Das Wiener Rote Kreuz betritt mit der offiziellen Vorstellung seiner neuen Drohnenstaffel beim Wiener Sicherheitsfest am 25. und 26. Oktober 2025 am Rathausplatz eine neue Phase der technologischen Einsatzunterstützung. Diese Initiative markiert einen zukunftsweisenden Schritt in der Optimierung von Rettungs- und Hilfsdiensten. Angesichts der zunehmenden Komplexität von Einsätzen im urbanen und ländlichen Raum sowie der Notwendigkeit einer schnellen und präzisen Lagebeurteilung sehen die Verantwortlichen in der Drohnentechnologie eine wesentliche Erweiterung der operativen Möglichkeiten.
Die Erfahrungen aus realen Einsätzen in Wien und Niederösterreich haben den Bedarf an solchen technischen Hilfsmitteln deutlich belegt. Ziel ist es, die Einsatzkräfte durch hochmoderne Luftunterstützung in die Lage zu versetzen, schneller, sicherer und effizienter Hilfe zu leisten. Laut Georg Geczek, Landesrettungskommandant des Wiener Roten Kreuzes, erweitert die neue Staffel die Kapazitäten insbesondere in den Bereichen Personenrettung, Katastrophenhilfe und Veranstaltungssicherheit. Mit dieser Innovation setzt das Wiener Rote Kreuz ein starkes Zeichen für die interorganisationale Zusammenarbeit und die Modernisierung der Notfallversorgung.
Technologische Aufrüstung und operative Vorbereitung
Die Drohnenstaffel wird ab dem ersten Quartal 2026 rund um die Uhr einsatzbereit sein. Bis dahin läuft die intensive Schulung der Mitarbeiter und die Einrichtung der notwendigen operativen Strukturen.
Spezialisierte Personalschulung und überregionale Kompatibilität
Der Aufbau der Staffel beginnt mit 12 speziell ausgebildeten Mitarbeitern. Die Ausbildung folgt einem österreichweit einheitlichen Standard, was die theoretische Möglichkeit eines überregionalen Einsatzes in ganz Österreich eröffnet. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da große Schadenslagen und Katastrophen oft eine länderübergreifende Kooperation erfordern. Darüber hinaus bildet das Rote Kreuz Drohnen-Einsatzleiter aus. Deren Aufgabe ist die Koordination komplexer Szenarien, bei denen möglicherweise mehrere unbemannte Flugsysteme gleichzeitig eingesetzt werden, um eine umfassende und effiziente Luftaufklärung zu gewährleisten.
Hochmoderne Sensorik und Künstliche Intelligenz
Die eingesetzten Drohnen sind mit modernster Technik ausgestattet, deren Hauptmerkmal die Wärmebildkamera ist. Diese ermöglicht die Personensuche auch bei Nacht oder unter schwierigen Sichtbedingungen, was die Erfolgsrate bei Vermisstensuchen signifikant erhöhen kann.
Eine weitere Schlüsselkomponente ist die ki-gestützte Auswertung von Luftbildern. Diese Technologie dient der schnellen Einschätzung von Bewegungsflüssen und der Dichteverteilung von Menschenmengen (Crowd Management), insbesondere bei Großveranstaltungen. Durch die automatische Analyse von Mustern und Anomalien können potenzielle Gefahrensituationen frühzeitig erkannt und präventive Maßnahmen eingeleitet werden, bevor es zu Überfüllungen oder unkontrollierten Bewegungen kommt. Armin Fauland, der die Staffel ehrenamtlich leitet, betont die zentrale Rolle dieser Technologien für die präzise Lagebeurteilung in Echtzeit.
Einsatzspektrum und Synergien mit anderen Organisationen
Das Einsatzspektrum der neuen Drohnenstaffel ist breit gefächert und konzentriert sich auf Bereiche, in denen eine schnelle Übersicht aus der Vogelperspektive einen kritischen Vorteil bietet.
Unterstützung bei der Personensuche
Die Personensuche bildet einen Kernbereich. Vor allem in unübersichtlichem Gelände, schwer zugänglichen Gebieten oder bei Nacht kann der Einsatz von Drohnen die Suchzeiten drastisch verkürzen und somit die Überlebenschancen der Gesuchten erhöhen. Die Fähigkeit der Drohnen, großflächige Gebiete systematisch und schnell mit Wärmebildkameras abzusuchen, ergänzt die Arbeit von Suchtrupps am Boden und in Hubschraubern effizient.
Katastrophenhilfe und Lageeinschätzung
Bei Großschadensereignissen oder Katastrophen – wie Hochwasser, Erdrutschen oder großflächigen Bränden – ist eine schnelle und akkurate Lageeinschätzung von entscheidender Bedeutung für die Steuerung der Hilfskräfte. Drohnen können innerhalb weniger Minuten eine Übersicht über das betroffene Gebiet liefern, beschädigte Infrastruktur identifizieren und die Ausbreitung von Schäden dokumentieren. Diese Luftbilder und Videosequenzen sind ein unverzichtbares Werkzeug für die Entscheidungsträger im Krisenstab.
Veranstaltungssicherheit und Crowd Management
Im Bereich der Veranstaltungssicherheit wird die KI-gestützte Analyse von Personendichten und Bewegungsströmen zu einem Game Changer. Bei großen öffentlichen Versammlungen oder Konzerten kann die Drohnenstaffel in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden dazu beitragen, Engpässe und kritische Menschenansammlungen zu identifizieren. Durch das sogenannte Crowd Management kann das Rote Kreuz präventiv handeln, um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten.
Interorganisationale Zusammenarbeit
Ein weiteres wichtiges Element ist die Unterstützung anderer Einsatzorganisationen wie Feuerwehr und Polizei auf Anforderung. Der Trend in der modernen Katastrophenhilfe geht hin zu einem vernetzten Einsatzmanagement, bei dem technische Ressourcen geteilt werden. Die Drohnenstaffel des Roten Kreuzes wird in der Lage sein, Luftaufnahmen und Daten bereitzustellen, die zur effektiven Brandbekämpfung, der Sicherung von Tatorten oder der allgemeinen Gefahrenabwehr durch andere Behörden benötigt werden.
Entwicklungstrends in der Rettungstechnologie
Die Einführung der Drohnenstaffel durch das Wiener Rote Kreuz ist Teil eines globalen Trends zur Integration unbemannter Luftfahrtsysteme (uas) in Rettungs- und Sicherheitsdienste. Weltweit erkennen Hilfsorganisationen den Mehrwert dieser Technologie.
Berichte aus dem internationalen Raum zeigen, dass uas zunehmend für den Transport kleinerer, dringend benötigter Güter, wie zum Beispiel lebensrettender Defibrillatoren oder Medikamente, in schwer zugängliche Gebiete eingesetzt werden. Auch in der Rettung von Schiffbrüchigen an Küstenlinien oder der Inspektion von Industrieanlagen nach Unfällen sind Drohnen bereits etabliert. Die Technologie entwickelt sich rasant weiter, mit Fortschritten in der Batterielebensdauer, der Autonomie und der Nutzlastkapazität. Die Entscheidung des Wiener Roten Kreuzes, von Anfang an auf KI-gestützte Auswertung und österreichweit standardisierte Ausbildung zu setzen, positioniert die Organisation an der Spitze dieser technologischen Entwicklung im Inland. Die neue Staffel unterstreicht, dass die moderne humanitäre Arbeit in hohem Maße von der technologischen Innovation abhängt, um den sich ständig ändernden Anforderungen von Krisen und Großereignissen gerecht zu werden und die bestmögliche Hilfe für die Bevölkerung sicherzustellen.
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