Der boomende Tourismussektor an Kenias Küste sieht sich mit einer wachsenden Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in den technischen Bereichen konfrontiert. Fernab der direkten Gästebetreuung in der Hotellerie – an Rezeptionen oder in Restaurants – ist die einwandfreie Funktion der Infrastruktur für den Erfolg der Branche essenziell. Wartungsabteilungen in Hotels benötigen spezialisiertes Personal, das in der Lage ist, Lecks zu beheben, Sanitäranlagen zu reparieren und elektrische Systeme instand zu halten.
Um diese Fachkräftelücke zu schließen und gleichzeitig jungen, benachteiligten Menschen Perspektiven zu eröffnen, hat die Tui Academy in Zusammenarbeit mit dem Severin Craftsman Training Center in Mombasa ein dreijähriges Ausbildungsprogramm ins Leben gerufen. Das Programm, das sich an 90 junge Erwachsene richtet, bietet Ausbildungen in gefragten Handwerksberufen wie Klempner, Elektriker, Maurer und Metallbauer an und orientiert sich dabei am praxisnahen deutschen Modell. Die Initiative reagiert auf eine hohe Jugendarbeitslosigkeit in den Küstengemeinden Kenias und zielt darauf ab, die lokale Wirtschaft durch die Schaffung von qualifizierten Arbeitskräften zu stärken.
Gezielte Qualifizierung für den Hotelbetrieb
Die Tui Academy in Kenia, eine von insgesamt zwölf weltweiten Akademien der Tui Care Foundation, konzentriert sich auf die praktische und theoriebegleitete Ausbildung von Handwerkern, deren Kompetenzen direkt in der Tourismus- und Gastgewerbebranche benötigt werden. Die Ausbildung orientiert sich explizit am dualen System nach deutschem Vorbild, bei dem die Verbindung von Theorie und praktischer Anwendung im Vordergrund steht. Die Auszubildenden werden nicht nur im Severin Craftsman Training Center unterrichtet, sondern sammeln auch Berufserfahrung direkt in den Wartungsabteilungen der Hotels. Diese betriebsnahe Praxis ist entscheidend, um die vielseitigen und spezifischen Anforderungen des Hotelalltags – von der schnellen Behebung eines Waschbeckenlecks bis zur komplexen elektrischen Instandhaltung – kennenzulernen.
Geschäftsführer Severin Schulte betont, dass das Programm die „nächste Generation junger technischer Fachkräfte an der kenianischen Küste“ ausbildet, was eine direkte Antwort auf den steigenden Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften darstellt. Für die jungen Menschen aus der Region Mombasa, die sich nach dem Abschluss der Sekundarschule oft keine technische Ausbildung leisten können und dadurch einem erhöhten Risiko der Arbeitslosigkeit ausgesetzt sind, ist dieses kostenfreie dreijährige Programm eine wichtige Starthilfe. Neben der Befreiung von Kursgebühren erhalten die Auszubildenden ein Gehalt und eine kostenlose Verpflegung, was die Teilnahme für junge Menschen aus benachteiligten Verhältnissen überhaupt erst ermöglicht.
Duale Struktur und deutsche Qualitätsstandards
Ein wesentliches Merkmal des Ausbildungskonzepts in Mombasa ist die Anlehnung an deutsche Qualitätsstandards. Nach erfolgreichem Bestehen der Prüfungen der National Industrial Training Authority erhalten die Absolventen nicht nur kenianische Zertifikate, sondern auch das AHK-Zertifikat (Klasse C) der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK). Die AHK spielt global eine wichtige Rolle als Plattform und Dienstleister für die duale Berufsbildung im Ausland. Sie berät Unternehmen, sichert die Qualität der Ausbildung und bestätigt die Eignung der betrieblichen Ausbilder. Die Vergabe des AHK-Zertifikats signalisiert die Ausrichtung der Ausbildung an den in Deutschland bewährten Standards und erhöht die internationale Anerkennung der erworbenen Qualifikationen.
