Die Flämische Investitionsgesellschaft PMV (Participatiemaatschappij Vlaanderen) hat die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung am Brüsseler Flughafen (Brussels Airport Company) erfolgreich abgeschlossen. Nach Zustimmung der Belgischen Wettbewerbsbehörde (BCA) erwirbt der flämische Staatsfonds einen wirtschaftlichen Anteil von 39 Prozent an der Flughafenbetreibergesellschaft. Damit steigt Flandern zum größten einzelnen Anteilseigner auf und übertrifft die bisherige 25-Prozent-Beteiligung der belgischen föderalen Regierung.
Die Akquisition erfolgte durch den Kauf der indirekten Anteile vom kanadischen Pensionsfonds Ontario Teachers’ Pension Plan (OTPP) für eine kolportierte Summe von 2,77 Milliarden Euro. Die PMV sicherte sich damit einen 52-prozentigen Anteil an der BAISA, dem privaten Konsortium, welches 75 Prozent des Flughafengesellschaftskapitals hält. Der flämische Ministerpräsident Matthias Diependaele bezeichnete die Transaktion als strategische Investition, die Flandern strukturellen Einfluss und Zugang zu Dividenden sichere, da der Flughafen als wichtige regionale Wirtschaftskraft gilt. Die BCA genehmigte das Geschäft in einem vereinfachten Verfahren, da keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken festgestellt wurden.
Die Verschiebung der Machtverhältnisse bei der wichtigsten nationalen Infrastruktur hat in Belgien, das traditionell von regionalen Spannungen geprägt ist, sofort politische Reaktionen ausgelöst. Die Regionalregierung Flanderns begrüßte den Zug, der ihre Position im belgischen Föderalstaat stärkt. Dagegen äußerte sich der wallonische Ministerpräsident Adrien Dolimont besorgt über die Implikationen und nannte die Entscheidung „überraschend“. Er betonte zwar, man sei zuversichtlich, dass der Flughafen kein „flämischer Flughafen“ werde, doch die Befürchtungen im französischsprachigen Landesteil beziehen sich auf einen möglichen Machtmissbrauch bei zukünftigen strategischen Entscheidungen.
Die Übernahme erfolgt in einer Phase, in der der Flughafen Brüssel weiterhin mit politisch sensiblen Streitigkeiten über Lärmschutzbestimmungen und Flugrouten über der Hauptstadtregion konfrontiert ist. Trotz einer im März 2024 erteilten Umweltgenehmigung durch die flämische Regierung wurde diese im Juli 2025 vom Rat für Genehmigungsstreitigkeiten wieder aufgehoben, da gegen obligatorische EU-Konsultationsverfahren verstoßen wurde. Der Flughafen, der sich im flämischen Zaventem befindet, operiert derzeit mit einer vorläufigen Genehmigung, während die flämische Regierung bis Juni 2029 Zeit hat, eine überarbeitete und rechtskonforme Genehmigung vorzulegen. Die Lärmbelastung durch Flugverkehr, die zehntausende Anwohner betrifft, bleibt somit ein zentrales und ungelöstes Problem, das nun unter der Ägide des neuen Hauptaktionärs PMV weiterverfolgt werden muss.