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Tourismus in Wien: Deutliche Erholung bei Übernachtungen, aber Umsatzentwicklung zeigt gemischtes Bild

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Die Tourismuswirtschaft der österreichischen Bundeshauptstadt Wien zeigt nach den Herausforderungen der Vorjahre klare Zeichen der Erholung, jedoch in einem komplexen Geflecht von Kennzahlen. Während die Zahl der Übernachtungen im September 2025 und im bisherigen Jahresverlauf signifikante Zuwächse verzeichnete, offenbaren die Umsatzzahlen der Beherbergungsbetriebe eine heterogene Entwicklung.

Die Metropole etabliert sich weiterhin als starker Magnet für internationale Besucher, wobei insbesondere der deutsche und der heimische Markt sowie Überseemärkte wie die USA und die Ukraine maßgeblich zur Steigerung der Gästezahlen beitragen. Die gestiegene Kapazität an Hotelbetten und eine verbesserte Auslastung im September belegen die Attraktivität Wiens, doch der Blick auf die monatlichen und kumulierten Umsätze erfordert eine differenzierte Betrachtung der wirtschaftlichen Lage der Branche.


Übernachtungszahlen im Aufwind: Wachstum über den Erwartungen

Der September 2025 markiert einen starken Monat für den Wiener Tourismus. Mit insgesamt 1,7 Millionen Übernachtungen wurde ein beachtliches Wachstum von 10 Prozent im Vergleich zum September des Vorjahres erzielt. Diese positive Dynamik setzt sich im kumulierten Jahresverlauf fort: Zwischen Jänner und September 2025 zählte Wien 14,3 Millionen Gästenächtigungen, was einem Anstieg von 5 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2024 entspricht.

Dieser Zuwachs ist ein klares Indiz dafür, dass Wien seine Stellung als eine der führenden europäischen Städtedestinationen festigen konnte. Die Nachfrage der internationalen Quellmärkte, die traditionell einen Großteil der Nächtigungen ausmachen, spielt dabei eine entscheidende Rolle.


Die Top-Märkte: Deutschland führt, Ukraine mit größtem Sprung

Die Analyse der Herkunftsländer der Gäste verdeutlicht die Struktur des Wiener Tourismus. Der deutsche Markt bleibt mit 332.000 Übernachtungen im September und einem Zuwachs von 14 Prozent der mit Abstand wichtigste Quellmarkt. Auch die heimischen Gäste aus Österreich tragen mit 284.000 Übernachtungen und einem Anstieg von 7 Prozent wesentlich zur positiven Bilanz bei.

Bemerkenswert ist das anhaltende Interesse aus Übersee: Die Vereinigten Staaten von Amerika belegen mit 134.000 Nächtigungen (+3%) den dritten Platz und unterstreichen die globale Attraktivität der Stadt. Innerhalb der Top-10-Märkte sticht die Ukraine hervor, die mit 31.000 Übernachtungen das stärkste prozentuale Wachstum von 20 Prozent verzeichnete, ein Zeichen für die veränderten Reiserouten und -bedürfnisse in der aktuellen geopolitischen Lage. Weitere wichtige europäische Märkte wie Großbritannien (+4%), Spanien (+8%), Polen (+12%) und die Schweiz (+10%) zeigen ebenfalls solide Zuwächse, während lediglich Frankreich ein leichtes Minus von 3 Prozent aufweist. Die Diversifizierung der Herkunftsmärkte trägt zur Stabilität der Wiener Tourismusbilanz bei.


Umsatzentwicklung: Hohe Volumina, aber Einbußen im Monatsvergleich

Während die Übernachtungszahlen einen klaren Aufschwung signalisieren, präsentiert sich die Umsatzseite der Beherbergungsbetriebe mit einem komplexeren Bild. Der Netto-Nächtigungsumsatz der Wiener Hotellerie belief sich im Zeitraum Jänner bis August 2025 auf 858,4 Millionen Euro, was einer Steigerung von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dieses kumulierte Wachstum ist angesichts des Anstiegs der Nächtigungen erfreulich, deutet jedoch auf einen moderateren Anstieg der durchschnittlichen Zimmerrate (revpar) hin, als die reine Übernachtungssteigerung vermuten ließe.

