Boeing 787-9 (Foto: Lufthansa).
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Expansion des Premiumangebots: Lufthansa weitet „Allegris“ auf Drehkreuz Frankfurt aus

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Mit dem gestrigen Erstflug von Frankfurt nach Toronto beginnt die zweite wichtige Phase in der Einführung des neuen LangstreckenproduktesAllegris“ der Lufthansa. Die Fluggesellschaft bringt die hochmoderne Kabinenausstattung damit von ihrem bisherigen Startpunkt München an ihr größtes Drehkreuz und unterstreicht damit ihren Premiumanspruch im internationalen Luftverkehr.

Eingesetzt werden auf den neuen Routen werksneue Flugzeuge des Typs Boeing 787-9 Dreamliner. Neben Toronto stehen ab dem Winterflugplan 2025/2026 weitere attraktive internationale Ziele auf dem Programm, darunter Rio de Janeiro, die kolumbianische Hauptstadt Bogotá, das indische Hyderabad und voraussichtlich ab Dezember auch Austin in Texas. Die Einführung in Frankfurt markiert einen entscheidenden Schritt in einem milliardenschweren Investitionsprogramm der Lufthansa Group zur Modernisierung ihrer gesamten Langstreckenflotte.

Eine neue Ära des Fliegens: Der Start in Frankfurt

Die Stimmung in den Kreisen der Lufthansa ist positiv. Seit Mai 2024 ist das „Allegris“-Produkt bereits erfolgreich ab dem Hub München auf ausgewählten Airbus A350-900-Flügen im Einsatz und wird, den Angaben des Unternehmens zufolge, von den Passagieren mit großer Zufriedenheit angenommen. Über eine halbe Million Fluggäste hätten das neue Sitzkonzept in allen Reiseklassen bereits erlebt, wobei sich deutlich über 90 Prozent begeistert geäußert hätten.

Die heutige Erweiterung nach Frankfurt, das wichtigste Drehkreuz der Airline, ist nicht nur ein logistischer, sondern auch ein strategischer Meilenstein. Francesco Sciortino, Hub Manager Frankfurt von Lufthansa Airlines, betonte die Bedeutung der Erweiterung: „Wir freuen uns, dass wir künftig auch unseren Fluggästen ab Frankfurt mit „Allegris“ unser neuestes und deutlich aufgewertetes Reiseerlebnis auf Langstreckenflügen anbieten können.“

Die Entscheidung, die Boeing 787-9 für die neuen Frankfurter Routen zu nutzen, geht mit einer klaren Botschaft an den Markt einher. Die neuen Dreamliner verfügen über eine Drei-Klassen-Konfiguration, die Business Class, Premium Economy Class und Economy Class umfasst. Im Gegensatz zu den Airbus A350, die von München aus fliegen und teilweise bereits über die neue First Class Suite verfügen, wird die First Class in den ersten 787-9 Maschinen zunächst nicht angeboten. Experten weisen darauf hin, dass die 787-9, bekannt für ihre großen Fenster und das angenehmere Raumklima, dennoch einen spürbaren Komfortgewinn für Passagiere bietet.

Die Allegris-Kabine im Detail: Mehr Optionen und Individualität

Die Kernidee hinter „Allegris“ ist es, Fluggästen in jeder Reiseklasse eine höhere Auswahl und Individualität zu bieten. Die Lufthansa Group investiert bis 2025 insgesamt 2,5 Milliarden Euro in Produkt– und Serviceverbesserungen, was die größte derartige Maßnahme in der Geschichte der Airline darstellt. Insgesamt sollen rund 80 neue Langstreckenmaschinen und zusätzlich die vorhandenen Boeing 747-8 mit den neuen Kabinen ausgestattet werden.

Business Class: Die Vielfalt der Sitzkonzepte

Die Business Class erfährt die wohl radikalste Veränderung und bietet eine bisher unerreichte Auswahl an Sitzvarianten, die je nach Bedürfnis gebucht werden können.

  • Suiten in der ersten Reihe: Diese bieten im Innenbereich eine Doppel-Suite und am Fenster Einzel-Suiten, jeweils mit blickdichten, hohen Wänden und verschließbaren Türen für ein Höchstmaß an Privatsphäre.
  • Extra-Space-Seat: Ein geräumiger Einzelsitz mit einer zusätzlichen Arbeitsfläche.
  • Sitz mit extra langem Bett: Mit einer Länge von bis zu 2,20 Metern bietet dieser Sitz besonders großen Fluggästen Komfort.
  • Fensterplatz mit hohem Grad an Privatsphäre: Ein klassischer Fenstersitz mit besserer Abschirmung zum Gang.
  • Classic Business Class Sitz: Der Standard-Sitz, von dem aus der Gang direkt erreichbar ist.

