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Globale Luftfrachtmärkte im Aufwind: Wachstum trotz regionaler Spannungen

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Der globale Luftfrachtmarkt hat im Juli 2025 ein solides Wachstum verzeichnet. Gemäss den jüngsten Daten der International Air Transport Association (IATA), dem Weltverband der Fluggesellschaften, stieg die Nachfrage, gemessen in Frachttonnenkilometern (CTK), um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Auch die Kapazität, ausgedrückt in verfügbaren Frachttonnenkilometern (ACTK), legte um 3,9 Prozent zu. Trotz dieser positiven Gesamtentwicklung zeigen sich jedoch deutliche regionale Unterschiede und eine markante Schwäche auf den wichtigsten Handelsrouten, die auf sich verändernde globale Handelsströme und die Unsicherheiten in der Handelspolitik zurückzuführen sind. Der wichtigste Handelskorridor, der zwischen Asien und Nordamerika, schwächelt, während andere Routen, insbesondere die zwischen Europa und Asien, ein robustes Wachstum verzeichnen.

Ein differenziertes Bild: Die Kluft zwischen globalem Wachstum und regionalen Schwächen

Die Veröffentlichung der IATA-Daten bietet einen differenzierten Einblick in die globale Konjunktur. Obwohl die Gesamtzahlen positiv sind, weisen die Details auf eine komplexe Marktdynamik hin. Der IATA-Generaldirektor Willie Walsh bezeichnete das Ergebnis im Juli als „stark“, wies aber gleichzeitig auf die bemerkenswerte Ausnahme hin: Die Nachfrage auf der Handelsroute Asien-Nordamerika ging im Jahresvergleich um 1,0 Prozent zurück. Dieser Rückgang, der bereits den dritten Monat in Folge zu verzeichnen ist, steht in scharfem Kontrast zur starken Leistung auf fast allen anderen wichtigen Routen. Der Rückgang der Nachfrage auf dem Asien-Nordamerika-Korridor, der mit einem Anteil von 24,4 Prozent an den gesamten CTKs des Jahres 2024 die grösste Handelsroute ist, dämpft die positiven Effekte des Wachstums auf anderen Strecken erheblich.

Diese Entwicklung unterstreicht, daß der Luftfrachtmarkt ein sensibler Indikator für die globale Handelsaktivität ist. Er reagiert nicht nur auf allgemeine Nachfragetrends, sondern auch auf spezifische politische und wirtschaftliche Entwicklungen. Die Diskrepanz zwischen der Leistung des asiatisch-nordamerikanischen Marktes und der anderer Korridore, wie etwa der Europa-Asien-Route, die ein beeindruckendes Wachstum von 13,5 Prozent verzeichnete, ist ein zentrales Thema. Das Wachstum auf dieser Route hält nun schon seit 29 aufeinanderfolgenden Monaten an und spiegelt die Stärke der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Kontinenten wider. Die Dynamik auf den Handelsrouten des Nahen Ostens und innerhalb Asiens ist ebenfalls stabil und positiv.

Die US-Handelspolitik im Brennpunkt: Das Rätsel des E-Commerce-Rückgangs

Der Rückgang der Nachfrage auf dem Asien-Nordamerika-Korridor wird laut IATA durch mehrere Faktoren beeinflusst, allen voran die Unsicherheiten in der US-Handelspolitik. Ein Hauptgrund ist das Auslaufen der sogenannten De-minimis-Ausnahmeregelungen. Diese Vorschriften erlaubten es, Kleinsendungen bis zu einem bestimmten Wert zollfrei und ohne umfassende Prüfung in die Vereinigten Staaten einzuführen. Diese Regelung hat in den letzten Jahren das Wachstum des grenzüberschreitenden E-Commerce, insbesondere von in Asien produzierten Waren, massgeblich vorangetrieben. Das Auslaufen der Ausnahmeregelungen und die damit verbundenen höheren Kosten und strengeren Kontrollen haben den Luftfrachtverkehr für diese Art von Sendungen drastisch reduziert.

