Die saudi-arabische Neugründung Riyadh Air treibt ihre kommerzielle Markteinführung mit energischen Schritten voran und sichert sich vor der offiziellen Auslieferung ihrer Großbestellungen die notwendigen Flugzeuge über Leasingverträge.
Die Fluggesellschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, ein führender globaler Akteur im Luftverkehr zu werden, hat am 27. Oktober 2025 einen Leasingvertrag über eine Boeing 787-9 Dreamliner mit der ebenfalls in Saudi-Arabien ansässigen Gesellschaft AviLease unterzeichnet. Diese Vereinbarung ist strategisch von doppelter Bedeutung: Sie positioniert AviLease als den ersten Leasingpartner von Riyadh Air und stellt sicher, dass die Airline ihre operative Präsenz aufbaut, bevor die ersten Flugzeuge aus ihren umfangreichen Festbestellungen eintreffen.
Die Leasing-Aktivitäten sind Teil einer umfassenden Vorbereitungsphase für den kommerziellen Start. Nur einen Tag zuvor, am 26. Oktober 2025, absolvierte Riyadh Air ihren symbolischen Erstflug von Riad (King Khalid International Airport, RUH) nach London-Heathrow (LHR). Dieser Flug wurde ebenfalls mit einer geleasten Boeing 787-9, in diesem Fall von Oman Air, durchgeführt und demonstrierte bereits die globale Reichweite und den Anspruch der Fluggesellschaft. Die rasche Sicherung von hochmodernen Großraumflugzeugen wie der Boeing 787 ist entscheidend für Riyadh Air, um ihren Zeitplan einzuhalten und ihren künftigen Passagieren ein hochwertiges Reiseerlebnis bieten zu können.
Strategische Bedeutung des Dreamliners für den Markteintritt
Der nun abgeschlossene Leasingvertrag mit AviLease über einen Boeing 787-9 Dreamliner, dessen Übergabe im vierten Quartal 2025 erwartet wird, ist ein zentraler Baustein in der kurzfristigen Flottenstrategie von Riyadh Air. Die Wahl des Musters ist kein Zufall: Die 787-9 ist ein effizientes und reichweitenstarkes Flugzeug, das die Anforderungen an einen globalen Langstreckenbetreiber ideal erfüllt.
Adam Boukadida, der Finanzchef von Riyadh Air, hob die Fähigkeit der 787 hervor, eine Weltklasse-Reiseerfahrung zu liefern. Die Vereinbarung mit AviLease, die ihrerseits als strategischer Wegbereiter für das saudische Luftfahrt-Ökosystem gilt, unterstreicht die engen Verflechtungen innerhalb der staatlichen Investitionslandschaft. Die Muttergesellschaft von Riyadh Air ist der Public Investment Fund (pif), der saudische Staatsfonds, dessen Mitarbeiter auch an Bord des ersten Demonstrationsfluges waren. Edward O’Byrne, CEO von AviLease, bestätigte, dass die Partnerschaft mit Riyadh Air das Vertrauen in die eigene, schnell wachsende Leasingplattform signalisiert und die Rolle von AviLease als strategischer Ermöglicher der saudischen Luftfahrtambitionen unterstreicht.
Die kurzfristige Leasingstrategie ist eine gängige Praxis für neue Fluggesellschaften, insbesondere solche mit aggressiven Wachstumsplänen, um die oft langen Lieferzeiten für bestellte Flugzeuge zu überbrücken. Dies ermöglicht es Riyadh Air, Flugbesatzungen zu schulen, Bodenteams zu etablieren und Vertriebskanäle zu testen, bevor die eigenen Flugzeuge aus der Serienproduktion eintreffen.
Riesige Flottenbestellung und globale Ambitionen
Die endgültige Flottenstruktur von Riyadh Air, die eine Mischung aus Großraum- und Schmalrumpfflugzeugen vorsieht, ist ein deutliches Zeichen für die aggressiven Expansionsziele der neuen Airline. Die Fluggesellschaft hat eine umfangreiche Bestellung bei den beiden größten Flugzeugherstellern weltweit platziert, was ihr Engagement für einen langfristigen, globalen Betrieb unterstreicht.
Die Bestellungen umfassen:
- 39 Boeing 787-9 Dreamliner (mit Optionen für weitere Flugzeuge), die das Rückgrat der Langstreckenflotte bilden sollen.
- 60 Airbus A321neo für Kurz- und Mittelstreckenverbindungen innerhalb der Region und nach Europa.
- 25 Airbus A350-1000 für besonders reichweitenstarke Langstrecken.
Diese Bestellungen zeigen den Willen, einen dual-hub-Ansatz in Saudi-Arabien zu etablieren, um mit den etablierten Golf-Airlines wie Emirates, Qatar Airways und Etihad Airways zu konkurrieren. Riyadh Air soll das zentrale Drehkreuz in der Hauptstadt Riad aufbauen und zur wirtschaftlichen Diversifizierung des Königreichs beitragen, die im Rahmen der Saudi Vision 2030 angestrebt wird. Die erste offizielle Auslieferung eines bestellten Flugzeugs wird vor Ende des Jahres 2025 erwartet, womit der Übergang vom Leasing- zum eigenen Flottenbetrieb eingeleitet wird.
Der symbolische Erstflug und die Rolle des pif
Der Maiden Flight von Riad nach London-Heathrow am 26. Oktober 2025 war ein symbolischer Akt, der die globale Ausrichtung und die finanzielle Rückendeckung der Airline demonstrierte. Die Strecke von der saudischen Hauptstadt zu einem der wichtigsten internationalen Luftverkehrsdrehkreuze der Welt ist ein klares Statement an die internationale Luftfahrtgemeinschaft.
An Bord des von Oman Air geleasten Dreamliners befanden sich ausschließlich Mitarbeiter von Riyadh Air und des pif. Diese Besetzung unterstreicht, dass die Airline ein Prestigeprojekt des saudischen Staatsfonds ist, der erhebliche finanzielle Mittel und politischen Rückhalt in die Etablierung des neuen Carriers investiert. Die Gründung von Riyadh Air ist ein zentrales Element des Plans, Riad zu einem der Top-10-Städte der Welt in Bezug auf Wirtschaft, Tourismus und Lebensqualität zu entwickeln. Die Airline soll bis 2030 über 100 Destinationen weltweit anfliegen und damit nicht nur den Tourismus, sondern auch den Geschäftsreiseverkehr in die Golfregion massiv ankurbeln.
Die Finanzierung durch den pif bietet Riyadh Air einen erheblichen Wettbewerbsvorteil, da die Airline in der Lage ist, die neuesten und technologisch fortschrittlichsten Flugzeuge in großen Mengen zu bestellen und gleichzeitig die Anlaufphase durch strategisches Leasing zu überbrücken. Dieser aggressive Markteintritt stellt eine direkte Herausforderung für die etablierten Golf-Carrier dar und wird voraussichtlich zu einer Intensivierung des Wettbewerbs im internationalen Flugverkehr, insbesondere auf den lukrativen Routen zwischen Europa, Asien und dem Mittleren Osten, führen.