Besondere Merkmale sind die Sitzheizung und -kühlung, die laut Lufthansa in Zusammenarbeit mit einem Schweizer Unternehmen entwickelt wurde, sowie induktives Laden und die Möglichkeit, private Geräte über Bluetooth mit dem Entertainment-System zu verbinden.

Premium Economy und Economy Class: Aufwertung für alle

Auch die Economy- und Premium Economy-Klassen profitieren von der qualitativen Aufwertung.

  • Die Premium Economy Class verfügt über einen modernen, in eine Hartschale integrierten Sitz, wodurch das Verstellen der Rückenlehne keine Auswirkungen auf den Hintermann hat. Der Sitzabstand wurde auf 99 Zentimeter vergrößert.
  • In der Economy Class können Fluggäste künftig Sitze in den ersten Reihen mit mehr Beinfreiheit buchen (86 Zentimeter Sitzabstand im Gegensatz zu 79 Zentimetern im Standardbereich). Zudem besteht die Möglichkeit, gegen Aufpreis einen freien Nachbarsitz hinzuzubuchen.

Das neue Streckennetz und die Herausforderungen der Umstellung

Die Erweiterung des „Allegris“-Angebots von Frankfurt ist im Winterflugplan 2025/2026 fest verankert und umfasst attraktive Destinationen auf drei Kontinenten.

StartflughafenZielFlugzeugtypStart des Allegris-EinsatzesBesonderheit
FrankfurtToronto (YYZ), KanadaBoeing 787-9Oktober 2025ohne First Class
FrankfurtRio de Janeiro (GIG), BrasilienBoeing 787-9ab 31. Oktober 2025ohne First Class
FrankfurtHyderabad (HYD), IndienBoeing 787-9ab 2. November 2025ohne First Class
FrankfurtBogotá (BOG), KolumbienBoeing 787-9Winterflugplan 2025/2026ohne First Class
FrankfurtAustin (AUS), USABoeing 787-9ab 2. Dezember 2025ohne First Class

Parallel dazu werden vom Hub München aus weiterhin Ziele wie Chicago, San Diego, Shanghai und neu im Winterflugplan auch Kapstadt, Miami und Tokio Haneda mit Allegris-ausgestatteten Airbus A350 bedient.

Die große Herausforderung für Lufthansa liegt in der Gewährleistung der Produktkonsistenz. Da die Umrüstung der gesamten Langstreckenflotte ein mehrjähriger Prozess ist und Neuauslieferungen schrittweise erfolgen, bleibt „Allegris“ im Flugplan vorerst die Ausnahme und nicht die Regel. Passagiere müssen bei der Buchung weiterhin auf die expliziteAllegris“-Kennzeichnung achten, da auf manchen Routen nicht jede Rotation mit der neuen Kabine bedient werden kann. Zudem hat es bei der Einführung der Business Class Sitze für die Boeing 787-9 Probleme mit der Zertifizierung durch die US-Luftfahrtbehörde gegeben, was die Auslieferung verzögerte und zur initialen Drei-Klassen-Konfiguration führte.

Erste Passagier-Resonanz und Kritikpunkte

Die positive Bilanz der Lufthansa, die von über 90 Prozent begeisterten Fluggästen spricht, spiegelt sich in vielen initialen Erfahrungen wider. Die hohe Privatsphäre in den Suiten und die moderne Technik werden gelobt. Das Bett in der Business Class wird als sehr bequem und die Liegefläche in den Suiten als uneingeschränkt bewertet. Das neue Beleuchtungskonzept, das zur Verringerung des Jetlags beitragen soll, findet ebenfalls Anklang.

Allerdings gibt es auch konstruktive Kritikpunkte, die die Einführungsphase begleiten. Einige Passagiere merkten an, dass das Inflight Entertainment System noch nicht vollständig ausgereift sei. Auch das W-LAN wurde als langsam oder teils ausfallend beschrieben. Zudem wurde die Verfügbarkeit von Doppelsitzen für Reisende mit Begleitung in der Business Class als zu gering empfunden. In der First Class gab es Berichte über fehlenden Stauraum für Handgepäck in der Suite und Verbesserungswünsche bei der Getränkeauswahl und der Anrichteweise der Speisen.

Trotz dieser Anlaufschwierigkeiten sieht die Lufthansa Group das ProjektAllegris“ als notwendigen Schritt, um im hart umkämpften internationalen Premium-Segment aufzuholen und Maßstäbe zu setzen. Das Ziel ist es, nicht nur Kunden zufriedenzustellen, sondern sie durch ein individuelles und hochwertiges Reiseerlebnis langfristig an die Airline zu binden. Mit der Expansion nach Frankfurt wird das aufgewertete Produkt nun einem deutlich größeren Kundenkreis zugänglich gemacht.

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