Historische Aufnahme (Foto: Costa).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Kreuzfahrtbranche im Spannungsfeld zwischen ersten Schritten und mangelnder Veränderung

Werbung

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat mit der Veröffentlichung seines aktuellen Kreuzfahrtrankings eine differenzierte Bilanz der Branche gezogen. Während einzelne Reedereien erste positive Entwicklungen zeigen, bleibt der umfassende Wandel zu modernen Antriebstechnologien und die Abkehr von althergebrachten Praktiken nach Ansicht der Umweltexperten weiterhin unzureichend.

Der NABU kritisiert in seinem Bericht insbesondere die fortgesetzte Abhängigkeit von Schweröl und das mangelhafte Engagement bei der Einführung von synthetischen Kraftstoffen. Obwohl der Verband einige „vorbildliche Schritte“ lobt, fehlt es an einem konsequenten Kurswechsel, der die Branche in eine neue Ära führen würde. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, daß ein Großteil der Schiffe weiterhin mit herkömmlichen Treibstoffen betrieben wird, während die Investitionen in fortschrittliche Technologien die Ausnahme bleiben.

Schweröl: Ein hartnäckiges Erbe der Seefahrt

Ein zentraler Kritikpunkt des NABU-Rankings ist die weiterhin weit verbreitete Nutzung von Schweröl. Dieser hochviskose und schmutzige Treibstoff, ein Rückstand aus der Erdölraffination, ist für seine negativen Auswirkungen auf die Umwelt bekannt. Die Untersuchung zeigt, daß nur vier der bewerteten Reedereien den Einsatz von Schweröl vollständig ausgeschlossen haben. Der Großteil der Kreuzfahrtflotte ist nach wie vor auf diesen Treibstoff angewiesen. Viele Unternehmen setzen zudem auf sogenannte Abgaswäscher, die als Übergangslösung zur Reduzierung von Schwefelemissionen dienen sollen. Der NABU bemängelt, daß diese Wäscher die Schadstoffe nicht eliminieren, sondern sie stattdessen in das Meerwasser leiten, was zu einer zusätzlichen Belastung der marinen Ökosysteme führt.

Der Verband unterstreicht, daß die Kreuzfahrtbranche in diesem Punkt hinter den Erwartungen zurückbleibt. Zwar werden neue Schiffe mit Technologien wie LNG (Liquefied Natural Gas) oder auch Flüssiggas gebaut, doch der NABU sieht darin keinen ausreichenden Schritt nach vorn, da diese fossilen Kraftstoffe ebenfalls aus Erdgas gewonnen werden und die Methanemissionen beim Betrieb zu einer zusätzlichen Belastung führen können.

Der schleppende Wandel bei alternativen Antrieben

Ein weiterer Schwerpunkt der Kritik ist das zögerliche Vorgehen der Branche bei der Umstellung auf alternative Kraftstoffe. Synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, die aus erneuerbaren Energien hergestellt werden, könnten einen entscheidenden Beitrag zur Verringerung der Emissionen leisten. Laut dem NABU-Bericht sind jedoch kaum Fortschritte bei ihrer Entwicklung und Nutzung erkennbar. Stattdessen setzten viele Reedereien auf Biokraftstoffe, deren Herstellung und Herkunft oftmals mit einer zweifelhaften Bilanz behaftet sind. Der Experte für Schifffahrt beim NABU, Sönke Diesener, kritisiert: „Wirklich mutige Investitionen – etwa in methanolfähige Neubauten – bleiben bislang die Ausnahme.“

Einzelne Reedereien, die im Ranking gut abschnitten, wie Havila und Hurtigruten, verfolgen Ansätze, die über den Branchenstandard hinausgehen. Sie setzen auf den Einsatz von Landstrom, um die Motoren im Hafen abzuschalten, sowie auf Schiffe, die mit Batterien ausgestattet sind und auf kürzeren Strecken elektrisch betrieben werden können. Ponant wird ebenfalls gelobt für seine Bestrebungen. Die Reederei ist bestrebt, auf ihrer neuen Expeditionsyacht Le Commandant Charcot den Einsatz von LNG zu minimieren und stattdessen mit Batteriestrom und Biokraftstoffen zu arbeiten.

Trotz dieser positiven Beispiele kritisiert der NABU, daß keine der bewerteten Reedereien flächendeckend wirksame Maßnahmen umsetze, um die Schifffahrt konsequent auf eine modernere Grundlage zu stellen. Die Verbandsvertreter sehen die Dringlichkeit für einen weitreichenden Wandel, der über einzelne Projekte hinausgeht und die gesamte Flotte umfaßt.

Politische Vorgaben als notwendiger Impuls

Der NABU fordert in seinem Bericht klare politische Vorgaben und verbindliche Maßnahmen, um den Ausstieg aus fossilen Treibstoffen zu beschleunigen. Da die Selbstverpflichtungen der Branche nicht ausreichen, um den erforderlichen Wandel herbeizuführen, sei eine Regulierung durch die Politik unerläßlich. Diese Maßnahmen könnten beispielsweise eine Ausweitung von Emissionshandelssystemen, strengere Grenzwerte für Luftschadstoffe oder eine Besteuerung fossiler Schiffskraftstoffe umfassen.

Die Kreuzfahrtindustrie steht vor einem komplexen Dilemma. Der Bau neuer Schiffe ist mit hohen Investitionen verbunden, und die Umstellung auf neue Treibstoffe erfordert eine entsprechende Infrastruktur an den Häfen, die oft noch nicht vorhanden ist. Die Branche argumentiert, daß eine schnelle und vollständige Abkehr von konventionellen Kraftstoffen unrealistisch sei und nur schrittweise erfolgen könne.

Der NABU hält dem entgegen, daß die Technologie bereits existiert und es an der Bereitschaft fehle, diese konsequent einzusetzen. Die Forderungen des Verbands zielen darauf ab, eine glaubwürdige Transformation herbeizuführen, die nicht nur vereinzelte Schiffe, sondern die gesamte Kreuzfahrtflotte umfaßt. Der aktuelle Ranking-Bericht dient als Mahnung, daß die Branche trotz einiger erster Schritte noch einen weiten Weg vor sich hat, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.

Werbung

1 Comment

  • Herbie , 15. September 2025 @ 13:46

    Auch AIDA verwendet auf allen 11 Schiffen Landstrom, solange die Schiffe in einem Hafen liegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung