Boeing 787-9 (Foto: Riyadh Air).
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Riyadh Air nimmt Betrieb auf und fordert die etablierten Golf-Airlines heraus

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Mit dem Jungfernflug von Riad nach London Heathrow am 26. Oktober 2025 hat Saudi-Arabien offiziell seinen ambitionierten Vorstoß in den globalen Luftfahrtmarkt gestartet. Die neue staatliche Fluggesellschaft Riyadh Air, unterstützt durch den saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF), markiert einen zentralen Pfeiler der „Vision 2030“ des Königreichs.

Diese strategische Initiative zielt darauf ab, die Wirtschaft des Landes zu diversifizieren, den Tourismus massiv auszubauen und Riad als bedeutendes globales Drehkreuz für Verkehr und Logistik zu etablieren. Die Aufnahme des Flugbetriebs, beginnend mit einer Schlüsselverbindung in Europa, ist der erste Schritt auf dem Weg zu einem ehrgeizigen Ziel: ein Netzwerk von über 100 Destinationen innerhalb der nächsten fünf Jahre aufzubauen. Damit positioniert sich Riyadh Air unmittelbar als ernstzunehmender Konkurrent zu den etablierten Golf-Riesen wie Emirates und Qatar Airways.

Der Premierenflug RX401 startete in den frühen Morgenstunden in Riad und landete nach einer Flugzeit von sechs Stunden und 48 Minuten in London. Die Passagiere dieses historischen Fluges bestanden ausschließlich aus Mitarbeitern von Riyadh Air und des PIF sowie geladenen Partnern und Gästen. Dieses Verfahren einer internen Inbetriebnahme soll Berichten zufolge auch für die nächsten Flüge beibehalten werden, um Prozesse zu optimieren und das Personal weiter zu schulen. Die Strecke zwischen Riad und der britischen Hauptstadt soll künftig täglich bedient werden. Als nächste internationale Destination ist Dubai vorgesehen, was die regionale Konkurrenzsituation zusätzlich verschärfen dürfte.

Gigantische Flottenaufträge als Basis des Wachstums

Die rasante Expansion von Riyadh Air basiert auf einer in der Luftfahrtgeschichte beispiellosen Größenordnung an Flugzeugbestellungen für einen neuen Betreiber. Die Flotte, mit der die Airline ihr Ziel von mehr als 100 Zielen bis zum Jahr 2030 erreichen will, wird aus Flugzeugen von Boeing und Airbus bestehen.

Die Grundlage des Langstreckenbetriebs bilden 72 Boeing 787-9 Dreamliner, wovon 39 fest bestellt sind und 33 als Optionen gehalten werden. Diese Order wurde bereits im März 2023 getätigt. Hinzu kamen weitere Großaufträge beim europäischen Konkurrenten Airbus: 60 Schmalrumpfflugzeuge des Typs A321neo für kürzere und mittlere Strecken sowie bis zu 50 Großraumflugzeuge des Typs A350, von denen 25 fest bestellt sind. Insgesamt umfasst die geplante Flotte damit eine Größenordnung von über 180 modernen Flugzeugen.

Der Jungfernflug nach London wurde mit einer geleasten Boeing 787-9 (Kennzeichen HZ-RXX) durchgeführt, die Riyadh Air seit Januar 2025 zu Schulungs- und Zertifizierungszwecken betrieben hat. Die ersten fabrikneuen Flugzeuge aus den Großaufträgen werden noch vor Ende 2025 erwartet, was den Start des schnellen Hochfahrens des Streckennetzes einleiten soll. Die Fluggesellschaft erhielt ihre Betriebsgenehmigung (Air Operator Certificate, AOC) von der saudi-arabischen zivilen Luftfahrtbehörde (GACA) im April 2025.

Die Strategische Bedeutung im Rahmen der Vision 2030

Die Gründung von Riyadh Air ist nicht als isoliertes Projekt zu sehen, sondern als integraler Bestandteil der umfassenden saudi-arabischen Strategie „Vision 2030“. Die Luftfahrt nimmt in diesem nationalen Transformationsplan eine Schlüsselrolle ein. Saudi-Arabien beabsichtigt, bis 2030 über $100 Milliarden in den Luftfahrtsektor zu investieren, die Passagierkapazität der Flughäfen auf 330 Millionen Reisende pro Jahr zu steigern und das Frachtvolumen zu vervierfachen.