Ein weiterer Faktor ist das sogenannte Forward Loading, also das Vorziehen von Warenlieferungen, um von drohenden Zollerhöhungen der US-Regierung zu profitieren. Viele Versender haben ihre Waren bereits in den Vormonaten auf den Weg gebracht, um den erwarteten Zöllen für Importe in die USA zu entgehen. Dies könnte die Nachfrage in den Monaten vor Juli künstlich erhöht haben und nun zu einem abrupten Rückgang führen. Der August wird voraussichtlich einen noch deutlicheren Einblick in die langfristigen Auswirkungen dieser Handelspolitik geben. Die Zurückhaltung in der globalen Produktion, die sich im Einkaufsmanagerindex (PMI) widerspiegelt, trägt ebenfalls zur Unsicherheit bei. Der globale PMI fiel im Juli auf 49,66, zum zweiten Mal in diesem Jahr unter die 50-Punkte-Marke, was auf eine weltweite Schrumpfung der Produktion hinweist. Auch die Zahl der neuen Exportaufträge blieb zum vierten Monat in Folge negativ.

Europas Rolle als stabiles Drehkreuz: Robustes Wachstum auf den Schlüsselrouten

Im Gegensatz zur schwachen Leistung auf dem transatlantischen Pazifikkorridor zeigt sich der europäische Luftfrachtmarkt als ein stabiles und verlässliches Segment. Die Nachfrage der europäischen Fluggesellschaften stieg im Juli um 4,1 Prozent, während die Kapazität im gleichen Masse wuchs, was auf eine gesunde Auslastung hindeutet. Entscheidend ist die Stärke der Handelsrouten, die Europa mit Asien und Nordamerika verbinden. Die Route Europa-Asien verzeichnete mit 13,5 Prozent das stärkste Wachstum aller wichtigen Korridore und unterstreicht die tiefe wirtschaftliche Integration und den anhaltenden Handelsaustausch zwischen den beiden Kontinenten. Auch der Korridor Nordamerika-Europa zeigte sich mit einem Wachstum von 9,6 Prozent robust, was die anhaltende Bedeutung des transatlantischen Handels widerspiegelt. Die europäischen Fluggesellschaften profitieren von diesen stabilen und wachsenden Handelsbeziehungen und können die Schwäche auf anderen Märkten teilweise ausgleichen.

Regionale Dynamik: Afrika als Wachstumsmotor mit Kapazitätsengpässen

Ein genauerer Blick auf die regionalen Daten offenbart weitere bemerkenswerte Entwicklungen. Der asiatisch-pazifische Raum, der mit einem Weltanteil von 34,2 Prozent der grösste Luftfrachtmarkt ist, verzeichnete mit einem Nachfragewachstum von 11,1 Prozent den stärksten Anstieg aller Regionen. Dies bestätigt die Rolle der Region als globaler Wachstumsmotor. Auch die Nachfrage auf den Routen innerhalb Asiens und zwischen Asien und dem Nahen Osten wächst weiterhin stark.

Besonders hervorzuheben ist auch die Leistung der afrikanischen Fluggesellschaften, die ein robustes Nachfragewachstum von 9,4 Prozent verzeichneten. Die Kapazität ging im gleichen Zeitraum jedoch um 0,1 Prozent zurück, was auf eine deutlich gestiegene Auslastung hinweist. Die Handelsroute zwischen Afrika und Asien wuchs sogar um beeindruckende 12,1 Prozent und zeigt die zunehmende Bedeutung der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Kontinenten. Lateinamerika verzeichnete ein moderates Wachstum von 2,4 Prozent, während die Fluggesellschaften im Nahen Osten mit einem Anstieg von 2,6 Prozent hinter den anderen Regionen zurückblieben, obwohl ihre Kapazität stark wuchs.

Betriebswirtschaftliche Faktoren: Treibstoffkosten und Marktvertrauen

Neben den Handelsströmen spielen auch betriebswirtschaftliche Faktoren eine wichtige Rolle für die Fluggesellschaften. Die Treibstoffpreise sind dabei ein entscheidender Kostenfaktor. Positiv für die Fluggesellschaften wirkte sich aus, daß der weltweite Kerosinpreis im Juli um 9,1 Prozent niedriger war als im Vorjahr. Dies senkte die Betriebskosten der Airlines und trug zur Verbesserung der Profitabilität bei. Allerdings stieg der Preis im Vergleich zum Vormonat Juni um 4,3 Prozent, was die Volatilität des Marktes widerspiegelt. Das allgemeine Geschäftsklima und das Vertrauen in die Wirtschaft, gemessen am PMI und an den Exportaufträgen, sind weiterhin unsicher. Dies könnte die Nachfrage in den kommenden Monaten weiter dämpfen.

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