Die niederländische Fluggesellschaft KLM ist am Mittwoch, den 10. September 2025, gezwungen, mehr als 100 Flüge zu annullieren. Der Grund hierfür ist ein geplanter, zweistündiger Streik des Bodenpersonals. Von der Arbeitsniederlegung, die am Vormittag stattfinden soll, sind nach Angaben eines Sprechers der Fluggesellschaft rund 27.000 Passagiere betroffen.
Obwohl KLM kürzlich eine Vereinbarung mit einigen Arbeitnehmervertretungen erzielt hat, setzen zwei Gewerkschaften ihre Proteste fort, da die Tarifverhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag noch nicht abgeschlossen sind. Die Ankündigung der Streiks unterstreicht die angespannten Arbeitsbeziehungen in der europäischen Luftfahrtbranche, die in den vergangenen Monaten immer wieder mit Ausständen und daraus resultierenden weitreichenden Verspätungen und Annullierungen konfrontiert war.
Hintergründe der Arbeitsniederlegung: Uneinigkeit bei Tarifverhandlungen
Der Streik des KLM-Bodenpersonals ist das Ergebnis andauernder Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag. Während KLM in der vergangenen Woche eine Einigung mit drei Gewerkschaften (NVLT, VKP und De Unie) erzielen konnte, haben die beiden Gewerkschaften FNV und CNV die Vereinbarung abgelehnt. Sie sehen die vorgeschlagenen Bedingungen, die eine Lohnerhöhung von 1% ab Oktober und weitere 1,25% ab Juli 2026 sowie eine Einmalzahlung von 750 Euro vorsehen, als unzureichend an. Die Gewerkschaften fordern eine höhere Lohnerhöhung, die die steigenden Lebenshaltungskosten ausgleicht und die Kaufkraft der Mitarbeiter sichert. Zudem verlangen sie ein „Schwerarbeitsprogramm“ für Mitarbeiter in körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten sowie mehr Festanstellungen, um die Arbeitsplatzsicherheit zu erhöhen.
Die geplante Arbeitsniederlegung am Mittwoch von 8 bis 10 Uhr morgens ist ein Signal an die Geschäftsführung, die Forderungen der FNV und CNV ernst zu nehmen. Zudem haben die Gewerkschaften eine weitere, vierstündige Arbeitsniederlegung für den 17. September in den Morgenstunden angekündigt, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Streiks sind der Höhepunkt einer seit längerem schwelenden Auseinandersetzung. Bereits im Juli war ein geplanter, achtstündiger Streik des KLM-Bodenpersonals durch ein Gerichtsurteil blockiert worden. Das Gericht gab den Bedenken der Airline Recht, daß ein so langer Streik zu inakzeptablen Sicherheitsrisiken und erheblichen Störungen des Flugbetriebs führen würde. Die Richter gaben jedoch zu verstehen, daß Streiks in kleinerem Umfang durchaus zulässig seien. Dies ebnete den Weg für die aktuellen, kürzeren Ausstände.
Die Situation bei KLM ist exemplarisch für die Spannungen in der europäischen Luftfahrtindustrie. Nach den finanziellen Belastungen durch die Pandemie und dem massiven Stellenabbau in den vergangenen Jahren sehen sich die Fluggesellschaften mit Forderungen ihrer Mitarbeiter konfrontiert, die eine faire Vergütung und bessere Arbeitsbedingungen in einer Phase des steigenden Reiseaufkommens verlangen.
Die Auswirkungen auf den Flugverkehr: Dominoeffekte im globalen Netz
Die Annullierung von 100 Flügen stellt für KLM eine erhebliche operative Herausforderung dar. Die Fluggesellschaft hat angekündigt, daß betroffene Passagiere automatisch auf alternative Flüge umgebucht werden. Allerdings kann der Streik weitreichende Konsequenzen haben, da sich Verspätungen und Annullierungen über das gesamte Netzwerk der Fluggesellschaft ausbreiten können. Der Flugverkehr an großen Drehkreuzen wie dem Flughafen Amsterdam Schiphol ist ein komplexes und fragiles System. Wenn ein Teil des Systems – in diesem Fall die Bodenabfertigung – ausfällt, kann dies zu weitreichenden Verzögerungen führen, die sich über Stunden oder sogar Tage hinweg auswirken.
Der Ausstand des Bodenpersonals wirkt sich nicht nur auf die KLM-Flüge aus. Da die Fluggesellschaft in der Regel auch Bodenabfertigungsdienste für andere Airlines anbietet, können auch die Flüge von Partnergesellschaften betroffen sein. Die Ankündigung des Streiks hat daher bei vielen Reisenden, die für Mittwoch Flüge über Amsterdam gebucht haben, Unsicherheit ausgelöst. Die Situation ist bezeichnend für die angespannte Lage in der europäischen Luftfahrt in diesem Sommer. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Arbeitsausständen, die den Flugverkehr auf dem ganzen Kontinent beeinträchtigten. So mußte beispielsweise die Billigfluggesellschaft Ryanair im Juli Verbindungen wegen eines Streiks der französischen Fluglotsen streichen. Diese regelmäßigen Störungen sind eine Belastungsprobe für Fluggesellschaften und Passagiere.
Zukunftsaussichten und die Rolle der Gewerkschaften
Der Konflikt bei KLM ist noch nicht beigelegt. Solange die Gewerkschaften FNV und CNV nicht in die Vereinbarung einbezogen sind, besteht das Risiko weiterer Streiks. FNV und CNV machen deutlich, daß sie die Verhandlungen fortsetzen wollen, um eine faire Lösung zu finden. Sie betonen, daß Streiks für die Arbeitnehmer ein letztes Mittel sind, da sie während der Arbeitsniederlegungen einen Teil ihres Einkommens verlieren. Nur Gewerkschaftsmitglieder erhalten in der Regel eine teilweise Entschädigung aus den Streikkassen.
Die Fluggesellschaft KLM hat das Scheitern der Verhandlungen mit den beiden Gewerkschaften bedauert und die fortgesetzten Streiks als unnötig bezeichnet, da bereits eine Einigung mit anderen Arbeitnehmervertretungen erzielt wurde. Miriam Kartman, die Chief People Officer von KLM, betonte in der Vergangenheit, daß die Fluggesellschaft trotz der finanziellen Herausforderungen die Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigen wolle. Dennoch bleibt die Kluft zwischen den Forderungen der Gewerkschaften und den Angeboten der Geschäftsleitung bestehen.
Die Auseinandersetzungen zwischen den Fluggesellschaften und den Gewerkschaften verdeutlichen die schwierige Balance zwischen der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in einem hart umkämpften Markt und der Wahrung der Interessen der Arbeitnehmer. In einem Umfeld, in dem die Passagierzahlen wieder steigen, sehen die Arbeitnehmer die Chance, die Löhne und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Fluggesellschaften hingegen müssen die Kosten kontrollieren, um profitabel zu bleiben. Der Konflikt bei KLM ist ein Beispiel dafür, wie sich diese Spannungen in der Praxis manifestieren und den Flugverkehr in ganz Europa beeinträchtigen können. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob KLM und die verbleibenden Gewerkschaften eine Lösung finden, um weitere Störungen zu vermeiden.