Ein genauerer Blick auf den Monat August zeigt eine unerwartete Entwicklung: Im August 2025 betrug der Netto-Nächtigungsumsatz 115,2 Millionen Euro, was einem deutlichen Rückgang von 11 Prozent gegenüber dem August des Vorjahres entspricht. Diese monatliche Einbuße kontrastiert stark mit den allgemeinen Wachstumstrends und den positiven Zahlen des September. Gründe für diesen Rückgang könnten in einer veränderten Zusammensetzung der Gästestruktur, einer stärkeren Rabatttätigkeit oder einer Verschiebung von Großveranstaltungen und Kongressen liegen, die typischerweise das Premium-Segment des August-Geschäfts beeinflussen. Die Hotellerie steht damit vor der Herausforderung, die erfreuliche Zunahme der Belegung in eine stabile und steigende Einnahmesituation zu überführen.


Kapazitätserweiterung und Auslastungssteigerung

Die positiven Übernachtungszahlen gehen einher mit einer Zunahme der Hotelkapazität. Im September 2025 standen in Wien insgesamt 82.200 Hotelbetten zur Verfügung, was einer Erweiterung um 3,2 Prozent oder rund 2.500 Betten im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht.

Trotz dieser Kapazitätserweiterung konnte die Hotellerie die Auslastung im September deutlich steigern. Die Zimmerauslastung lag im September bei rund 75 Prozent, eine signifikante Steigerung gegenüber den rund 70 Prozent im Vorjahresmonat. Auch die Bettenauslastung verbesserte sich von 53,5 Prozent auf 57,7 Prozent. Dies beweist, dass die gestiegene Nachfrage die Erweiterung des Angebots nicht nur absorbieren, sondern auch zu einer effizienteren Nutzung der verfügbaren Kapazitäten führen konnte.

Im kumulierten Jahresverlauf (Jänner bis September) stellt sich das Bild der Auslastung jedoch leicht gedämpfter dar. Die Zimmerauslastung lag bei rund 68 Prozent (gegenüber 69% im Vorjahr), während die Bettenauslastung 52,2 Prozent (gegenüber 52,9% im Vorjahr) betrug. Die leicht gesunkene kumulierte Auslastung bei gleichzeitig gestiegener Nächtigungszahl kann primär mit der Zunahme der verfügbaren Bettenkapazität im Jahresverlauf erklärt werden, was rechnerisch zu einer leichten Verwässerung des durchschnittlichen Auslastungsgrades führt.


Markttrends und Ausblick: Die Rolle des Städtetourismus

Die Entwicklung in Wien spiegelt allgemeine Trends im europäischen Städtetourismus wider. Nach den tiefen Einschnitten durch die weltweiten Reisebeschränkungen erholt sich der Städtetourismus weltweit, wobei Metropolen mit einem reichhaltigen kulturellen Angebot und einer starken internationalen Anbindung besonders profitieren. Wien, bekannt für seine historischen Sehenswürdigkeiten, seine Musiktradition und als Kongressstandort, zieht sowohl Freizeitreisende als auch Geschäftsreisende an.

Die Tatsache, dass der Nächtigungsumsatz im August, einem traditionell starken Reisemonat, im Vergleich zum Vorjahr zurückging, während die kumulierten Nächtigungen stiegen, wirft Fragen bezüglich der durchschnittlich erzielten Zimmerpreise und der Rentabilität auf. Analysten gehen davon aus, dass die Hotellerie in einem Umfeld steigender Betriebskosten und intensivem Wettbewerb weiterhin unter Preisdruck steht. Obwohl die Wiederherstellung der Volumina ein wichtiger Schritt ist, wird der Fokus der Branche in den kommenden Monaten auf der Steigerung des Ertrags pro verfügbarem Zimmer liegen müssen, um eine nachhaltig gesunde wirtschaftliche Entwicklung zu sichern. Der starke September-Abschluss gibt dabei Anlass zur Zuversicht, dass die Hoteliers in der Lage sind, höhere Preise durchzusetzen, sobald die Kapazitäten stärker ausgelastet sind.

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