Riyadh Air soll dabei als zweite nationale Fluggesellschaft neben der bereits etablierten Saudia fungieren. Die Strategie sieht vor, eine klare Aufgabenteilung zu schaffen: Während Saudia sich auf die wichtige Rolle als Verbindungsglied zu den heiligen Städten Mekka und Medina über ihren Drehkreuz-Flughafen in Dschidda (Jeddah) konzentrieren soll, ist Riyadh Air dazu bestimmt, die Hauptstadt Riad zu einem globalen Umsteigeflughafen nach dem Vorbild von Dubai oder Doha zu entwickeln.

Diese aggressive Markteinführung zielt darauf ab, Saudi-Arabien zu einem der führenden globalen Luftfahrtzentren zu machen und die Dominanz der bisherigen Regionalführer in Frage zu stellen. Der Wettbewerb im Golfraum, der bereits von etablierten und finanzstarken Fluggesellschaften geprägt ist, wird sich dadurch deutlich verschärfen. Experten sehen in Riyadh Air einen direkten Herausforderer, der mit einer hochmodernen Flotte und einem Fokus auf Premium-Produkte Passagiere im Transitverkehr anziehen möchte.

Der Wettbewerb in der Golfregion: Ein neues Kräfteverhältnis

Die Luftfahrtlandschaft im Nahen Osten gilt als eine der dynamischsten und wettbewerbsintensivsten der Welt. Emirates mit ihrem Drehkreuz in Dubai und Qatar Airways mit Doha als Basis haben über Jahrzehnte hinweg eine dominante Position im globalen Transitverkehr zwischen Europa/Amerika und Asien/Australien aufgebaut. Riyadh Air tritt nun in diesen Markt ein, gestützt durch die enorme Finanzkraft des PIF und eine ehrgeizige nationale Strategie.

Die neue Fluggesellschaft plant, sich durch einen Fokus auf Servicequalität und ein innovatives Passagiererlebnis zu differenzieren. Berichte über die Kabinenausstattung der Dreamliner, die mit modernster Technologie, High-Speed-WLAN und komfortablen Sitzen in allen Reiseklassen aufwarten soll, untermauern diesen Anspruch. Das Ziel ist es, nicht nur kostensensitive Reisende, sondern insbesondere Premium-Kunden anzusprechen und ihnen eine attraktive Alternative auf den Langstrecken anzubieten.

Die Herausforderung für Riyadh Air liegt nicht nur in der schnellen Expansion des Streckennetzes und der Bewältigung der logistischen Aufgaben, die mit einer derartigen Flottenvergrößerung verbunden sind. Vielmehr muss die Airline schnell eine starke, international anerkannte Marke aufbauen und eine Betriebsexzellenz erreichen, um die Loyalität der Transitreisenden zu gewinnen, die bisher die Netzwerke von Emirates und Qatar Airways nutzen.

Logistische und wirtschaftliche Perspektiven

Die erfolgreiche Umsetzung der Wachstumspläne von Riyadh Air erfordert eine parallele Entwicklung der Bodeninfrastruktur. Der Flughafen King Khalid International Airport in Riad, der als primäres Drehkreuz der neuen Airline dienen wird, muss seine Kapazitäten signifikant erweitern, um den erwarteten Anstieg des Passagieraufkommens bewältigen zu können. Die saudi-arabische Luftfahrtstrategie sieht hierfür massive Investitionen in den Ausbau der Flughafeninfrastruktur vor. Wirtschaftlich gesehen stellt die Gründung von Riyadh Air ein milliardenschweres Unterfangen dar, das die Machtverschiebung im regionalen Luftverkehr symbolisiert. Die Finanzierung der riesigen Flottenbestellungen erfolgt maßgeblich über den PIF, ergänzt durch Leasing- und Finanzierungsinstrumente. Die Ambition ist es, die saudi-arabische Hauptstadt zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt zu machen und damit die Abhängigkeit des Landes von seinen Öleinnahmen weiter zu reduzieren. Der Erfolg der Airline wird somit eng mit der Erreichung der gesamten „Vision 2030“-Ziele des Königreichs verbunden sein und zeigen, ob der globale Luftfahrtmarkt Raum für einen weiteren Megacarrier am Golf bietet.

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