Die Partnerschaft zwischen der Tui Care Foundation und der AHK nutzt somit die Erfahrungen des deutschen Systems, um in Zielländern wie Kenia eine Struktur zu schaffen, die den lokalen Arbeitsmarktbedürfnissen gerecht wird. Die AHK versteht sich dabei als Berater und Qualitätssicherungsdienstleister, dessen Ziel es ist, die Fachkräftesicherung für Unternehmen im Ausland zu unterstützen und das duale Modell als effektiven Weg zur beruflichen Qualifizierung zu etablieren. Diese Kooperation fördert nicht nur die Beschäftigungsfähigkeit der Jugendlichen in Kenia, sondern stärkt auch die Verbindung zwischen deutschen Wirtschaftsakteuren und dem ostafrikanischen Markt.
Frauen in technischen Berufen: Ein Fokus auf Inklusion
Ein besonderes Augenmerk des Programms liegt auf der Mobilisierung von Frauen für die technischen Berufe. Traditionell sind Tätigkeiten wie Elektriker, Klempner, Maurer und Metallbauer in Kenia, wie in vielen anderen Ländern, überwiegend von Männern besetzt. Die gezielte Förderung von jungen Frauen in diesen sogenannten „Männerberufen“ ist ein wichtiger Beitrag zur Gleichberechtigung und zur Überwindung gesellschaftlicher Stereotype. Berichte aus Kenia belegen, dass Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Feldern oft mit Vorurteilen und Entmutigung konfrontiert sind, selbst aus dem eigenen familiären Umfeld.
Initiativen zur Stärkung von Frauen in technischen Berufen in Kenia zeigen, dass der Zugang zu Ausbildung in Kombination mit persönlicher Stärkung und Coaching zur finanziellen Unabhängigkeit führen kann. Junge Frauen, die eine Ausbildung in männerdominierten Handwerken abschließen, sehen sich in der Lage, ein regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften und eine verbesserte Selbstbestimmung über ihr Leben zu erlangen. Die Tui Academy leistet durch ihren Fokus auf weibliche Teilnehmer einen Beitrag zur Steigerung der Chancengleichheit und nutzt das oft ungenutzte Potenzial junger Frauen für den lokalen Arbeitsmarkt.
Unterstützung über die Ausbildung hinaus
Das Ausbildungsprogramm in Mombasa geht über die reine Vermittlung fachlicher Fertigkeiten hinaus. Die jungen Auszubildenden erhalten zusätzlich ein umfassendes Lebenskompetenz-Coaching. Dieses ergänzende Angebot, das auch an anderen Standorten der Tui Academy weltweit etabliert ist, umfasst wichtige Bereiche wie Finanz- und Steuerschulungen, unternehmerische Bildung sowie persönliche Beratung. Bei Bedarf, wie etwa für alleinerziehende Mütter, werden zusätzliche Unterstützungsleistungen wie Tagesbetreuung organisiert.
Diese zusätzlichen Bausteine sind entscheidend, um die jungen Menschen nicht nur für den Arbeitsmarkt, sondern auch für eine selbstbestimmte berufliche Laufbahn – bis hin zur möglichen Selbstständigkeit – zu rüsten. Die Tui Care Foundation verfolgt mit ihren globalen Programmen das Ziel, jungen Menschen aus benachteiligten Verhältnissen einen Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen, indem sie ihnen die nötigen Fähigkeiten und das Rüstzeug für den Einstieg in ein Erwerbsleben vermittelt. Die Qualifizierung in gefragten Berufen trägt so zur Entwicklung der lokalen Wirtschaft bei und verbessert langfristig die Lebensbedingungen in den Küstengemeinden Kenias. Das Programm schafft somit eine direkte Brücke zwischen den Anforderungen des florierenden Tourismussektors und dem dringenden Bedarf an beruflichen Perspektiven für die Jugend der Region.