darauf hin, daß die Rolle Rußlands in der Region neu bewertet wird.

Die armenische Regierung sucht aktiv nach Alternativen zur militärischen Partnerschaft mit Moskau. Dies könnte sich in einer verstärkten Zusammenarbeit mit westlichen Staaten oder regionalen Akteuren manifestieren. Beobachter sehen in der vorsichtigen Distanzierung Eriwans von Rußland eine Antwort auf die wahrgenommene Unzuverlässigkeit Moskaus als Schutzmacht.

Der Transport des alten Kampfflugzeugs mag eine reine logistische Operation gewesen sein, aber sie ereignete sich in einer Zeit, in der jede russische Militärbewegung in Armenien mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wird. Die beschädigte MiG-29 ist somit nicht nur ein Metallstück, sondern auch ein Symbol für die Spannungen und Unsicherheiten, die die Kaukasusregion gegenwärtig prägen. Die Zukunft der russischen Militärpräsenz in Armenien, einst ein fester Bestandteil der regionalen Sicherheitsarchitektur, ist zunehmend ungewiß.

Der Vorfall zeigt auch, daß die russischen Streitkräfte vor Ort mit technischen und logistischen Herausforderungen konfrontiert sind. Die Tatsache, daß eine einfache Verlegung zu einem Zwischenfall führt, wirft Fragen nach dem Zustand der Ausrüstung und den operativen Kapazitäten auf. Während Rußland seine Luftstreitkräfte modernisiert, scheinen ältere Modelle wie die MiG-29A am Ende ihrer Lebensdauer angelangt zu sein. Der Vorfall in Eriwan erinnert daran, daß die reale Welt der Militäroperationen von menschlichen und technischen Fehlern nicht unberührt bleibt.

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