Dertour Group in Frankfurt (Foto: DER Touristik).
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Wettbewerbskommission genehmigt Zusammenschluß von Dertour und Hotelplan

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Der Schweizer Reisemarkt steht vor einer bedeutenden Konsolidierung. Die Wettbewerbskommission (WEKO) hat dem geplanten Zusammenschluß der Reiseveranstalter Dertour und Hotelplan offiziell zugestimmt. In einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung gab die WEKO bekannt, daß die vertiefte Prüfung des Vorhabens ergeben habe, daß der Wettbewerb auf keinem der relevanten Märkte durch die Fusion beseitigt werde. Diese Entscheidung, die von der Branche mit Spannung erwartet wurde, ebnet den Weg für die Schaffung eines der größten Reiseanbieter im Lande und wird die Struktur des schweizerischen Reisegeschäfts maßgeblich verändern.

Die anfänglichen Bedenken der Wettbewerbshüter, die eine vertiefte Prüfung eingeleitet hatten, beruhten auf der Tatsache, daß Dertour und Hotelplan zwei der marktführenden Unternehmen in der Schweiz sind. Der Zusammenschluß führt zu erhöhten Konzentrationen und einer starken Marktpräsenz, insbesondere im Bereich der klassischen Reiseveranstalter. Nach sorgfältiger Analyse kam die WEKO jedoch zu dem Schluß, daß die Konsumenten auch nach der Fusion weiterhin eine Vielzahl an Buchungsmöglichkeiten haben und die Marktdynamik aufrecht erhalten bleibt.

Der Wandel der Buchungslandschaft

Die Entscheidung der WEKO spiegelt einen fundamentalen Wandel im Reiseverhalten der Konsumenten wider, der sich in den letzten Jahren beschleunigt hat. Die traditionelle Buchung über Reisebüros oder klassische Reiseveranstalter ist nicht mehr der einzige Weg, um eine Reise zu planen. Die WEKO hob in ihrer Begründung ausdrücklich hervor, daß Reisenden eine breite Palette an Alternativen zur Verfügung steht. Neben den Angeboten der klassischen Reiseveranstalter können Kunden zunehmend auf Online-Plattformen zurückgreifen oder ihre Reisen direkt bei Fluggesellschaften und Hotels buchen.

Die Wettbewerbskommission stellte fest, daß Reisende diese verschiedenen Kanäle aktiv nutzen und Preise sowie Angebote vergleichen. Diese Verhaltensweise der Konsumenten setzt die Anbieter unter einen ständigen Anpassungsdruck, da sie gezwungen sind, konkurrenzfähige Angebote zu unterbreiten, unabhängig von ihrer Größe. Die WEKO geht daher davon aus, daß die fusionierte Einheit aus Dertour und Hotelplan auch weiterhin dem Wettbewerbsdruck durch andere Reiseveranstalter und die stetig wachsende Zahl von Online-Anbietern ausgesetzt sein wird. Diese Einschätzung ist entscheidend für die Genehmigung und zeugt von der Flexibilität des modernen Reisemarktes.

Marktkonzentration und die Reaktionen der Branche

Der Zusammenschluß von Dertour, das zur deutschen Rewe-Gruppe gehört, und Hotelplan, einer Tochtergesellschaft der Migros, ist ein logischer Schritt in einem Markt, der von zunehmendem Kostendruck und Margenverfall geprägt ist. Globale Konzerne und Technologieunternehmen drängen mit aggressiven Preismodellen und innovativen Buchungsplattformen in den Markt. Die Fusion ermöglicht es den beiden Unternehmen, ihre Kräfte zu bündeln, Skaleneffekte zu erzielen und ihre Position im hart umkämpften Wettbewerb zu stärken. Durch die Zusammenführung von Vertriebsnetzen, IT-Systemen und Produktangeboten können sie ihre Effizienz steigern und eine breitere Palette an Reiseoptionen anbieten.

Die schweizerische Reisebranche hat auf die Ankündigung der WEKO mit gemischten Gefühlen reagiert. Während einige die Entscheidung als eine notwendige Konsolidierung sehen, um der globalen Konkurrenz Paroli bieten zu können, äußern andere Bedenken hinsichtlich einer möglichen Reduzierung der Vielfalt und des Preiswettbewerbs. Allerdings haben auch andere Branchenakteure in der Vergangenheit auf die veränderte Marktlage reagiert. So haben beispielsweise die deutschen Tourismuskonzerne TUI und FTI, die auch in der Schweiz aktiv sind, ihre Geschäftsmodelle in den letzten Jahren durch eine stärkere Digitalisierung und die Ausrichtung auf dynamische Reisepakete angepaßt. Auch die Schweizer TUI, die als direkter Konkurrent von Dertour und Hotelplan agiert, hat in ähnliche Konzepte investiert.

Auswirkungen auf das Verbraucherverhalten

Die Annahme der WEKO, daß die Vielfalt der Buchungskanäle den Wettbewerb sichert, wird von Experten weitgehend geteilt. Eine Studie des Schweizer Reise-Verbands (SRV) vom Februar 2025 zeigt, daß der Anteil der direkt online gebuchten Reisen in den letzten fünf Jahren um fast fünfzehn Prozentpunkte gestiegen ist. Die Verbraucher nutzen Vergleichsportale und Buchungsplattformen, um sich unabhängig über Flüge, Unterkünfte und Pauschalreisen zu informiren.

Diese Entwicklung hat dazu geführt, daß selbst große Reiseveranstalter wie Hotelplan und Dertour ihre Geschäftsmodelle anpassen mußten. Sie investieren massiv in ihre Online-Präsenz und bieten hybride Modelle an, die die Vorteile einer professionellen Beratung mit der Flexibilität der Online-Buchung verbinden. Diese Strategie wird nach dem Zusammenschluß vermutlich weiter verfolgt. Die Fusion könnte dazu führen, daß das neue Unternehmen seine Investitionen in digitale Technologien bündelt und so die Attraktivität seiner Angebote für eine digital versierte Kundschaft erhöht.

Der Schweizer Reisemarkt steht somit nicht vor einem Ende des Wettbewerbs, sondern vor einer Neuausrichtung. Die Genehmigung der WEKO ist ein Zeichen dafür, daß die Regulierungsbehörden die dynamische Entwicklung des Marktes anerkennen und die Vielfalt der Buchungsmöglichkeiten als ausreichend ansehen, um eine marktbeherrschende Stellung zu verhindern. Dertour und Hotelplan sind nun in der Lage, eine schlagkräftigere Einheit zu formen, die besser positioniert ist, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.

Die Fusion hat auch Auswirkungen auf die Beschäftigten. Die Zusammenlegung von Abteilungen und Standorten ist wahrscheinlich, auch wenn die genauen Details noch nicht bekannt sind. Die Integration der beiden Unternehmen wird eine komplexe Aufgabe sein, die sorgfältiger Planung bedarf. Der Zusammenschluß ist somit nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine strategische und organisatorische Entscheidung, die die Zukunft zweier traditionsreicher Unternehmen neu definieren wird.

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